Schaut ungläubig auf das Hertha-Investment von Lars Windhorst: Ex-Manager Dieter Hoeneß (69).
Schaut ungläubig auf das Hertha-Investment von Lars Windhorst: Ex-Manager Dieter Hoeneß (69). Imago/Pressefoto Baumann

Hertha BSC ist besonders wegen der gigantischen Finanzspritze von Lars Windhorst (45) seit dem Sommer 2019 in aller Munde. Der KURIER warf bereits vor Monaten die Frage auf, ob sich der 374-Millionen-Investor brutal verzockt hat. Während halb Fußball-Deutschland über die Blau-Weißen lacht, staunt Ex-Manager Dieter Hoeneß (69) über das Hertha-Glück: Lars Windhorst bekommt seine 374 Millionen nie zurück!

„Bei so viel Geld hat er überraschenderweise gewisse Dinge nicht recherchiert. Im Grunde genommen ist es unglaublich, dass er mit so viel Geld in einen Verein reingeht und am Ende nahezu kein Mitspracherecht hat oder wenigstens ein Veto-Recht. Das ist unverständlich“, staunt Hoeneß im Gespräch mit dem RBB.

Fakt ist: Auf dem Papier hat Windhorst bei Hertha nullkommanull zu sagen. Zur Erinnerung: Windhorst erwarb nicht 64,7 Prozent der Anteile am Verein, lediglich an der GmbH & Co. KGaA. Deswegen greift auch nicht die 50+1-Regel.

Lars Windhorst hat bei Hertha BSC nichts zu sagen

Fanden nie zueinander und stritten sich am Ende öffentlich: Ex-Hertha-Präsident Werner Gegenbauer (l.) und Investor Lars Windhorst.
Imago/Matthias Koch
Fanden nie zueinander und stritten sich am Ende öffentlich: Ex-Hertha-Präsident Werner Gegenbauer (l.) und Investor Lars Windhorst.

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Dafür bekam das einstige Wunderkind der deutschen Wirtschaft wie einst Investor-Vorgänger KKR zwei von neun Sitzen im Aufsichtsrat der KGaA. De Facto sitzt er mit am Tisch, Befehlsgewalt hat er nicht.

Ein Darlehen, sprich Schulden bei Windhorst, wie es der Hamburger SV bei Klaus-Michael Kühne und viele Klubs bei Michael Kölmel (auch der 1. FC Union) haben, soll Hertha nicht haben. Auch von erfolgsabhängigen Zahlungen ist nichts bekannt.

Im Gegenteil: Der Klub und vor allem Ex-Präsident Werner Gegenbauer sowie Noch-Finanz-Boss Ingo Schiller (geht zum 31. Oktober) wurden nicht müde zu betonen, dass Windhorsts Millionen sicher auf Herthas Konten liegen.

Dieter Hoeneß gratuliert Hertha und wundert sich über Windhorst

Windhorst, gegen den nach dem aufgehobenen Insolvenz-Urteil seiner Tennor-Firma weiterhin ein Strafverfahren wegen unerlaubter Bankgeschäfte läuft, wurde von Freunden und Experten vor seinem Hertha-Einstieg gewarnt. Doch sein Drang, seinen internationalen Geschäftspartnern als Fußball-Klubbesitzer zu imponieren, soll ausgeprägter gewesen sein als die Vernunft. Nach KURIER-Informationen war man auch bei Hertha überrascht, dass Windhorst den Millionen-Deal ohne Garantien und Bedingungen unterschrieb.

Für Hoeneß steht fest: „Ich glaube, er war nicht gut vorbereitet, und Lars Windhorst weiß, dass er das anders hätte machen müssen. Möglicherweise hat er die falschen Berater gehabt.“

Des einen Leid ist bekanntlich des anderen Freud’: Eigentlich hätten Gegenbauer und Schiller für den Windhorst-Deal ein Hertha-Denkmal verdient. Der finanziell schwer angeschlagene Klub nutzte wegen fehlender Absprachen die Windhorst-Millionen zur Kernsanierung. Schulden wurden getilgt, Kredite zurückgezahlt und nur ein Teil in die Mannschaft gepumpt. Hoeneß lobt: „Der Verein hat auf der anderen Seite einen guten Deal gemacht.“

Dieter Hoeneß lobt Hertha-Präsident Kay Bernstein

Hoeneß, von 1997 bis 2011 Hertha-Boss, hat in seiner Amtszeit auch den neuen Präsidenten Kay Bernstein kennengelernt. Damals allerdings noch als Ultra: „Ich habe mit Kay Bernstein mehrere Sträuße ausgefochten. Wobei ich sagen muss, dass ich ihn auch damals schon mochte, obwohl er uns einige Sorgen bereitet hat. Damals war er ein junger Kerl mit Flausen im Kopf und vielleicht auch etwas zu euphorisiert.“

Das hat sich bekanntlich mittlerweile geändert. Nach seiner Wahl zum Präsidenten gratulierte nun der ehemalige Manager dem ehemaligen Ultra. Das Gespräch hat Hoeneß imponiert: „Er ist mit Leib und Seele Herthaner, das kann man ihm hundertprozentig abnehmen. Und er ist kein Dummer. Das ist ein waches Kerlchen. Fakt ist, dass er demokratisch gewählt wurde. Er und Hertha BSC haben die Chance verdient.“

Diese gilt es nun zu nutzen. Dazu gehört auch, Machtverhältnisse hin oder her, das Verhältnis zu Windhorst zu kitten. Nur so kann Hertha BSC mit seinem Nichts-zu-sagen-Investor zur Ruhe kommen.

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