Vor fast genau zwölf Jahren duellierten sich Bielefeld und Hertha das letzte Mal. Ausgerechnet Ex-Herthaner Artur Wichniarek (l.) ließ mit seinem Treffer zum 1:1 die Meisterträume von Josip Simunic und Co. platzen.  Foto:  imago images

Mensch, Hertha, wie doch die Zeit vergeht! Das erstmalige Wiedersehen mit Arminia Bielefeld in der Bundesliga (Sonntag, 18 Uhr) wird für die Blau-Weißen und Trainer Bruno Labbadia eine Reise in die Vergangenheit. Zurück in die Saison 2008/09, als beide Vereine letztmals im Oberhaus um Punkte kämpften. Vor zwölf Jahren spielten die Blau-Weißen ganz dicke um die Meisterschale mit.

Am 6. Februar 2009 mussten Andrej Woronin und Co. auf der Alm ran. Mit einem Sieg wäre Hertha Tabellenführer gewesen. Das Spiel ging 1:1 aus. Woronin erzielte nach langem Ball von Torwart Jaroslav Drobny das 1:0. Aber Artur Wichniarek, zuvor glücklos bei Hertha angestellt, traf, kaum zurück auf der Alm, das Tor wieder nach Belieben.

Pantelic und Woronin wirbelten

Die Saison war ein irre blau-weiße Reise. Ganz Berlin war elektrisiert, Hertha das Stadtgespräch Nummer eins, die erste Meisterschaft seit 1931 Thema in der Kneipe, im Büro, auf dem Bau und wo auch immer.

Die Blau-Weißen von damals – was machten sie den Fans für eine Freude. Trainiert vom aufstrebenden Taktik-Fuchs Lucien Favre verfügte Hertha über den vielleicht besten blau-weißen Kader aller Zeiten. Vor Rückhalt Jaroslav Drobny machten die beinharten Verteidiger Josip Simunic und Arne Friedrich den Gegnern Angst und Bange, im Mittelfeld diktierten Pal Dardai, Raffael und Cicero das Geschehen und in der Offensive wirbelte das überragende Torjäger-Duo Marko Pantelic und Andrej Woronin.

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Andrej Woronin erzielte elf Tore und brachte Hertha 2008/2009 mit 1:0 in Führung. Am Ende ließen die Blau-Weißen wichtige Punkte im Meisterschaftsrennen liegen.

Trotz der großen Namen und der noch größeren Träume kam Hertha damals auf der Bielefelder Alm wie im Hinspiel nur zu einem 1:1 – verpasste den vorübergehenden Sprung auf Rang eins. Ingesamt hätten es vier Zähler mehr sein können. Zur Meisterschaft fehlten am Ende sechs Punkte. Das letzte Spiel verlor Hertha, schon aus dem Titelrennen, bei Absteiger Karlsruhe 0:4 ... Näher dran waren die Blau-Weißen seitdem nicht mehr.

Neues blau-weißes Potenzial

Und heute? Zwei Abstiege und jede Menge turbulente Spielzeiten später träumt man in Westend wieder von Titeln. Durch die Finanzspritzen von Investor Lars Windhorst wurde der Kader massiv aufgemotzt. Europa heißt das Ziel. Anders als damals sollen nicht gestandene Profis die Blau-Weißen nach oben führen, sondern junge, talentierte Spieler. Ganz klar: Labbadias Kader hat das Potenzial, die kühnsten Träume der Fans wahr werden zu lassen.

Das Problem: So richtig in Schwung kommen die Herthaner noch nicht. In Bielefeld muss ein Sieg her, um endlich Anschluss an das obere Tabellendrittel herzustellen. Ein Remis wie vor zwölf Jahren wäre abermals ein heftiger Dämpfer.

Das Gute: Mit Labbadia hat Hertha einen richtigen Alm-Versteher. Von 1998 bis 2001 stürmte er für die Arminia, ballerte den Klub 1999 mit 28 Treffern zurück in die Bundesliga. „Ich habe dort eine sehr schöne Zeit als Spieler und mit der Familie verbracht. Wir sind bis heute eng verbunden, weil mein Schwiegersohn aus Bielefeld kommt“, freut sich Labbadia auf seine Rückkehr am Sonntag und erklärt: „Wer die Stadt nicht gesehen hat, versäumt etwas. Ich habe nur gute Erinnerungen.“

Wird die Reise in die Vergangenheit ein Erfolg, wird das so bleiben. Und Hertha in Zukunft vielleicht schon bald wieder Stadtgespräch Nummer eins.