Das Verhältnis von Ex-Hertha-Präsident Werner Gegenbauer und Investor Lars Windhorst (r.) war schnell von Misstrauen geprägt.
Das Verhältnis von Ex-Hertha-Präsident Werner Gegenbauer und Investor Lars Windhorst (r.) war schnell von Misstrauen geprägt. Imago/Nordphoto

Die Hertha-Welt bebt nach den schweren Spionage-Vorwürfen gegen Lars Windhorst. Dem 374-Millionen-Investor, der nun seine Anteile verkaufen will, droht wegen vereinsschädigten Verhalten der Rausschmiss als Mitglied. Die Beweise gegen den Finanzjongleur scheinen erdrückend. Chatprotokolle und Gerichtsakten zeigen: So dreist soll Windhorst Hertha BSC ausspioniert haben.

Die Gerichtsakten, die in Israel öffentlich einsehbar waren, lesen sich wie das Skript eines Agententhrillers. Ex-Präsident Werner Gegenbauer wird als „Hauptziel“ bezeichnet, weiter ist die Rede von „geheimen Treffen“ und „Einsätzen im Feld“.

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Gleichzeitig hüllt sich die Sicherheitsfirma Shibumi, die Windhorst im Juni 2021 beauftragt haben soll, um Gegenbauer erst durch den Dreck zu ziehen und ihn dann aus dem Amt zu jagen, in Schweigen. Die Webseite des Unternehmens besteht aus einer einzigen Seite mit den Worten: „Lassen Sie uns besprechen, wie wir Ihnen behilflich sein können.“ Aha! 

Spionage-Skandal: Hertha Teil eines Agententhrillers

Da war die Hertha-Welt scheinbar noch in Ordnung: Lars Windhorst sucht seinen Platz neben Präsident Werner Gegenbauer und Finanz-Boss Ingo Schiller (r.) bei einem Bundesligaspiel.
Imago/Matthias Koch
Da war die Hertha-Welt scheinbar noch in Ordnung: Lars Windhorst sucht seinen Platz neben Präsident Werner Gegenbauer und Finanz-Boss Ingo Schiller (r.) bei einem Bundesligaspiel.

Wer wirklich wissen will, wen Windhorst angeblich beauftragt hat, der muss einen Blick auf die versteckten Metadaten der Homepage werfen. Dort steht: „Shibumi Strategy Ltd. ist ein internationaler Nachrichtendienst, der komplexe Aktivitäten unterstützt und durchführt, die für wohlhabende Einzelpersonen, Gesetzeshüter und Unternehmen in ihren kritischsten, prekärsten und sensibelsten Situationen personalisiert sind.“

Was bereits nach Spionage klingt, wird bei der genaueren Betrachtung der Firma noch deutlicher: Laut Recherchen der Times of Israel soll ein Ex-Direktor des Mossad, also des berühmten wie berüchtigten israelischen Geheimdienstes, in der Anfangsphase des Unternehmens ein Berater des Vorstands gewesen sein.

Spionage-Firma beeinflusste Hertha-Mitglieder

Das tägliche Spionage-Brot gab es aber auch bei Shibumi. Für die Schmutzkampagne gegen Gegenbauer habe die Firma Windhorst jeden Monat 125.000 Euro in Rechnung gestellt, dafür bis zu 20 Ex-Agenten entsendet, die Gegenbauers Familie und Hertha BSC aushorchen und manipulieren sollten – und das auch taten. 

Wie aus den Gerichtsakten weiter hervorgeht, prahlte die Firma gegenüber Windhorst damit, dass Mitarbeiter in einem Fall eine so enge Beziehung zu einem bestimmten Hertha-Mitglied haben, dass „das Team in der täglichen persönlichen Kommunikation ihn nach seinen Bedürfnissen beeinflusst“.

Herthas Spionage-Skandal: Windhorst soll über WhatsApp informiert worden sein

Dabei sollen Chatprotokolle beweisen, dass Windhorst über eine WhatsApp-Gruppe stets auf dem Laufenden war: „Er tut genau das, was wir wollen. Wir lenken ihn täglich.“ Windhorst-Sprecher Andreas Fritzenkötter, der wie Windhorst die Vorwürfe weiter dementiert, soll zurückgeschrieben haben: „Perfekt, großartig. Das ist das, was wir brauchen.“

Ins groteske Bild der ganzen Affäre passt, dass der Spionage-Skandal nur aufflog, weil Windhorst mal wieder nicht oder nicht rechtzeitig bezahlt haben soll. Auch davon kann man bei Hertha BSC ein Liedchen singen …

Und: Die Schmutzkampagne gegen Gegenbauer hätte es gar nicht gebraucht. Dass der Klub-Patron nach 14 Jahren im Amt sowieso bereit war seinen Hut zu nehmen, nachdem er bei seiner Wiederwahl im Oktober 2020 ohne Gegenkandidaten nur 54 Prozent der Stimmen bekam, dämmerte wohl auch Windhorst. So soll er dem Shibumi-Boss Ori Gur-Ari auf eine Zahlungserinnerung geschrieben haben: „Wir haben keine Ahnung und keinen Beweis, ob Ihre Arbeit substanziell war und irgendeinen Effekt auf Hertha hatte.“

Hertha BSC: Beweise gegen Windhorst scheinen erdrückend

Dagegen scheinen die Beweise gegen Windhorst erdrückend. Statt sich zu den Vorwürfen zu äußern, attackierte der mehrfache Pleitier lieber Gegenbauer-Nachfolger Kay Bernstein. Hertha reagierte cool, ließ lediglich süffisant verlauten, dass man zwar von Windhorsts in feinster Jürgen-Klinsmann-Manier verkündeten Nachricht über seine Verkaufsabsicht überrascht sei, ihm aber „bei der Käufersuche in einem geordneten Investorenprozess im besten Interesse von Hertha BSC und Tennors Investoren und Gläubigern“ Unterstützung anbietet.

Dabei ist nach dem sportlichen Misserfolg und der Corona-Krise klar: Windhorst wird weder von Hertha noch von einem anderen Käufer nur ansatzweise die 374 Millionen Euro für seine 64,7 Prozent der Anteile an Herthas GmbH & Co. KGaA wiedersehen …

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