Dedryck Boyata ist Herthas Abwehrchef.
Foto: Matthias Koch

Hertha BSC gab im Winter über 70 Millionen Euro für neue Spieler aus. Den besten Transfer dieser Saison tätigten die Blau-Weißen allerdings bereits im vergangenen Sommer – zum Nulltarif! Dedryck Boyata (29) kam ablösefrei von Celtic Glasgow und ist unter Trainer Bruno Labbadia unumstrittener Abwehrchef.

Dennoch bleibt er bescheiden. „Ich kann mit solchen Begriffen wenig anfangen“, sagt Boyata. Der Belgier lobt lieber das Kollektiv: „Das ganze Team hat in der Corona-Pause unter dem neuen Trainer sehr hart gearbeitet.“

Das war auch nötig. Vor wenigen Wochen befand sich Hertha noch im Abstiegskampf. Vor allem, weil die Defensive nicht sattelfest war. Boyata spielte zwar nicht fehlerfrei, wackelte aber von allen Innenverteidigern am wenigsten. Seit dem Re-Start mit zehn gesammelten Punkten aus fünf Spielen klappt’s. Vor allem, weil das Boyata mit Jordan Torunarigha (22) die Abwehr im Griff hat und nur drei Gegentore zuließ.

Boyata, 17-facher Nationalspieler, glänzt dabei mit seiner robusten Zweikampfführung. Auch unter Bedrängnis verliert er selten die Übersicht. „Ihn bringt nichts aus der Ruhe“, lobt Manager Michael Preetz. Dazu verfügt der 1,88 Meter große WM-Fahrer von 2018 über ein gutes Kopfballspiel, das Hertha hinten hilft und vorn für wichtige Tore sorgte. Mit vier Kopfballtreffern gehört er zu den torgefährlichsten Verteidigern der Liga. Zuletzt traf er zum 4:0-Endstand im Berliner Derby gegen den 1. FC Union - ein emotionaler Höhepunkt, nachdem er im Hinspiel an der Alten Försterei noch den Elfmeter zum entscheidenden 0:1 verschuldet hatte.

„Der Trainer hat uns von erstem Tag an gezeigt, welchen Fußball er spielen will. Er legt viel Wert auf die Taktik und Fitness“, erklärt Boyata und lobt: „Labbadias Übungen und Arbeitsweise erinnern mich sehr an Roberto Mancini, unter dem ich bei Manchester City gespielt habe. Ich wünschte, wir hätten schon während der Saison so hart gearbeitet. Man merkt dem Trainer seine Erfahrung an.“

Trotz der starken Leistungen fordert Labbadia von Boyata, dass er seine Kollegen auf dem Feld noch mehr coacht. „Ich probiere jeden Tag, viel zu sprechen. Das ist mein erstes Jahr, das wir noch besser“, erklärt Dedryck. Helfen soll dabei auch die Sprache. „Mein Deutsch wird immer besser. Unter Labbadia muss es das auch, alle Anweisungen sind auf Deutsch“, sagt Boyata auf Englisch und verspricht: „Das nächste Interview führe ich auf Deutsch.“