Trainer Bruno Labbadia war nach dem 0:2 gegen Stuttgart angefressen, ihm fehlte Ordnung im Spiel.
Foto: Contrast

Der Fehlstart ist da. Hertha BSC kassierte die dritte Pleite in Folge. Nach dem 0:2 gegen Aufsteiger VfB Stuttgart wird eines brutal sichtbar: Es gibt in der Mannschaft keine Hierarchie. Trainer Bruno Labbadia sucht in dem jungen, neuen Team weiter einen Leitwolf. Der KURIER schrieb es schon Ende August – noch ist immer keiner gefunden.

Einen Tag nach dem Totalausfall gegen Stuttgart führte Labbadia der Mannschaft bei der Videoanalyse alle Fehler vor. „Wenn man das Tor zum 0:1 sieht: Wir haben vorher gewarnt, wie Stuttgart es macht. Da war zu wenig Aufmerksamkeit. Doch jeder hat sich auf den anderen verlassen. Das habe ich selten gesehen, dass ein Spieler gegen drei so frei zum Kopfball kommt. Das war eine viel zu billige Niederlage“, haderte der Coach. Immer wieder führen individuelle Fehler zu Gegentoren.

Doch das ist nicht das Hauptproblem des Hertha-Jahrgangs 2020/21. Nach dem frühen Rückstand (9.) fiel die Mannschaft gegen Stuttgart in sich zusammen, es waren nur noch elf einzelne Spieler auf dem Platz. „Nach dem 0:1 haben wir sofort die Köpfe hängen lassen. Es herrscht oft einfach nicht das nötige Selbstvertrauen und die Klarheit. „Mir wäre es lieber, wenn sie mal lauter werden. Das ist zu wenig gegenseitiges Steuern. Das monieren wir seit Wochen.“

Passiert ist aber nichts. 14 neue Spieler, dazu jung und aus verschiedenen Ländern. Hertha hat ein Kommunikationsproblem. Maxi Mittelstädt deutete es an, dass es wegen der vielen Sprachen Verständigungsschwierigkeiten gibt. Labbadia: „Da hat Maxi Recht.“

Die früheren Führungsspieler wie Vedad Ibisevic und Per Skjelbred sind weg. Labbadia musste in den vergangenen Monaten einen kompletten Neuanfang wagen. „Ich wusste, dass es ein steiniger Weg wird. Ich dachte vor einem Monat auch, dass wir schon weiter sind. Sind wir aber nicht. Wir haben diesen Weg mit jungen Spielern gewählt. Die Mannschaft muss sich noch finden. Dann wird sich zeigen, wer mehr sagt und auf wen die anderen hören.“

Doch Labbadia weiß auch: „Wir müssen bei dem ganzen Entwicklungsprozess Ergebnisse liefern. Ich muss als Trainer jetzt extremst mit der Mannschaft nicht nur auf dem Rasen, sondern auch darüber hinaus arbeiten.“ Einzel- und Gruppengespräche werden jetzt folgen.

Denn der Coach weiß auch: Nächste Woche beim Spitzenreiter RB Leipzig wird es sehr schwierig – ohne Leitwolf.