Lange ist es her: Im November gegen den BVB traf Herthas Matheus Cunha (l.) das letzte Mal. Am Sonntag will er gegen RB Leipzig endlich wieder jubeln. Foto:  dpa

Was haben sie nicht alles probiert: gejubelt und geredet, bemängelt und bestraft, gestreichelt und gelobt. Geholfen hat es alles nichts. Herthas einstiger Zauberfuß Matheus Cunha (21) steckt in einer schlimmen Krise. Wie gut, dass nun das Duell gegen den Ex-Klub ansteht (Sonntag, 15.30 Uhr). Sonntag-Demo gegen Leipzig: RB ist der Kick, den Herthas Cunha braucht! 

Ein Blick in die Augen verrät oft alles. Bei Cunha ist dabei unübersehbar: Der Brasilianer ist unzufrieden. Egal was er sportlich anpackt, es will ihm partout nichts mehr gelingen.

Dabei begann sein blau-weißes Kapitel so traumhaft. Vor einem Jahr spielte sich Cunha direkt nach seinem Winter-Wechsel in die Herzen aller Hertha-Fans. Seine Tore retteten den Klub vor dem Abstieg, auch in der Hinrunde ballerte Cunha munter weiter.

Labbadia-Kritik verhallte

Doch seit Ende November läuft nichts mehr. Gegen Bremen (1:4) wollte er sein Glück vom Elfmeterpunkt erzwingen, verschoss leichtfertig. Gegen Bayern (0:1) und in Stuttgart (1:1) hatte er das Remis und den Sieg auf dem Fuß, scheiterte mit seinen beiden Lupfern denkbar knapp.

Die Konsequenz: Cunha leidet. Seit elf Spielen, seit elend langen 888 Minuten, seit mehr als 15 Stunden wartet Herthas Bester auf ein Tor. Sein Spielwitz? Blitzt kaum mehr auf. Seine Zielstrebigkeit? Völlig weg. Seine positive Ausstrahlung? Kippt ins Negative.

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Bereits Ex-Trainer Bruno Labbadia redete sich immer wieder den Mund fusselig angesichts Cunhas Körpersprache und taktischer Disziplinlosigkeit. Cunha versprach Besserung, doch lieferte nicht. Stattdessen ärgerte er Hertha mit weiteren Eskapaden. Auf den Rüffel wegen seines Schweiz-Trips trotz Reiseverbot folgte eine Geldstrafe, weil er sich nur wenige Tage vor einem Spiel tätowieren ließ.

Dennoch probierte es Labbadia-Nachfolger Pal Dardai erneut mit Zuckerbrot: „Für unsere Verhältnisse ist er ein Genie.“ Zeitgleich forderte der Ungar: „Aber er muss auch gut arbeiten.“ Auch nach drei Dardai-Spielen und ohne Torerflog nimmt er ihn in Schutz. „Er ist noch jung, nicht so erfahren wie Marcelinho. Dazu kommen vier Trainer und Abstiegskampf. Das ist nicht einfach“, erklärt Dardai.

Die Idee ist klar: Beendet Cunha seinen Torfluch, geht auch Herthas Leidenszeit im Tabellenkeller zu Ende. 

Zum berühmten Dosenöffner kann das Duell gegen den Brauseklub werden. Zwar verließ Cunha Sachsen ohne Groll. RB-Coach Julian Nagelsmann will er dennoch demonstrieren, dass es ein Fehler war, in eineinhalb Jahren kaum auf ihn gesetzt zu haben. Deswegen gibt es jetzt die Sonntag-Demo gegen Leipzig: RB ist der Kick, den Herthas Cunha braucht.