Präsident Werner Gegenbauer wurde wiedergewählt, aber mit einem eher knappen Ergebnis. Foto: City-Press

Blau-Weißer Himmel über dem Olympiastadion, die Sonne strahlte. Es war ein außergewöhnlicher Hertha-Tag. Knapp über 1000 Mitglieder kamen zur ersten Open-Air-Versammlung der Vereinsgeschichte. Corona ließ nichts anderes zu. Doch zum goldenen Herbsttag passte nicht ganz die 1:2-Niederlage bei RB Leipzig, der Saisonfehlstart. Und auch nicht die knappe Wiederwahl von Präsident Werner Gegenbauer. Es war ein Denkzettel für die Vereinsbosse.

Um 13.31 Uhr verkündete der stets cool-souveräne Versammlungsleiter Dr. Dirk Lentfer das Wahlergebnis für Präsident Gegenbauer, dem sich kein Gegenkandidat entgegenstellt hatte. 542 Stimmen für ihn, 421 gegen ihn und 49 Enthaltungen. So knapp wurde er in seiner zwölfjährigen Zeit als Hertha-Boss noch nie gewählt. Im Vorfeld des Wahlprozederes hatten sich einige Mitglieder kritisch zur Amtszeit geäußert und bekamen dafür Beifall. Da musste Gegenbauer schon geahnt haben, dass diesmal das Ergebnis knapp wird.

Die Skepsis ist ganz einfach zu erklären. Hertha hat durch Investor Lars Windhorst Geld in der Kasse, doch die Resultate der Mannschaft stimmen nicht. Die Angst ist groß, dass diese Saison wieder so schlimm verläuft wie die vergangene, als Hertha sich mit Hau-ab-Trainer Jürgen Klinsmann zur Lachnummer machte.

Verantwortlich für die Profimannschaft ist selbstverständlich in erster Linie Manager Michael Preetz, der stets von Gegenbauer gestützt wurde und wird. Preetz stand Rede und Antwort. Den größten Beifall bekam er, als er auf die unglückliche Niederlage in Leipzig einging: „Wir haben den Eindruck, dass der Schiri durch seine Entscheidungen unser Spiel massiv beeinflusst hat.“

Gemeint hatte er die überharte, unsensible Gelb-Rote Karte durch Schiri Tobias Stieler für Youngster Deyo Zeefuik, der nach seiner Einwechslung zur zweiten Halbzeit vom Platz gestellt wurde und so das Spiel beim Stand von 1:1 kippte. Preetz schob hinterher: „Ich habe eine SMS aus Island von unserem Ex-Spieler Jolly Sverrisson bekommen: Spiel gut, Schiri Katastrophe!“ Das gefiel den Mitgliedern.

Doch Preetz sagte auch selbstkritisch: „Es gab Licht, aber auch sehr viel Schatten bisher. Wir hatten einen schlechten Saisonstart. Bei den Ergebnissen geht die Leichtigkeit bei den Spielern verloren.“

Preetz appellierte danach an alle Herthaner: „Wir werden hart daran arbeiten. Drei Punkte, damit kann man nicht zufrieden sein. Ich bin von den Jungs überzeugt. Wir brauchen Vertrauen und Geduld. Wir sind überzeugt, dass der Kader dahinkommt, wo wir alle hin wollen – mittelfristig auf die internationalen Plätze. Wir haben einen spannende, junge Mannschaft. Aber die Jungs müssen als Team zusammenfinden.“

Champions-League-reif war die Versammlung unter freiem Himmel auf alle Fälle, das schafft nämlich nicht jeder Verein in Europa.