Verteidiger Jordan Torunarigha (22) zeigt unter Hertha-Trainer Bruno Labbadia endlich konstant gute Leistungen. Foto:  City-Press

Die Oldies und die Offensive sind bei Hertha BSC vor dem Kracher beim BVB (Sonnabend, 18.30 Uhr) in aller Munde. Doch der aktuelle blau-weiße Höhenflug hängt auch damit zusammen, dass die Defensive unter Trainer Bruno Labbadia plötzlich extrem sattelfest ist. Hertha kassierte nur zwei Gegentoren in den vergangenen vier Spielen. Großen Anteil hat daran Jordan Torunarigha (22). Brunos Jordan-Rezept: Streicheln, kitzeln, fordern.

Die wenigen Fotos, die während der Corona-Krise vom weiterhin nicht öffentlichen blau-weißen Training nach außen dringen, zeigen ein eindeutiges Bild. Labbadia baut auf Torunarigha. Herthas Cheftrainer nahm sich unter der Woche viel Zeit. Nach intensivem Austausch und bevor das Training begann, klopfte Labbadia dem Innenverteidiger auf die Brust. Ganz klar: Da ist ein Trainer mächtig stolz auf seinen Spieler.

„Jordan ist ein sehr lernwilliger Spieler, mit dem man sich beschäftigen muss“, erklärt Labbadia seine festgehaltenen Streicheleinheiten. Gleichzeitig probiert er, ihn zu kitzeln, damit er endlich den Durchbruch schafft, konstant auf hohem Niveau spielt: „Er bringt vieles mit. Er hat eine gute Anlage, die man aber auch zum Vorschein bringen muss, indem man immer wieder an Dingen mit ihm arbeitet.“

Brunos Jordan-Rezept funktioniert bisher prächtig: Torunarigha spielte unter ihm bisher jeder Sekunde. In den vier Partien (3 Siege, 1 Remis) seit dem Neustart kassierte Hertha nur zwei Gegentore. Das letzte Mal als die Blau-Weißen als Verlierer vom Feld gingen – am 22. Februar beim 0:5-Debakel gegen den 1. FC Köln unter Labbadia-Vorgänger Alexander Nouri – stand Torunarigha nicht auf dem Platz.

Nouri ist seit der Corona-Zwangspause Hertha-Geschichte. Und Torunarighas scheint unter Labbadia endlich das zu zeigen, was in ihm steckt. Der Deutsch-Nigerianer gilt seit Jahren als eines der vielversprechendsten Talente auf seiner Position. Gleichzeitig bemängelte sein größter Förderer, Ex-Trainer Pal Dardai, immer wieder seine Einstellung. Die letzte Professionalität würde ihm fehlen, was auch immer wieder zu Verletzungen geführt habe.

Nun scheint es beim ehemaligen U21-Nationalspieler Klick gemacht zu haben. „Wenn er die Sicherheit hat“, sagt Labbadia, „hat er einen sehr guten Spielaufbau, spielt gute Pässe und kann auch sehr konsequent am Mann sein.“ Das von Labbadia entgegengebrachte Vertrauen scheint ihm das benötigte Gefühl zu geben. „Er hat in den vier Einsätzen sein Potenzial gezeigt“, lobt der Coach.

So sehr, dass Labbadia vor der Partie bei Borussia Dortmund trotz der Genesung von Rekik und Stark keinen Anlass sieht, Herthas Defensive umzubauen. „Beide harmonieren sehr gut zusammen, haben aber noch viel Luft nach oben“, fordert Labbadia.

Daran, dass das Topspiel am Sonnabendabend für Torunarigha die nächste Feuertaufe wird, lässt Manager Michael Preetz keinen Zweifel: „Der BVB ist in der Offensive mit Spielern bestückt, die jeder Zeit in der Lage sind mit einer einzelnen Aktion, ein Spiel zu entscheiden.“