Michael Preetz wirkte zuletzt frustriert. Foto: City-Press/Jan-Philipp Burmann

Alles begann mit einem Fehlschuss, und alles endete mit einem Fehlschuss. So könnte man – natürlich total verkürzt – die Karriere des Michael Preetz bei Hertha BSC beschreiben. Als der Profi Preetz am letzten Spieltag der Zweiten Liga, es war der 8. Juni 1996, im Trikot von Wattenscheid 09 gegen Hertha antrat, stand Wattenscheids Abstieg bereits fest. Hertha aber wäre bei einer Niederlage im Lohrheide-Stadion ebenfalls in die Dritte Liga und ins Bodenlose gefallen. In der 88. Minute stürmte der schlaksige Preetz beim Stand von 0:0 allein aufs Berliner Tor zu, überlegte einen Tick zu lange und vergab. Ich sehe die Szene noch vor mir. Immer wieder mit Gänsehaut! Danach war Schluss, Hertha gerettet und Preetz ohne Vertrag.

Der damals 28-Jährige erholte sich anschließend im Urlaub im türkischen Kemer am Mittelmeer, als ihn der Anruf von Hertha-Trainer Jürgen Röber erreichte. Für eine Ablöse von läppischen 200.000 Mark lockte Röber den Stürmer nach Berlin. Seinen folgenschweren Fehlschuss kommentierte Preetz stets so: „Die Chance war doch gar nicht so groß!“ Röber dagegen sagte am Telefon lachend: „Die war schon ganz schön groß!“ Ist eben Ansichtssache.

Preetz stieg zum Torgaranten auf

Danach entspann sich für Preetz und Hertha ein kleines Märchen. Preetz wurde zum Torgaranten und stieg 1999 gar zum Nationalspieler auf. „Sensationell“, nennt Röber heute dessen Entwicklung. Viermal in Serie wurde der „Lange“ zum besten Schützen der Berliner, traf in fünf Spielzeiten zweistellig und nahm 1999 stolz die berühmte Torjäger-Kanone des besten Liga-Schützen entgegen – mit 23 Toren. Dabei war er anfangs ein Spieler, mit dem man Geduld haben musste. Ab und an verstolperte er die Bälle, aber am Ende machte er doch die Tore. Einmal – gegen den Karlsruher SC – sogar elegant mit der Hacke. „Preetzinho“ taufte ihn danach die BZ. Von den Fans wurde er geachtet, bewundert und verehrt. Zum Liebling der Massen brachte er es aber nicht. Nach den Spielen stellte er sich uns Reportern, war eloquent und nahbar. Mir bleibt stets sein Torjubel mit weit ausgebreiteten Armen im Gedächtnis.

Michael Preetz war als Stürmer ein Gewinnertyp.  Foto: City-Press

Dieses Bild hat sich später geändert. Wenn die TV-Kameras das Gesicht von Preetz, seit 2009 der Manager seines Klubs, einfingen, konnte man den Tabellenstand der Mannschaft exakt an seiner Mimik ablesen. Oft war er aschfahl und verzweifelt. Er litt mörderisch auf der Reservebank, immer hautnah am Geschehen. Als Hertha 2012 zum zweiten Mal in seiner Verantwortung abgestiegen war, blieb er nur im Amt, weil Präsident Werner Gegenbauer seine schützende Hand über ihn hielt.

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14 Trainer verschlissen

14 Trainer hat Michael Preetz verschlissen, viele Millionen Euro bewegt, gute Transfers getätigt, viel Geld bei Verkäufen eingenommen, aber auch zahlreiche Fehlentscheidungen getroffen. Lange war er ein Meister, wenn es galt, mit wenig Geld umzugehen. Mit viel Geld versagte er und konnte nur wenig damit anfangen auf dem Transfermarkt. Seine Kaderzusammenstellung misslang. In den Pressekonferenzen vermisste ich bei ihm zunehmend Feuer und Euphorie. Vielleicht konnte er solch Gefühle auch einfach nur nicht zeigen.

Jetzt ist eine Ära zu Ende gegangen, die als „mittelmäßig“ in die Geschichte eingehen wird. Lieber als den am Ende gescheiterten Manager sollte man den Torjäger Preetz im Gedächtnis behalten. Der letzte Fehlschuss, der sein Karriereende bei Hertha befeuerte, kam nicht von ihm selbst. Matheus Cunha war es, der gegen Bremen vom Elfmeterpunkt aus versagte. Ich bin sicher: Michael Preetz hätte den Strafstoß verwandelt.