Drei Geschäftsführer für eine erfolgreiche Zukunft: Ingo Schiller, Carsten Schmidt und Michael Preetz (v.l.n.r.). Foto: City-Press

Hertha BSC ist immer für eine Überraschung gut. So oder so. Der Klub stellte in der vorigen Woche Carsten Schmidt, einst mächtiger Chef des TV-Senders Sky, als künftigen „Vorsitzenden der Geschäftsführung“ vor. Oben auf dem Podium freuten sich Präsident Werner Gegenbauer und Aufsichtsratschef Torsten-Jörn Klein diebisch, dass diese herausragende Personalie bis zur letzten Minute geheim geblieben war. Schmidt, 56 Jahre alt, ist nach eigenen Angaben seit der Weltmeisterschaft 1970 ein Fußballfan. Später wurde er Anhänger des FC St. Pauli, was ihn durchaus sympathisch macht. Nun aber, so Schmidt, kommt mit Hertha eine neue Liebe hinzu, die wachsen wird.

Diese Inthronisierung erinnerte mich an die Vorstellung von Dieter Hoeneß im Herbst 1996. Damals, exakt am 21. November, flatterte den Redaktionen um 19 Uhr ein Fax ins Haus mit einer Blitz-Einladung. Ich eilte mit dem Taxi ins Hotel Esplanade am Lützowufer, wo Dieter Hoeneß als neuer Vizepräsident vorgestellt wurde. Das glich damals einer kleinen Sensation. Auch dieser Deal war zuvor nicht an die Öffentlichkeit gedrungen.

Hoeneß stieg schon nach fünf Monaten zum Manager auf und im Jahr 2000, nach der Satzungsreform und der Bildung einer Kommanditgesellschaft auf Aktien, zum „Vorsitzenden der Geschäftsführung“.  Damals zog die totale Professionalisierung bei Hertha ein. Zuvor hatten oft hemdsärmelige, aber volksnahe Präsidenten und Manager das Sagen, die Strukturen waren lange amateurhaft. Hoeneß sorgte später für einen Running Gag, als er die rasante Entwicklung unter seiner Ägide gern mit den Worten einleitete, er habe bei seinem Einstieg „nur drei Leute und eine Schreibmaschine“ auf der Geschäftsstelle vorgefunden. Er blieb bis zur Trennung von Hertha im Jahr 2009 der „Vorsitzende der Geschäftsführung“, ein Titel, den es bis zum heutigen Tag bei Hertha nicht mehr gab.

Nun also Carsten Schmidt, der am 1. Dezember seinen Posten antritt. Wieder läutet Hertha damit eine neue, höhere Stufe der Professionalisierung ein, die auch dringend notwendig erscheint. Michael Preetz, seit 2009 Geschäftsführer Sport, bekommt zum ersten Mal nach elf Jahren einen Vorgesetzten. Lange hatte ich neben Preetz weitere Personen vermisst, die ihre fußballerische Expertise einbringen können. Das passierte erst vor wenigen Wochen mit der Berufung des 82-maligen Nationalspielers Arne Friedrich zum Sportdirektor. Dazu sitzen mit dem ehemaligen Hertha-Profi Andreas Schmidt (e. V.) und dem einstigen Nationaltorhüter Jens Lehmann (KGaA) zwei eloquente Fachleute in den beiden Aufsichtsräten. Aber längst geht es um mehr als nur Fußball-Kompetenz.

Schmidt, der neue starke Mann, Marketingexperte und glänzend vernetzt in der Medienbranche, den Klubs und Verbänden, hat sich gegen rund 60 Mitbewerber durchgesetzt. Darunter befanden sich zahlreiche hochkarätige Manager aus verschiedenen Branchen. Das will etwas heißen! Das Anforderungsprofil lautete in einem Satz zusammengefasst: „Ein Topmanager mit Fußballsachverstand.“

Die Klubführung hat die Zeichen der Zeit erkannt, stellt sich breiter auf, will das Profil schärfen. Mit den 374 Millionen Euro, die Lars Windhorst investiert hat, muss es nach oben gehen. Ohne Wenn und Aber. Mittelmaß ist nicht mehr vermittelbar. Der Erwartungsdruck auf Michael Preetz steigt, auch wenn der das nicht gerne hört.

Reiner Calmund, einst Manager bei Bayer Leverkusen und Schmidt-Kenner, sagte mir nun: „Schmidt ist für Hertha so viel wert wie ein Abwehrchef, ein Spielmacher und ein Torjäger zusammen. Das ist wie drei Sechser im Lotto!“

Schmidt selbst sieht sich als Teamplayer. Ich aber nehme eine Anleihe bei Trainer Lucien Favre und sage: Der neue Boss ist äußerst polyvalent!