Einen Tag zum Vergessen erlebte Hertha BSC bei RB Leipzig.  City-Press

Ha ho herrjemine! Hertha BSC sieht bei RB Leipzig über 90 Minuten kein Land, verliert sang- und klanglos mit 0:6 (0:3) und kassiert damit nach zwei Siegen einen herben Rückschlag für den erhofften blau-weißen Entwicklungsprozess. Autsch! Leipzigs Bullen nehmen Hertha heftig auf die Hörner! 

„Wir haben in der ersten Halbzeit viel zu einfach die Gegentore bekommen, den Gegner eingeladen“, ärgerte sich Cheftrainer Pal Dardai direkt nach Abpfiff.  

Rund lief es bei Hertha bereits vorher nicht. Dardai wollte keine Experimente machen und war dennoch dazu gezwungen: Teenie-Verteidiger Linus Gechter (17) bekam wegen muskulären Problemen kein grünes Licht von der medizinischen Abteilung. Lucas Tousart sprang ein, rückte aus dem Mittelfeld in die Innenverteidigung an die Seite von Niklas Stark und Marton Dardai – und sollte allerhand zu tun bekommen. 

Hertha offen wie ein Scheunentor

Die neuformierte Elf versuchte am Anfang noch dagegen zu halten, kam aber in fast jeder Aktion einen Schritt zu spät. Leipzigs alter, neuer Überfall-Fußball war einfach mal wieder zu schnell für Hertha. 

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Hertha-Trainer Pal Dardai versuchte vergeblich, sein Team gegen RB Leipzig von der Seitenlinie zu coachen. 

Ein einfacher Ball durch die Mitte eröffnete das Schützenfest der Gastgeber. Christopher Nkunku hatte viel zu viel Platz, schüttelte Marvin Plattenhardt locker ab und chippte den Ball frech wie gekonnt über Hertha-Keeper Alexander Schwolow – 0:1 (16.).

Noch krasser wurde es in der 23. Minute: Leipzig benötigte vom Abwurf von RB-Keeper Peter Gulasci lediglich sechs (!) Ballberührungen, um die Blau-Weißen zu düpieren. Wieder präsentierte sich Hertha offen wie ein Scheunentor, machte den Weg in der Mitte frei. Yussuf Poulsen, bedient von Nkunku, bedankte sich und schob zum 0:2 ein. 

Dardai ärgert sich über einfache Gegentore

Nach dem aberkannten 0:3 durch den Videobeweis (Poulsen stand im Abseits) schöpften die 1000 mitgereisten Hertha-Fans nochmals Hoffnung. Ha ho he, schallte es durch die Arena. Immerhin bekamen sie daraufhin die erste richtige Chance zu sehen. Suat Serdar schlenzte einen Ball aus 20 Metern allerdings deutlich über das Tor. 

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Bedankten sich für die Unterstützung der mitgereisten Fans: Die Profis von Hertha BSC nach der 0:6-Klatsche bei RB Leipzig. 

Wie man es macht, zeigte RB und stellte noch vor der Pause auf 0:3. Und wieder verteidigte Hertha desaströs: Angelinos Freistoß segelte drei, vier, fünf Sekunden durch die Luft und trotzdem durfte Nordi Mukiele völlig frei am langen Pfosten per Direktabnahme einnetzen (45.+3). Dardai sauer: „Wir wollten ihnen mit Kontern wehtun. Aber wie wir in der ersten Halbzeit die Tore kassiert haben, das war nicht okay.“

Zweite Hertha-Klatsche der Saison

Von einem blau-weißen Aufbäumen war nichts zu sehen. Und auch an Schadensbegrenzung schien keiner zu denken. Entsprechend durfte RB Hertha weiter überrollen: Forsberg erhöhte in der 60. Minute vom Elfmeterpunkt zum 0:4 (Stark hatte Nkunku zuvor von den Beinen geholt). Zehn Minuten später zirkelte der überragende Nkunku einen Freistoß zum 0:5 traumhaft in den Winkel (70.). Das halbe Dutzend machte schließlich Amadou Haidara nach einem einfachen Ballverlust der Herthaner voll (77.). Schiedsrichter Sascha Stegemann hatte schließlich Erbarmen, pfiff pünktlich ab. 

Nach der 0:5-Klatsche beim FC Bayern kassierte Hertha die zweite derbe Pleite und hat nach sechs Spieltagen nun bereits 18 Tore kassiert. Dardai kämpferisch: „Wir haben uns nach Bayern wieder aufgebaut. Das werden wir auch diesmal tun. Nächste Woche kommt Freiburg. Da müssen wir punkten.“

Das gelingt nur, wenn alle zusammen wieder besser verteidigen ... 

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