Dodi Lukebakio wurde von Labbadia auf die Tribüne verbannt. Dardai holt ihn zurück in die Startelf. Foto: imago images/Koch

Gerade mal ein Tor beim 1:4 gegen Bremen vom noch zuverlässigsten Angreifer Jhon Cordoba in den vergangenen vier Spielen. Das ist die Gruselbilanz des Hertha-Angriffs. Was macht der neue, alte Trainer Pal Dardai vor seinem Comeback beim Auswärtsspiel in Frankfurt (Sonnabend, 15.30 Uhr)? Er eröffnet den blau-weißen Streichelzoo für die anderen Torlos-Stürmer.

In den ersten Tagen wollte sich der Ungar erst mal nur ein Bild von der Mannschaft machen, die bisher keine ist, und gute Laune und Optimismus verbreiten. Dazu zählte auch viel Lob – besonders für die Stürmer.

Dodi Lukebakio war bei Vorgänger Bruno Labbadia völlig zu recht in Ungnade gefallen und stand beim 1:4 gegen Bremen nicht mal mehr im Kader. Dardai sagt über den Belgier: „Ich habe gehört, er ist faul – ich bin positiv überrascht. Bei mir hat er top trainiert. Er läuft so schnell wie ein Känguru.“

Für Matheus Cunha hat Dardai die höchste Auszeichnung: „Für unsere Verhältnisse ist er ein Genie. Aber er muss auch gut arbeiten.“ Der Brasilianer bringt alles mit, um die Gegner auszutricksen. Doch zu oft war er auch zu egoistisch.

Kris Piatek, der auch nach einem Jahr noch immer mit dem Team fremdelt, bekommt mit Dardai einen Fürsprecher. „Kris trainiert ordentlich und man sieht, welche Extra-Klasse er im Strafraum hat.“

Piatek und Cunha verschossen in den vergangene beiden Spielen je einen Elfer. Auf die Frage, wer bei ihm am Punkt antreten soll, sagt der Chefcoach wie aus der Pistole geschossen: „Kris und Cunha!“

Mutmacher Dardai will die Blockade in den Köpfen lösen und wird dann ganz allgemein: „Wir haben gute offensive Spieler, die eine gewisse Klasse haben. Es sind alle motiviert. Das sieht man an den Augen. Ich bin sehr zufrieden.“

Dardai, der in seiner ersten Amtszeit für kontrollierten, disziplinierten Fußball mit dem Schwerpunkt sichere Defensive mit einem überschaubaren Spielerbudget stand, hat jetzt bessere Spieler, deswegen will er auch offensiver spielen lassen. „Wir müssen nur ein Tor mehr schießen als Frankfurt. 5:4, 6:5, egal“, lacht er los und will damit verdeutlichen, dass auch er in seiner zweiten Amtszeit anders spielen lassen will: „Ich verspreche, ich werde mit sehr vielen Angreifern spielen.“

Es ist ein Signal an alle, besonders an das Team. Sportdirektor Arne Friedrich lobt Dardai dafür: „Man merkt schon, dass gerade ein Ruck durch die Mannschaft geht. Man spürt eine Aufbruchsstimmung.“

Ob es nur beim Training so ist oder jetzt endlich mal bei einem Spiel, müssen die Profis jetzt beweisen, sonst kann Dardai auch schnell ungemütlich werden.