Herthas Trainer-Ikone Jürgen Röber wünscht sich, dass es unter Sandro Schwarz wieder mit seinem Herzensverein aufwärts geht.
Herthas Trainer-Ikone Jürgen Röber wünscht sich, dass es unter Sandro Schwarz wieder mit seinem Herzensverein aufwärts geht. Imago Images/Geisser

Die Diskussion ist seit Sonnabend ganz heiß unter den Fans. Der KURIER wagte nach Herthas Trainingscamp in Florida die Prognose: „Trainer Sandro Schwarz ist auf dem Weg, der neue Jürgen Röber zu werden“ Neues Wir-Gefühl, Aufbruchstimmung und ein Coach mit echtem Feuer. Alles erinnert an die Trainer-Ikone Jürgen Röber (69), als er im Januar 1996 die Mission Hertha übernahm und wahre Wunder vollbrachte. Warum also nicht direkt bei Herthas Liebling auf Ewigkeit nachfragen? Herr Röber, kann Sandro Schwarz so gut werden wie Sie?

Ein Anruf genügt: „Hallo Herr Röber, erst mal herzlichen Glückwunsch nachträglich zum Geburtstag!“ Röber lacht los: „Aber Herr Heise, das ist ein bisschen spät. Ich habe ja schon bald wieder Geburtstag. Immer Weihnachten, das war schon als Kind nicht schön, da gab es nur einmal Geschenke. Aber wie kann ich Ihnen helfen? Deswegen rufen Sie doch an!“

Röber: „Herthas Team funktioniert wieder besser“

Engagiert an der Außenlinie. Herthas Trainer Sandro Schwarz hat immer das Feuer – auch beim Testspiel.
Engagiert an der Außenlinie. Herthas Trainer Sandro Schwarz hat immer das Feuer – auch beim Testspiel. Cioty-Press

Kurz die Sachlage bei Hertha BSC erklärt, dass viele Fans endlich nach 27 Jahren wieder eine Aufbruchstimmung mit Trainer und Mannschaft erleben, obwohl der Tabellenplatz 15 nicht toll ist. Und, dass es an Sandro Schwarz liegt, der genau dieses Feuer entfacht wie damals. Kann also Schwarz der nächste große Trainer werden? Röber überlegt kurz und sagt dann: „Oh, das ist eine schwierige Frage. Ich kenne Sandro Schwarz persönlich nicht. Ich sehe aber, dass dieses Team wieder besser funktioniert als in den vergangenen Jahren. Im Fußball kann der Erfolg ganz plötzlich kommen, aber die Basis in der Mannschaft muss dafür da sein. Dafür ist ein Trainer zuständig.“

Röber fand im Januar 1996 bei Hertha nicht viel vor – Zweite Liga, Abstiegskampf! Er erinnert sich noch ganz genau an seine ersten Tage in Berlin. „Da war die Stimmung ungefähr so: Ach, jetzt versucht es der nächste Trainer mal wieder bei Hertha und wird bald wieder ausgetauscht. Dagegen habe ich als Erstes angearbeitet. Die Leute sollten wieder an Hertha glauben“, so Röber. 

Röber: „Bei Preetz dachten viele, dass er nicht viel kann“

Trainer Jürgen Röber machte Herthas Ex-Stürmer Michael Preetz zum Nationalspieler.
Trainer Jürgen Röber machte Herthas Ex-Stürmer Michael Preetz zum Nationalspieler. Imago Images/Contrast

Das erste halbe Jahr war eigentlich ernüchternd. Sofortiger Erfolg? Fehlanzeige – also ähnlich wie jetzt. Hertha schaffte am letzten Spieltag in der Zweiten Liga gerade noch so den Klassenerhalt, weil er ein gewisser Michael Preetz nicht für Wattenscheid ins Tor traf und es beim 0:0 blieb. „Ach, Michael Preetz, da dachten auch alle, dass er nicht viel kann, als er dann zu Hertha kam. Du musst es aus den Spielern rauskitzeln. Ist doch eigentlich verrückt, Preetz wurde Torschützenkönig 1999 und Nationalspieler“, staunt Röber noch heute.

Ins Staunen kamen alle über diese Hertha mit Röber. Der Coach ging die Aufstiegssaison 1996/97 erst mal nicht mit dem Ziel Bundesliga an, sondern mit einem ganz anderen Ehrgeiz. Beim ersten Heimspiel gegen Mainz (1:0) kamen exakt 11.548 Zuschauer ins Olympiastadion. „Ich habe auf die Ränge geschaut und zu meinem Co-Trainer Bernd Storck gesagt: Wenn wir die Hütte mal vollkriegen sollten, haben wir es geschafft. Nur acht Monate später war es schon so weit. 75.000 Zuschauer gegen Kaiserslautern, 2:0 gewonnen. Mir kommen jetzt noch Glückstränen, wenn ich daran denke. Plötzlich stand die ganze Stadt hinter Hertha.“

Die Euphorie war überall und wie im Rausch wurde aufgestiegen und zwei Jahre später in der Champions League gespielt. Es muss immer alles passen, dann ist so etwas möglich. Nach Röbers Ära, die bis 2002 ging, lief es nie wieder so märchenhaft. Etliche Trainer, etliche Enttäuschungen. Jetzt kann alles wieder besser werden mit Schwarz. Röber: „Hertha ist und bleibt immer mein Verein. Es war die schönste Zeit meines Lebens. Ich fieber immer mit, wenn gespielt wird und ich drücke Sandro Schwarz die Daumen, dass er unsere Hertha wieder nach oben bringt.“

Lesen Sie hier mehr über Hertha BSC >>