Hertha-Trainer Pal Dardai (r.) hat für das Spiel in Frankfurt nicht viel Zeit und einige knifflige Startelf-Entscheidungen zu treffen.  Foto: City-Press

Mit lockeren Übungen zauberte Pal Dardai (44) seinen Spielern am ersten Tag seiner Rückkehr ein Lächeln ins Gesicht. Das wird einigen jedoch bald wieder vergehen. Für das Spiel bei Eintracht Frankfurt (Sonnabend, 15.30 Uhr) droht so manchem Problem-Profi die Bank. Der KURIER erklärt, was Dardai jetzt ändert. 

„Mein Akku ist voll“, versichert Dardai nach seiner Reaktivierung als Cheftrainer. Kraft und Energie wird der Hoffnungsträger auch brauchen. „Die Situation wird von einigen unterschätzt“, warnt Dardai.

Lesen Sie auch: Neuer Sichtschutz in Westend: Spionage! Hertha schießt gegen Heckenschützen >>

Seine erste Sofortmaßnahme: Die Abwehr stabilisieren. Bereits 32-mal schlug es hinten ein. Nur Schalke (48) und Mainz (38) verteidigen noch schlechter. Als ehemaliger defensiver Mittelfeldabräumer weiß Dardai genau, was es auf dem Platz braucht, um sicher zu stehen: Kompaktheit.

Dafür kann Jordan Torunarigha (23) wieder für Omar Alderte (24) in die Startelf rutschen. Der Paraguayer wackelte zuletzt an der Seite von Niklas Stark, konnte seit seinem 6-Millionen-Wechsel vom FC Basel noch nicht konstant überzeugen. 

Wichtigstes Ziel ist es, dass die bärenstarke Frankfurter Offensive um Top-Torjäger Andre Silva (14 Tore in 17 Spielen) und Reals Madrids Leihgabe und Rückkehrer Luka Jovic (3 Treffer in 3 Partien) erst gar nicht vors Hertha-Tor kommt.  Das könnte ein Job für Santiago Ascacibar (23) sein.

Lesen Sie auch: Hertha-Kolumne: Michael Preetz – der Stürmer war besser als der Manager >>

Der Argentinier, unter Jürgen Klinsmann von Ex-Manager Michael Preetz für zwölf Millionen Euro aus Stuttgart geholt, ist nach vielen Verletzungen endlich fit. Der giftige Gaucho verkörpert alle Tugenden, für die Dardai stand als Spieler stand – und auf die er als Trainer wert legt. Streichkandidat ist dafür Rekordtransfer Lucas Tousart (23). Dem 25-Millionen-Mann fehlt es weiter an Spritzigkeit. Auch im Spielaufbau konnte der Franzose bisher nicht überzeugen.

Auch im Angriff drückt Hertha gewaltig der Schuh. Harmlose Standards und eine fahrlässige Chancenverwertung sorgten gegen Hoffenheim (0:3) und Bremen (1:4) genauso für das Ende von Bruno Labbadia wie Egotrips und Disziplinlosigkeiten einiger Spieler. Dodi Lukebakio (23, für 20 Millionen Euro vom FC Watford), bereits vom Ex-Trainer angezählt, und Kris Piątek (25, für 22 Millionen Euro vom AC Mailand) droht unter Dardai die Bank.

Lesen Sie auch: Schlaflos in Berlin: Herthas Pal Dardai bezwingt seine Angst vor Alligatoren >>

Auf Spielmacher Matheus Cunha (21) wird Dardai nicht verzichten. Sollte der Brasilianer aber seine launischen Auftritte auch unter ihm an den Tag legen und nicht mannschaftsdienlicher spielen, kann es für den Tempodribbler ungemütlich werden. Dardai duldet keine Egotrips. Ein Lied davon singen konnten in seiner ersten Amtszeit unter anderem die mittlerweile abgewanderten Mitchell Weiser (Leverkusen) und Ondrej Duda (Köln).  

Durch Dardais Startelf-Roulette könnten Neuzugänge im Wert von mehr als 70 Millionen Euro auf der Hertha-Bank landen. Dardai wird es schnuppe sein. Vor allem, wenn dafür endlich mal wieder ein Sieg rausspringt.