Immer voll bei der Sache: Herthas neuer Cheftrainer Bruno Labbadia. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Berlin- Die Fußball-Welt steht in der Corona-Krise still – nur Hertha BSC kommt nicht zur Ruhe! Mit Bruno Labbadia (54) folgt auf Alexander Nouri (40) bereits der vierte Cheftrainer dieser Saison. Der erfahrene Hesse leitet am Ostermontag das Training und soll Hertha vor dem Absturz retten. Der KURIER erklärt, warum der Wechsel auf dem Chefsessel nötig war  und Labbadia der Richtige ist.

In Bayern war ein vierbeiniger Bruno einst ein Problem-Bär, in Berlin ist Labbadia Herthas Problemlöse-Bär.     „Mit Bruno bekommen wir jemanden, der die Bundesliga durch viele Jahre als Spieler und Trainer im Detail kennt und bei seinen Stationen gezeigt hat, dass er Teams stabilisieren, entwickeln und im nächsten Schritt in obere Tabellenregionen führen kann“, freut sich Manager Michael Preetz.

Dass Nouri im Sommer gehen muss, stand fest. Der Deutsch-Iraner, im Februar nach dem fluchtartigen Rücktritt von Jürgen Klinsmann vom Co- zum Interimstrainer aufgestiegen, gewann nur eine von vier Partien. Hertha bot über weite Strecken blutleeren Grusel-Fußball. Mit nur sechs Punkten vorm Relegationsplatz herrscht weiter akute Abstiegsgefahr.

Weil Nouri sich nach Klinsis üblem Nachtreten nicht von seinem einstigen Chef distanzierte, galt sein Verhältnis zum Team als belastet. Ein gefährlicher Zustand, der Preetz von seinem ursprünglichen Sommer-Fahrplan abrücken ließ. Dabei probierte er bis zuletzt, Niko Kovac nach Berlin zu lotsen. Nach KURIER-Informationen konnte der Wunschkandidat und Fan-Liebling in den Gesprächen jedoch nicht vollends überzeugen. Zudem spekuliere der gebürtige Berliner und Ex-Bayern-Trainer weiter auf ein Angebot eines europäischen Top-Klubs, wolle nicht als Feuerwehrmann einspringen.

So konsequent die Entlassung Nouris ist – sie ist auch kurios. Er weilt bei der Familie in der Nähe von Bremen, hatte seit Wochen keinen Kontakt zum Team und erfuhr aus den Medien, dass er seinen Job los ist. Die Nachricht sickerte Donnerstagabend aus Präsidiumskreisen durch – zum Ärger von Preetz.

Hertha BSC ist ein Verein mit einem klaren, ambitionierten Plan für die Zukunft.

Bruno Labbadia

Dass der Manager nun die Corona-Zwangspause nutzt, macht Sinn. Sollte der Ball tatsächlich ab Mai wieder rollen und Hertha weiter straucheln, wäre im engen Liga-Zeitplan kaum Zeit für einen Trainerwechsel gewesen. Nun kann Labbadia in Ruhe die Spieler kennenlernen und erste Impulse setzen.

Der gebürtige Darmstädter unterschrieb für zwei Jahre, bringt seine langjährigen Co-Trainer Eddy Sözer, Olaf Janßen und Günter Kern als Athletikcoach mit. Zsolt Petry, Henrik Kuchno und Hendrik Vieth dürfen bleiben. Damit ist  von Klinsis Anschaffungen nur Arne Friedrich übrig.

Labbadia: „Hertha BSC ist ein Verein mit einem klaren, ambitionierten Plan für die Zukunft. Wir haben große Lust, Teil dieses Plans und der Weiterentwicklung zu sein. Es liegt viel Arbeit vor uns.“

Labbadia kann mehr als Abstiegskampf

Nach den Fehlgriffen mit Ante Covic, Klinsmann und Nouri setzt Preetz nun auf einen erfahrenen Trainer. Labbadia rettete den HSV (2015/16) und Wolfsburg (2017/18) vorm Absturz in die Zweite Liga. Beim VfL bewies der Ex-Torjäger im zweiten Jahr, dass er ein Team mit attraktivem Offensiv-Fußball bis nach Europa coachen kann.

Genau dort will Hertha trotz der derzeitigen Schieflage hin. Anders als Kovac brennt Labbadia auf den Hertha-Job, signalisierte bereits nach der Trennung von Pal Dardai vor einem Jahr Interesse am blau-weißen Chefposten. Die Chance bekommt er nun.