Hertha-Sportchef Fredi Bobic hat sich die Arbeit leichter vorgestellt. Im Abstiegskampf nimmt er jetzt die Spieler in die Pflicht. Foto: Imago

Die Lage von Hertha BSC spitzt sich von Woche zu Woche dramatisch zu. Jetzt, nach acht haarsträubenden Spielen ohne Sieg und der 0:3-Pleite beim SC Freiburg, wird auch der blau-weiße Ton rauer. Boss Fredi Bobic droht den Hertha-Profis: „Es sind Egoismen da, die müssen weg.“ Es ist ein letzter Versuch, die Spieler wachzurütteln.

Neun Monate ist Bobic im Amt. Ein Dreivierteljahr, indem sich bei Hertha absolut nichts positiv entwickelt zu haben scheint. Im Gegenteil, Bobic’ Sätze in der TV-Sendung „Doppelpass“ am Sonntag gleichen sich fast Wort für Wort mit seiner Antrittsrede im vergangenen Juli.

Aufräumen wollte der 50 Jahre alte Manager nach zwei sportlich desolaten Jahren. Nur noch Spieler sollten die Fahne auf der Brust tragen, die sich voll und ganz mit dem Klub identifizieren, die Charakter haben, Mentalität beweisen und in guten wie in schlechten Zeiten zusammenhalten.

Hertha-Boss Bobic: „Wer nicht marschiert, hat ein Problem“

Doch das ist laut Bobic weiterhin nicht bei allen der Fall. Ob er das Gefühl habe, dass alle wissen, was Abstiegskampf bedeutet? „Nicht zu 1000 Prozent“, erklärt Bobic. Seine brutale Analyse trotz der prekären Lage: „Bei dem ein oder anderem hat das zu lange gedauert. Wir sind letzter in der Rückrunde. Es sind Egoismen da, die müssen weg.“

Bobic droht den Spielern mit Konsequenzen: „Wer ist in der Situation der Richtige? Wir hatten auch viele Verletzungen und Corona-Infektionen. Nun sind fast alle wieder an Bord. Jetzt ist die Zeit, nachdem wir viele Gespräche geführt haben, die Spieler rauszufiltern und zu sagen: Wer nicht voll marschiert, der hat ein Problem.“

Bobic über Windhorst-Kritik: „Fataler Zeitpunkt“

Eine Trainerdiskussion um Tayfun Korkut lehnt Bobic weiter ab. „Er ist sehr eng an der Mannschaft, hat einen klaren Plan, erreicht das Team. Er versucht, das Optimum rauszuholen und kann nichts für die vielen individuellen Fehler.“ Vielmehr sieht der Manager die Spieler in der Pflicht: „Sie müssen Verantwortung übernehmen, das umsetzten, über 90 Minuten.“

Dabei kann sich Bobic auch einen weiteren Seitenhieb in Richtung des Personals nicht verkneifen: „Sie haben tolle Verträge und Ansprüche an sich selbst, das müssen sie zeigen.“

Die geballte blau-weiße Gemengelage ist für Bobic „mit die schwerste Aufgabe, die ich je gehabt habe“. Das liegt unter anderem auch am Störfeuer von Investor Lars Windhorst, der sein 374-Millionen-Investment jüngst als Fehler bezeichnete und den Klub hart kritisierte. Bobic kann den Frust zwar verstehen: „Der Zeitpunkt war aber fatal. Andere Schauplätze brauchen wir nicht.“ Die Differenzen mit Windhorst will er bald ausräumen, „aber derzeit habe ich ganz andere Sorgen“.

Bobic: Hertha-Abstieg wäre Super-GAU

Nämlich Abstiegskampf. Mit 23 Punkten und 54 (!) Gegentoren nach 24 Spielen ist die Lage dramatisch. Bobic wird so deutlich wie noch nie: „Es geht die letzten zehn Spieltage nur noch ums Überleben.“

Was ein Abstieg in die Zweite Liga bedeuten würde? „Das wäre der Super-GAU.“ Ob er dann weiterhin als Manager und Boss zur Verfügung steht, will Bobic nicht sagen: „Ich denke nicht an die Zweite Liga.“ Seine, Korkuts und die Aufgabe von Sportdirektor Arne Friedrich sei es jetzt, „die Jungs wieder in die Spur zu bringen“.

Bobic’ knallharter Klartext ist der letzte Versuch. Ob es hilft, wird sich schon bald zeigen …

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