Fanden in höchster Not doch noch zusammen und zogen im Abstiegskampf an einem Strang: Die Spieler von Hertha BSC.  Imago

Ha Ho He-iterkeit! Pure Erleichterung überall. Der geschaffte Klassenerhalt produzierte Bilder für das blau-weiße Geschichtsbuch. Erst tanzten die Spieler Samba in der Kabine, dann gab Trainer Pal Dardai sein locker-legendäres TV-Interview. Wie sehr Herthas Zukunft am seidenen Faden hing, gesteht der Chefcoach erst jetzt.

„Es war das Schwierigste, dass die Jungs die egoistischen Gedanken zur Seite schieben und als Team funktionieren“, erklärt Dardai den Schlüssel im Überlebenskampf und schiebt hinterher: „Da brauchte man als Trainer auch Eier und Mut. Aber alles, was ich gelernt habe, habe ich durchgesetzt.“

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Pal Dardai ging es auf die Nerven

Dardais Devise: Nach außen blieb er stets cool, auch wenn es in ihm brodelte. Immer und immer wieder stellte sich der Ungar vor seine Spieler, selbst wenn die ihn regelmäßig enttäuschten. „Manchmal hast du gedacht, okay, sie haben es verstanden“, blickt Dardai zurück: „Und dann hast du das nächste Spiel angeguckt und gedacht, das kann nicht sein. Das geht irgendwann auf die Nerven. Es gab Momente, in denen ich gedacht habe, die sind einfach nicht lernwillig.“

Trotz des immensen Drucks (Dardai: „Ich hatte Angst, dass ich mein Gesicht verliere.“), blieb er sich treu - und heizte den Spieler intern mit seiner offenen Art mächtig ein. Beispiele gefällig? 

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Santiago Ascacibar und Nemanja Radonjic liefern im Schlussspurt 

Santiago Ascacibar: Der giftige Gaucho stellte sein Ego beim letzten Spiel vor der Corona-Quarantäne über die Mannschaft und kassierte von Dardai einen Rüffel. Nach dem Restart hielt er sich an die taktischen Vorgaben, öffnete sein großes Kämpferherz für das Team und machte beim 3:0 gegen Freiburg sein bestes Spiel für Hertha.

Nemanja Radonjic: Der Serbe galt schon als Fehl-Leihe. Nach seinem Winterwechsel kam schnell Kritik auf: Er denke auf dem Platz nur an sich, ecke in der Kabine mit seinem angeblich schwierigen Charakter an. Dardai löste das Radonjic-Rätsel, machte ihn erst fit und dann zum Teamspieler: Zwei Vorlagen in den letzten vier Spielen, dazu sein Super-Solo gegen Freiburg.

Sportdirektor Arne Friedrich, der Radonjic aus Marseille nach Berlin lockte: „So wollen wir ihn sehen. Er hat das Potenzial zum Unterschiedspieler. Er braucht noch etwas Führung und Unterstützung und beides bekommt er von uns.“

Mit dem Rücken zur Wand formte Dardai in letzter Sekunde aus vielen Ich-AGs ein Team. Und ist entsprechend happy: „Die Spieler wissen jetzt, wie ich ticke: ehrlich, manchmal schmerzhaft - aber davon kannst du lernen. Jetzt funktionieren sie als Mannschaft.“