So nicht! Auf Hertha-Trainer Bruno Labbadia wartet noch viel Arbeit. Foto:  Imago Images

Die Pokal-Pleite hat Spuren hinterlassen. Mit reichlich Katerstimmung trommelte Bruno Labbadia seine Herthaner am Montag auf dem Schenckendorffplatz zusammen. Nach exakt 160 Tagen im Amt ist der Cheftrainer schon wieder als Problemlöse-Bär gefragt. Der KURIER erklärt, was alles bei Werder Bremen (Sonnabend, 15.30 Uhr) besser werden muss, damit der Liga-Start nicht auch in die Hose geht.

Zur Erinnerung: Am 9. April übernahm Labbadia den Job von Alexander Nouri. Zwei Tage später, nach seiner offiziellen Vorstellung, titelte der KURIER: Bruno ist Herthas Problemlöse-Bär. Nach drei Trainerwechseln und der Posse um Jürgen Klinsmann musste der Hesse Hertha in der Corona-Zwangspause wieder in die Spur bringen – und lieferte.

160 Tage später ist der 54-Jährige schon wieder gefragt. Um den totalen Fehlstart zu vermeiden, muss Hertha am Sonnabend in Bremen ein ganz anderes Gesicht zeigen als bei der Pokal-Abreibung.

Defensiv-Verhalten: Jeder Einzelne muss mehr als eine Schippe drauflegen. Denn neben den eklatanten individuellen Fehlern im Pokal bemängelte Labbadia auch die zu großen Abstände untereinander. „Wir waren bei vielen Gegentoren nicht konsequent genug. Das fing schon im Mittelfeld an. Das werden wir der Mannschaft zeigen“, kündigt er an und fordert: „Gegen Bremen müssen wir unser Tor gemeinsam konsequenter verteidigen.“ Immerhin: Jordan Torunarigha hat seine Gelb-Rot-Sperre abgesessen, verdrängt Karim Rekik aus der Innenverteidigung. Und: Abwehr-Chef Dedryck Boyata trainierte am Montag nach Problemen an der Achillessehne erstmals seit zwei Wochen wieder mit der Mannschaft.

Kommunikation: Bei Hertha herrscht absolute Funkstille auf dem Platz. Wenn Stimmen vom Rasen auf die Tribüne drangen, dann waren es die der Braunschweiger, die sich gegenseitig coachten. Leichter wird es nicht: Bremen lässt erstmals bis zu 8500 Fans wieder ins Weserstadion. Umso mehr müssen sich endlich blau-weiße Anführer hervortun. Liverpools Marko Grujic besitzt solche Qualitäten, wird aber nach zwei Leih-Jahren vorerst nicht zurückkehren. „Liverpool will Marko behalten. Das könnte sich frühestens im Januar ändern“, erklärt sein Berater Fali Ramadani.

Konzentration: Neben fehlenden Absprachen besiegelten kapitale Klopse das Erstrunden-Aus. „Es waren einfach zu viele individuelle Fehler, die wir nicht kompensieren konnten“, ärgert sich Labbadia. Für die volle Fokussierung wird der Trainer weitere Vier-Augen-Gespräche führen.

Torchancen nutzen: Normalerweise sollten vier Auswärtsstore reichen. Trotz toller Kombinationen ließ Hertha aber auch verdammt viele Chancen liegen. Während Labbadia weiter auf die Durchschlagskraft von Wunsch-Stürmer Jhon Córdoba warten muss, kann er wieder auf den aus der Corona-Quarantäne befreiten Stoßstürmer Kris Piatek bauen.