Düsseldorfs Takashi Usami (M.) jubelte am 19. November 2018 über sein Tor zum 1:0, während Torwart Rune Jarstein bedient war. Hertha blamierte sich beim Tabellenletzten mit 1:4. Foto: imago images/Simon

Kurz mal nicht Silvester feiern, denn danach folgt der echte Kracher im Olympiastadion: Hertha BSC gegen Krisenklub Schalke 04 (Sonnabend, 18.30 Uhr). Es geht nicht nur um drei Punkte. Es geht um den Bundesliga-Minus-Rekord von Tasmania Berlin (31 Spiele in Serie ohne Sieg), den Königsblau (29) knacken könnte. Und bei den Blau-Weißen geht es um Krisenabwehr und den Kampf gegen ein hässliches Image.

Spötter behaupten, dass es ein Phänomen um die Blau-Weißen gibt, welches fast schon zur Allgemeinregel geworden ist: Hast du Probleme, spiel’ gegen Hertha, danach sind sie weg! Sich einfach mal gegen Abstiegskandidaten blamieren – das hat Hertha schon oft gemacht, egal mit welchem Trainer. Die Liste ist lang und gehört zur Leidens-DNA der blau-weißen Fans.

Die jüngere Vergangenheit sah so aus: 0:1 mit Coach Ante Covic im Derby an der Alten Försterei verloren. Union hatte vor dem 10. Spieltag der Saison 2019/20 sieben Pünktchen. Nach dem Sieg starteten die Köpenicker eine starke Aufholjagd. Eine Saison davor: Fortuna Düsseldorf war eigentlich schon am 11. Spieltag als Tabellenletzter mit fünf Zählern abgeschrieben. Hertha verlor unter Pal Dardai 1:4, Fortuna feierte Auferstehung und landete am Saisonende sogar vor den Blau-Weißen auf Platz 10. In der Saison 17/18 ein peinliches Pokal-Aus mit 1:2 nach Verlängerung im Heimspiel gegen den Liga-Letzten 1.FC Köln. 15/16 gönnte sich Hertha als Tabellenfünfter ein 1:2 gegen Darmstadt und damit den Hessen den Klassenerhalt.

Eine phänomenale Saison im Endspurt komplett versauen? Schaffte der Hauptstadtklub 2008/09 mit Lucien Favre. Hertha spielte bis kurz vor Saisonende um die Meisterschale mit und verspielte beim letzten Spiel durch ein 0:4 beim bereits abgestiegenen KSC sogar noch den Champions-League-Platz.

Doppel-Blamagen? Ging unter Falko Götz. Saison 05/06 an Spieltag 23 und 24. Einem 1:2 beim Tabellenvorletzten Duisburg folgte eine 2:4 Heimpleite gegen den Tabellenletzten Köln. Und dann war da noch dieses 0:1 im Februar 2002 beim Derby in Cottbus. Jürgen Röber kostete es den Job und die abstiegsgefährdeten Lausitzer retteten sich im Liga-Endspurt.

Quälende Erinnerungen für die Fans und dokumentierte  Mahnung für die Hertha-Profis vor dem Spiel gegen Schalke, das mit Christina Gross, dem vierten Trainer der Saison, den letzten Strohhalm vor dieser Partie ergriffen hat. Eine Blamage gegen die zerfallenen Knappen ist verboten, denn wer gegen Deppen verliert ist der Oberdepp!

Diese Gedanken liegen Trainer Bruno Labbadia natürlich fern: „Ich beschäftige mich nicht mit negativen Dingen, sondern schaue nach vorn. Mir geht es darum, wie wir gewinnen können. Wir gehen mit Optimismus rein. Die Lust zu gewinnen muss im Vordergrund stehen, nicht die Furcht vor dem Verlieren. Das ist ein wichtiger Faktor.“ Hertha kann Schicksal mit Schalke spielen und die unglaubliche Sieglos-Serie von Königsblau auf 30 erhöhen. Dann fehlt nur noch das nächste Schalke-Spiel gegen Hoffenheim, um mit historischen Rekord von Tasmania aus der Saison 1965/66 einzustellen.

Der damalige Tas-Kapitän Hans-Günter Becker (82) sagt es mit Berliner Schnauze: „So scharf sind wir auf diesen Negativrekord auch nicht. Den können wir ruhig abgeben.“ Tasmania gewann vor 55 Jahren als Nachrücker für Hertha (Zwangsabstieg wegen zu hoher Handgeldzahlungen an Spieler) nur die erste Partie mit 2:0 gegen den KSC und die vorletzte mit 2:1 gegen Neunkirchen. Zum Saisonfinale setzte es noch mal ein 0:4 – gegen Schalke. Historische Ironie! Aber über die kann Hertha nur nach einem Sieg am Sonnabend lachen.