Herthas Vize-Kapitän Niklas Stark wurde von Trainer Tayfun Korkut aus der Startelf gestrichen und grübelt über seine Zukunft. City-Press

Dass ein Trainerwechsel stets Gewinner und Verlierer hervorbringt, ist kein Geheimnis. Herthas neuer Cheftrainer Tayfun Korkut setzte bei seinem Debüt in Stuttgart in der Abwehr auf Dedryck Boyata und Jordan Torunarigha. In die Röhre guckte Niklas Stark, der ein bitteres Déjà-vu erlebt. Geht Herthas Vize-Kapitän jetzt von Bord?

Stark ließ sich am Tag nach seiner Ausbootung nichts anmerken. Zusammen mit den Ersatzspielern trainierte er auf dem Schenckendorffplatz unter den Augen Korkuts. Innerlich dürfte der ehrgeizige Verteidiger dagegen brodeln.

Denn bis auf sein verletzungsbedingtes Fehlen am 9. Spieltag gegen Gladbach stand der 26 Jahre alte Franke unter Korkut-Vorgänger Pal Dardai in jedem Spiel in der Startelf, verpasste keine einzige Minute. Der neue Cheftrainer stellte aber Kapitän Boyata (wie Stark Rechtsfuß) nach dessen Rückkehr nach Rotsperre Linksfuß Torunarigha an die Seite – und setzte Stark bis zur 72. Minute auf die Bank. 

Starks Erinnerungen an Klinsmann 

Imago
Ungewohntes Bild: Niklas Stark trainierte am Tag nach dem Stuttgart-Spiel mit den Ersatzspielern, statt mit den Startelfspielern zu regenerieren.

Auf KURIER-Nachfrage erklärt Korkut: „Warum und Wieso erkläre ich nicht öffentlich. Ich trage die Verantwortung.“ Obwohl die Abwehr auch in Stuttgart wackelte, war Korkut, der am liebsten mit einem Rechts- und Linksfuß spielt, mit seinen Innenverteidigern zufrieden: „Wichtig war, dass wir eine gute Pärchenbildung hatten, auch in der Verteidigung.“   

Damit dürfte sich Stark zwangsläufig wie vor zwei Jahren fühlen. Nach der ersten Dardai-Trennung verlor er nach dem Abgang seines Förderers 2019 unter Ante Covic erst seine Form und später als frisch gebackener Nationalspieler unter Jürgen Klinsmann seinen Stammplatz. Stark machte damals im KURIER-Gespräch im Trainingslager in Florida keinen Hehl aus seiner Unzufriedenheit und äußerte Wechselgedanken.

West Ham will Herthas Stark

Die hegt er nun wieder. Denn während Hertha im Sommer mit dem verletzungsanfälligen Boyata den Vertrag verlängerte, stocken die Gespräche mit Stark, dessen Arbeitspapier ausläuft. Premier-League-Klub West Ham United hat bereits die Fühler ausgestreckt, will Stark im Winter verpflichten. In London könnte Stark nächste Saison international spielen – im Moment liegen die Hammers auf Champions-League-Kurs.

Fredi Bobic unterstreicht bei jeder Gelegenheit trotz der vielen Windhorst-Millionen Herthas Sparzwang. Ein ablösefreier Abgang im Sommer passt da nicht ins Bild. Gleichzeitig halten sich hartnäckig Gerüchte, dass der Sportchef sich mit VfB-Verteidiger Marc Oliver Kempf (Linksfuß) längst über einen ablösefreien Wechsel im Sommer einig ist. Langfristig stehen die talentierten Verteidiger Marton Dardai (19, Linksfuß, derzeit verletzt) und Linus Gechter (17, Rechtsfuß) unter Vertrag. Kurzum: Hertha hat genügend zentrale Abwehrmänner. 

Korkut macht Stark aber auch Hoffnung: „Ich bin noch in der Kennenlernphase. Und wir werden in den nächsten Wochen alle brauchen.“ Sollte Stark trotzdem in den kommenden drei Spielen bis Weihnachten weiter auf der Bank sitzen, geht der Vize-Kapitän wohl nach fünfeinhalb Jahren von Bord. 

Lesen Sie hier mehr über Hertha BSC >>