Herthas Lucas Tousart (l.) und Matteo Guendouzi dürfen gegen die Bayern erstmal nur zuschauen. Foto: imago images/Koch

Hertha im Abstiegskampf, Hertha gegen den FC Bayern. Freitag ( 20 Uhr) soll es Rio-Weltmeister und Neuzugang Sami Khedira (33) gegen den Rekordmeister richten. In nur zwölf Tagen Amtszeit hat der neue, alte Trainer Pal Dardai die Hauptproblemzone Mittelfeld umgebaut. Platz da   – für Khedira! Damit sitzen plötzlich 63 Millionen Euro auf der Bank.

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„Meiner erster Plan war, dass Sami sofort spielt. Er braucht Spielpraxis. Wir brauchen einen Organisator. Doch wir müssen sehen, wie er die Reise und das Training verkraftet hat“, hält sich Dardai noch bedeckt.

Doch eine Anekdote über seine eigene Vergangenheit als Sechser verrät, dass er Khedira spielen lassen will. „Wir hatten vor einem Bayern-Spiel auch mal Personalnot. Es waren keine Mittelfeldspieler mehr da. Ich war eigentlich nach einer Knie-OP auch noch nicht wieder fit. Lucien Favre bat mich trotzdem, zu spielen. Ich sollte nur organisieren, nicht viel laufen. Wäre ich aufs Knie gefallen, hätte ich ausgewechselt werden müssen. Ich habe organisiert, wir haben 2:1 gegen Bayern gewonnen.“ Nicht nur das: Mit dem Heimsieg im Februar 2009 war Hertha am 20. Spieltag Spitzenreiter der Bundesliga.

Elf Jahre später ist wieder der 20. Spieltag. Die Voraussetzungen sind andere. Hertha hofft auf ein Wunder gegen den Abomeister und Dardai krempelt das Team um. Gaucho-Kämpfer Santiago Ascacibar ist als Sechser gesetzt. Er verrichtet die Laufarbeit für Sami Khedira, dessen Marktwert gerade mal noch bei zwei Millionen liegt. Der Ex-Weltmeister soll das junge Team führen und einen professionellen, wechselnden Spielrhythmus reinbringen. Der serbische Blitz-Leihspieler Nemanja Radonjic (24, Marktwert 4,5 Millionen) von Olympique Marseille wird auch sofort als Linksaußen spielen. Heißt: Matheus Cunha kann zurück auf seine zentrale, offensive Lieblingsposition im Mittelfeld.

Damit ist kein Platz mehr für die beiden Franzosen Lucas Tousart (für 25 Millionen eingekauft) und Matteo Guendouzi (Arsenal-Leihgabe mit einem Marktwert von 32 Millionen). Vladimir Darida (Marktwert 6 Millionen) schaute schon beim 1:3 gegen Frankfurt zu. Insgesamt sind das 63 Millionen Euro auf der Bank, die es in der bisherigen Saison nicht geschafft haben, erfolgreich zusammenzuspielen.

Khedira soll es jetzt richten – mit Routine, Auge, Aura und Intelligenz. Wie lange sein Körper es während des Spiels gegen die Bayern mitmacht, hängt auch davon ab, ob alle anderen für ihn ein paar Meter mehr laufen. Ein Charaktertest für den Teamgeist.