Hertha-Stürmer Vedad Ibisevic (r.) und Trainer Bruno Labbadia schätzen sich - dennoch erhält der Bosnier keinen neuen Vertrag.  Foto: City-Press

Der Poker ist beendet! Für Kapitän Vedad Ibisevic (35) scheint bei Hertha in der kommenden Saison kein Platz mehr zu sein. Auch, wenn sich Manager Michael Preetz noch eine Hintertür offen lässt, steht fest: Einer wird sich ärgern.

„Wir haben Vedad darüber informiert, dass wir ihm im Moment kein neues Angebot unterbreiten werden“, sagte Preetz dem kicker: „Wir halten uns das aber offen.“

Die Entscheidung überrascht: Ibisevic, 2015 vom VfB Stuttgart gekommen, hatte bis zuletzt gezeigt, was er noch drauf hat. Besonders unter seinem einstigen Förderer, Trainer Bruno Labbadia, blühte er wieder auf und schoss Hertha aus dem Abstiegskampf und zum Derbysieg. „Er hat mich als Stürmer verstanden und besser gemacht“, erklärte der Bosnier erst vor wenigen Wochen. Auch Labbadia lobte: „Vedo war der Leader, den wir gebraucht haben."

Dennoch soll nun Schluss sein. Hertha plant den Angriff auf Europa mit Stürmer Dodi Lukebakio (22) sowie den offensiven Winter-Zugängen Krzysztof Piatek (25) und Matheus Cunha (21). Neben den beiden Talenten Daishawn Redan und Jessic Ngankam (beide 19) soll noch ein weiter neuer Angreifer verpflichtet werden.

Dass sich Hertha und Ibisevic trotz gegenseitiger Wertschätzung und prallgefüllter Klubkasse nicht auf einen stark leistungsbezogenen Einjahresvertrag einigen konnten, könnte schon bald eine Seite mächtig ärgern.

Hertha verliert einen echten Anführer, dessen Wort in der Kabine Gewicht hat. Vor allem aber einen Vollblut-Stürmer, der weiter in der Bundesliga spielen will und damit schon bald gegen Hertha auf Torejagd gehen könnte. Ibisevic wiederum muss sich nun mit fast 36 Jahren in der Corona-Krise einen neuen Klub suchen, mit seiner Familie nochmals einen Neuanfang wagen. Dass er noch lange nicht genug hat, erklärte er jüngst: „Ich habe weiter richtig Bock auf Fußball.“ 

Ibisevics Ehrgeiz könnte der Knackpunkt im Poker gewesen sein. Sich hintenanstellen, mit einer Joker-Rolle zufriedengeben, entspricht nicht seinem Naturell. Wer sich am Ende verzockt hat, wird sich bald zeigen.