Braun gebrannt vom Ungarn-Urlaub und voller Energie. Pal Dardai bat Mittwoch zum ersten Training. Foto: City-Press

Ab jetzt wird geackert! Hertha BSC bolzt im Trainingslager im brandenburgischen Neuruppin Kondition. Das Ziel ist ganz klar: Die neue Saison muss besser werden als das vergangene Horror-Jahr. Der KURIER sieht elf knifflige Fragen, die Cheftrainer Pal Dardai zu lösen hat.

1. Teamgeist: Der Umbruch im vergangenen Jahr ist nicht gelungen. Auch weil Ex-Trainer Bruno Labbadia während der Corona-Krise – anders als andere Klubs – auf ein Trainingslager verzichtete. Dardai verzweifelte schier an den vielen Egotrips, ordnete gleich zwei Camps an, um seine Mannschaft zusammenzuschweißen.

2. Hierarchie: Die vielen Abgänge älterer und erfahrener Spieler haben ein Vakuum hinterlassen, das Hertha fast in die Zweite Liga drückte. Jedes Team braucht eine Achse, Führungsspieler, auf die sich der Coach, aber auch die Mitspieler verlassen können.  Insbesondere Rückkehrer Kevin-Prince Boateng (34) wird hier eine Schlüsselrolle spielen. Sportchef Fredi Bobic: „Er ist ein absolutes Vorbild und kann gerade auch den jungen Spielern, die große Träume haben, viel mitgeben.“

Pal Dardai muss Alexander Schwolow stärken 

3. Torwartduell: Alexander Schwolow geht als klare Nummer eins in die Saison. „Ihm gehört die Zukunft“, sagt Dardai. Damit das wirklich so ist, muss Dardai Schwolow von Beginn an stärken und die Rolle von Rune Jarstein, der sich noch immer nicht von einer Corona-Erkrankung erholt hat, an  als Nummer zwei klar definieren.

4. Abwehr-Boss: Nach der Corona-Quarantäne und unter Dardai fand Niklas Stark wieder zu alter Stärke. Dardai lobt: „Nik hat einen richtig guten Job gemacht. Er ist vorangegangen und hat die jüngeren mitgezogen.“ Um oben mitzuspielen, muss Stark sein Niveau konstant abrufen – insbesondere wenn Dedryck Boyata Hertha noch verlässt. 

5. Ecken-Fluch: 150-mal probiert, 150-mal ist nichts passiert! Die schwarze Serie der vergangenen Saison muss ein Ende haben, Hertha nach Eckbällen wieder gefährlich werden.

Macht Dardai Plattenhardt wieder zum Scharfschützen?

6. Standard-Seuche: Machen im modernen Fußball den entscheidenden Unterschied aus. Auch hier waren die Blau-Weißen extrem harmlos. „Es kommt auch darauf an, wie der Ball getreten wird“, erklärt Dardai. Besonders Marvin Plattenhardt, der eigentlich über einen überragenden linken Fuß verfügt, muss unter dem Ungarn wieder zum Scharfschützen werden. 

7. Cunha-Ersatz: Herthas Zaubermaus fehlt auf Grund der Teilnahme an den olympischen Spielen in der gesamten Vorbereitung, verpasst womöglich sogar den Saisonstart. Dardai muss Lösungen finden, wie Hertha auch ohne den wechselwilligen Spielmacher in der Offensive Alarm macht. 

8. Maier-Lösung: Nach seiner einjährigen Bielefeld-Leihe kehrt Arne Maier als frischgebackener U21-Europameister zu Hertha zurück. Doch die Arminia buhlt um eine erneute Leihe des Mittelfeldjuwels. Dardai muss schnell Klarheit schaffen. Bleibt Maier, muss der Ludwigsfelder endlich beweisen, dass er das Zeug zum blau-weißen Stammspieler hat.

Zu- und Abgänge bei Hertha: Je früher, desto besser 

9. Selke stärken: Nach dem bitteren Abstieg mit Werder will Davie Selke sich bei Hertha und unter Dardai behaupten, bei dem er zwischen 2017 und 2019 die beste Phase seiner Karriere hatte. Für Hertha verzichtet der Stürmer sogar freiwillig auf Olympia.

10. Zugänge: Mit Suat Serdar und Boateng hat Sportchef Fredi Bobic bereits zwei neue Spieler nach Berlin gelotst. Mindestens ein Flügelspieler und ein offensiver Mittelfeldmann sollen folgen. Dardais Devise: Je früher, desto besser. Nur so können die Spieler bis zum Saisonstart integriert werden.

11. Abgänge: Nur wer sich weiterhin mit Hertha identifiziert, soll die Fahne auf der Brust tragen. Stimmt der Preis, gelten neben Cunha auch Dodi Lukebakio und Boyata als Verkaufskandidaten. Der Markt in Corona-Zeiten ist zwar schwierig. Trotzdem gilt auch hier: Je früher Klarheit herrscht, desto besser kann Dardai sein Team vorbereiten. 

Lesen Sie hier mehr über Hertha BSC!