Stürmer Davie Selke (25) darf mit Werder Bremen am Sonnabend nicht bei Hertha BSC spielen.  Foto: Imago Images / foto2press

Berlin - 37 Tage nach seinem Blitz-Wechsel zu Werder Bremen (Sonnabend, 15.30 Uhr) kehrt Davie Selke (25) zurück ins Olympiastadion – und ist wegen einer Klausel im Leih-Vertrag zum Zuschauen verdammt. Am Telefon erklärt der Stürmer dem KURIER, warum er sich dennoch auf das blau-weiße Wiedersehen freut, wie er die Schlammschlacht mit Ex-Trainer Jürgen Klinsmann erlebt und warum er Hertha-Manager Michael Preetz nicht böse ist.

„Ich glaube, Michael Preetz hatte noch in guter Erinnerung, wie ich damals mit Hertha zu meinen Ex-Verein zurückgekehrt bin (2018 gewann Hertha 3:2 bei RB Leipzig, Selke traf doppelt, d. Red.)“, sagt Selke über den Grund seiner Klausel im Leihvertrag.

Dabei wäre die größte Gefahr von Natur aus gebannt: Die Wut, mit der er damals nach Sachsen reiste, um RB zu beweisen, was er drauf hat, wäre gegen Hertha nicht dagewesen. „Ich habe mich in Berlin bis zum letzten Tag extrem wohlgefühlt, in der Stadt und im Verein. Deswegen freue ich mich, jeden einzelnen wiederzusehen“, erklärt Selke.

Selke wird im Stadion sein 

Dass die damals klein anmutende Klausel-Kröte durch Werders akute Abstiegsnot nun viel größer zu Schlucken ist, gibt er zu: „Aufgrund unserer Situation ist es extrem ärgerlich, dass ich zuschauen muss. Ich hätte gerne meinen Beitrag geleistet.“ 

Obwohl die rechtliche Situation nicht eindeutig ist, Gedanken trotz der Klausel zu spielen und eventuell eine Geldstrafe in Kauf zu nehmen, gab es nicht. „Das wurde so festgelegt. Und daran halte ich mich“, sagt Selke. Mit nach Berlin reist er trotzdem. „Ich werde im Stadion sein.“

„Dass es im inneren Kreis brodelte, habe ich nicht so wahrgenommen“

Davie Selke

Die blau-weiße Schlammschlacht mit Ex-Trainer Jürgen Klinsmann hat er durch seinen Werder-Wechsel nicht mehr hautnah erlebt. „Dass es im inneren Kreis so brodelte, habe ich nicht so wahrgenommen“, zeigt er sich überrascht. Den Ex-Kollegen macht Selke Mut: „Sie müssen sich gerade gezwungenermaßen mit vielen Sachen beschäftigen. Da müssen sie durch. Dann wird es wieder ruhiger.“

Mit Hertha im Reinen 

Von Enttäuschung oder gar Bitterkeit, dass Hertha ihm im Winter mit Matheus Cunha und Krzysztof Piatek zwei neue Stürmer für 40 Millionen Euro vor die Nase setzte, ist bei Selke nichts zu spüren. „Nullkommanull. Es war nicht so, dass Hertha mich abgeben wollte“, erklärt Selke und betont: „Ich hatte auch bis zum Schluss ein gutes Verhältnis mit Jürgen Klinsmann.“ Klar war aber auch, dass das neue Sturm-Duo erstmal gesetzt sein wird. „Ich wollte einfach weiter meine Spiele machen“, sagt Selke.

Im Hinterkopf hat dabei auch die Chance auf eine erneute Olympia-Teilnahme im Sommer mitgespielt. Mit U21-Bundestrainer Stefan Kuntz, mit dem Selke als Neu-Herthaner im Sommer 2017 Europameister wurde, steht er regelmäßig in Kontakt. „Priorität hat für mich mit Werder nächste Saison Bundesliga zu spielen und meine Hochzeit im Sommer“, erklärt Selke, der unter Horst Hrubesch 2016 in Rio die Silbermedaille gewann. Zumindest mit einem Auge schielt er aber doch auf die Spiele in Tokio. Der Hochzeitstermin mit Langzeitfreundin Evelyn Konrad liegt so, „dass ich ihn auf keinen Fall verschieben muss.“

Selke lässt Zukunft offen 

Zu Werder zurück (Selke spielte bereits von 2013 bis 2015 an der Weser) zog es ihn trotz konkreter England-Angebote nicht nur wegen der Aussicht auf Spielzeit. Nie machte der Schwabe einen Hehl aus seiner grün-weißen Verbundenheit. „Egal wo ich spielen werde, Werder wird immer mein Lieblingsverein sein.“ Sorgen, dass Trainer Florian Kohfeldt angesichts der prekären Lage hinwirft, hat er nicht: „So wie ich ihn kennengelernt habe, wird das nicht eintreten.“

Steigt Werder ab, greift eine Kaufpflicht nicht und Selke wird wieder Herthaner. Ob er dann tatsächlich zurückkehrt, wird man sehen. Ex-Werder-Star Per Mertesacker hatte jüngst angeregt, dass Bremen mit Kohfeldt auch einen Neuanfang in der Zweiten Liga starten könnte. Für Selke wäre es zumindest ein Gedanke, selbst dann bei seinem Lieblingsverein zu bleiben. „Das Thema schließe ich nicht aus.“