Herthas Leitwolf Kevin-Prince Boateng muss es jetzt richten und im Derby gegen Union für ein Wunder sorgen.
Herthas Leitwolf Kevin-Prince Boateng muss es jetzt richten und im Derby gegen Union für ein Wunder sorgen. imago images/Hübner

Derby, für den 1. FC Union ist es ein wohlverdientes Luxus-Prestige-Duell, für Hertha BSC ist es DAS Endspiel um den Klassenerhalt. Nach dem 0:5-Heimdebakel gegen den VfL Wolfsburg ist das Stadtduell für die Blau-Weißen zum gefühlten Relegationsrückspiel mutiert – alles oder nichts! Zur Rettung muss ein Prinz auf den Rasen geritten kommen – der Prince! Herthas Kevin-Prince Boateng (35)!

Es geht nicht mehr anders: Diese Mannschaft ist einfach zu labil geworden und die Krise ist endgültig da. Ein nicht gegebenes Tor in Bochum (1:3) und jetzt ein früher Gegentreffer in der 3. Minute gegen Wolfsburg warfen die Spieler im Kollektiv aus der Bahn. In den Spielen vor Weihnachten zeigte das Team von Trainer Sandro Schwarz noch Widerstandsfähigkeit. Jetzt nicht mehr!

Kein Hertha-Profi nimmt das Heft in die Hand

Es gab wieder einmal keinen Profi, der das Zepter in die Hand nahm und den Spirit des Überlebenskampfs an seine Mitspieler versprühte – nicht Abwehrchef Marc Kempf, nicht der Franzose Lucas Tousart und auch nicht der später eingewechselte Kapitän Marvin Plattenhardt. Boateng saß beim Wolfsburg-Desaster 90 Minuten auf der Bank, er peitschte seine Kollegen an der Außenlinie an, aber am Ende litt er nur noch mit und schüttelte immer wieder fassungslos den Kopf.

So war es auch am 19. Mai 2022. Tatenlos musste Boateng als Ersatzspieler mitansehen, wie Hertha das Relegations-Hinspiel 0:1 gegen den HSV im Olympiastadion vergeigte. Die Hoffnung auf den Klassenerhalt war auf ein Minimum geschrumpft. So wie jetzt auch vor dem Derby!

Hertha BSC: Das Boateng-Wunder in Hamburg

Rettung geschafft! Herthas Boateng schmeißt sich nach dem 2:0 in Hamburg am 19. Mai auf die Jubeltraube.
Rettung geschafft! Herthas Boateng schmeißt sich nach dem 2:0 in Hamburg am 19. Mai auf die Jubeltraube. imago images/KBS-Picture

Ein Wunder passierte vier Tage später. Boateng spielte nicht nur 90 Minuten. Nein, Trainer-Guru Felix Magath hatte in der Not die menschliche Größe, dass er sogar den Prinzen die Mannschaft aufstellen ließ. Boateng, der alternde Leitwolf, machte sein wichtigstes Hertha-Spiel. Der Edeltechniker war sich absolut nicht zu schade in jeden Zweikampf zu gehen. Seine Präsenz, sein Kampf, sein Anfeuern waren der Schlüssel zur 2:0-Rettung. Er quälte seinen Körper bis zur Erschöpfung.

Er muss es jetzt gegen Union wieder tun, trotz aller Bedenken, ob er noch fit genug ist. Wegen seiner läuferischen Defizite müssen einfach andere mehr rennen. Das nennt man Teamarbeit! Denn einzig Boateng ist derjenige, der dieser Truppe noch wieder Leben einhauchen kann.

Jetzt muss er die Winterjacke bei Hertha BSC endgültig ausziehen. Kevin-Prince Boateng ist ab sofort ein Startelf-Kandidat.
Jetzt muss er die Winterjacke bei Hertha BSC endgültig ausziehen. Kevin-Prince Boateng ist ab sofort ein Startelf-Kandidat. imago images/Hübner

Nach dem 2:0-Sieg gegen Köln vor der WM-Pause gab Marco Richter einen Einblick, was vor dem Anpfiff geschah: „Das war eine geile Ansprache, Prince hat uns Feuer unterm Arsch gemacht – auch der Trainer. Deshalb gab es keinen Ausweg für uns: Wir wollten gewinnen, wir mussten gewinnen und wir haben gewonnen.“

Herthas Boateng: „Ich bin wichtig, wenn die Jungs mich brauchen“

Der Prince betont immer wieder: „Ich weiß meine Rolle gut einzuschätzen. Ich bin wichtig, wenn die Jungs mich brauchen. Ich gebe Gas, ich pushe die Jungs, wenn es gebraucht wird.“ Sie brauchen ihn jetzt!

Zum ersten Mal in dieser Saison gab es beim 0:5 Pfiffe der Fans, die bisher die Mannschaft bravourös unterstützen. Boateng, Liebling der Fans, der wirklich ein blau-weißes Herz hat, in der Startelf, nur noch das kann den Funken beim Derby-Anpfiff auf die Ränge springen lassen.

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