Herthas Marco Richter am Montag beim Einzeltraining. Er lief sogar schon wieder Slalom mit dem Ball.
Herthas Marco Richter am Montag beim Einzeltraining. Er lief sogar schon wieder Slalom mit dem Ball. imago images/Koch

Was ist schon eine Pokalpleite bei Zweitliga-Aufsteiger Braunschweig (9:10 n. E.) gegen dieses Hertha-Wunder? Vor drei Wochen bekam Marco Richter (24) die Schockdiagnose Hodentumor, wurde operiert. Gestern trainierte Richter wieder, sogar mit Ball! Dieser Turbo-Sieg gegen den verdammten Krebs ist viel wichtiger. Der blau-weiße Flügelflitzer spricht zum ersten Mal über seine Horrortage, seine Dankbarkeit gegenüber allen Mutmachern und das neue Wir-Gefühl bei Hertha.

Richter steht am Rand des Schenckendorffplatzes und lächelt glücklich. „Ja, jetzt geht es mir wieder super. Ich bin echt froh, wieder hier sein zu können. Das war eine harte Zeit, wirklich nicht einfach. Aber ich bin froh, in so einem Team zu sein. Es hat mir so viel Stärke gegeben.“

Richter: „Ich hatte Schmerzen und schaute beim Arzt vorbei“

Für Richter ist der Albtraum vorbei. Tumor sehr früh erkannt, Gefahr gebannt. Er hatte Glück, muss keine Chemotherapie machen, sondern trainiert schon wieder. Rückblickend fasst er zusammen: „Es war ein Tag vor dem Trainingslager. Ich dachte nur, ich schau mal kurz beim Arzt vorbei, weil es ein bisschen schmerzhafter wurde bei mir. Dann kam die Diagnose. Am nächsten Tag war ja schon die OP. Es ist gut verlaufen, ich habe keine Schmerzen, gar nichts. Die Narbe ist gut verheilt. Es war alles schwierig, aber ich habe es irgendwie geschafft. Es ist alles raus aus meinem Körper.“

Die Gewissheit hat er seit dem 20. Juli. Doch er hat jede Menge Erfahrungen gesammelt: Zuspruch, Mutmacher von allen Seiten, Hilfe, aufrichtiges Mitgefühl: „Das war ganz wichtig.“ Den Gänsehautmoment hatte er am Sonnabend beim Fanfest zum 130. Vereinsjubiläum. 5000 Herthaner klatschten Beifall, als Richter im Amateurstadion war. „Das war echt etwas Besonderes, das war richtig schön. Das war cool von den Fans. Ich hatte da die eine oder andere Träne im Auge“, gibt er ehrlich zu.

Comeback in ein paar Wochen

Marco Richter von Hertha BSC konnte es kaum fassen, wie ihn die Fans im Amateurstadion am Wochenende mit Applaus empfingen.
Marco Richter von Hertha BSC konnte es kaum fassen, wie ihn die Fans im Amateurstadion am Wochenende mit Applaus empfingen. City-Press

Spätestens jetzt ist die blau-weiße Familie ganz tief in seinem Herzen. Einen Tag später setzte er sich ins Auto, um seine Mitspieler im Pokal zu unterstützen: „Ich bin mit meiner Freundin und Suat Serdars Freundin nach Braunschweig gefahren. Okay, ich stand im Stau, habe drei Stunden gebraucht. Natürlich war die Niederlage bitter. Es hilft alles nichts, jetzt steht das nächste Spiel an. So wie ich die Jungs in der Kabine gesehen habe, sind sie trotzdem positiv.“ Von Richters Optimismus können alle profitieren.

Einzeltraining mit Ball macht er schon, wann gibt’s das Bundesliga-Comeback? Richter: „Solange die Narbe gut aussieht, kann ich immer das Training steigern. Ich setze mich nicht unter Druck, aber es wird nicht lange dauern. Ich sage jetzt nicht: Morgen oder nächste Woche steige ich wieder voll ein.“

Lesen Sie hier mehr über Hertha BSC >>