Von den Profis gefürchtet: Henrik Kuchno hat derzeit bei Hertha das Sagen.  Foto: City-Press

Berlin - Die Corona-Krise und ihre Nebenwirkungen. Als seien das gesellschaftliche Vakuum und die Quarantäne, in der sich die Herthaner befanden, nicht schon genug. Nein, um beim angepeilten Liga-Neustart Anfang Mai topfit zu sein, erleben die blau-weißen Profis ein schweißtreibendes Déjà-vu: Die Kuchno-Tortur.

„Im Laufe der Woche werden wir das Pensum und die Intensität stetig anziehen“, kündigt Athletik-Trainer Henrik Kuchno an. Wer den Schleifer aus Lübz in Mecklenburg-Vorpommern kennt, weiß, was da auf die Blau-Weißen zukommt.

Seit 2015 quält der 46-Jährige die Herthaner. Besonders in der Vorbereitung und in den Trainingslagern hören alle auf die Kuchno-Kommandos. In dieser Phase holen sich die Profis die Fitness und Kondition für die Saison.

Elf – ganz klar: elf.

Kapitän Vedad Ibisevic über den Grad seiner Erschöpfung. 

Seine prägnante, basslastige Stimme, mit der er den Spielern Beine macht, ist bei Hertha längst legendär. Die Profis verbindet eine „Hassliebe“ mit ihm: Sie wissen, dass die Kuchno-Tortur nötig ist, gleichzeitig aber auch, dass da einiges an Schufterei auf sie zukommt.

Als Kapitän Vedad Ibisevic (35) im Sommer den Grad seiner Erschöpfung auf einer Skala von eins bis zehn einordnen sollte, antwortete der Stürmer: „Elf – ganz klar: elf.“

Kuchno derzeit der Boss 

An oder eben über ihre Leistungsgrenze werden der Bosnier und seine Kollegen auch die kommenden Tage kommen. Weil Cheftrainer Alexander Nouri (40) noch bei der Familie in der Nähe von Bremen weilt und frühestens in der kommenden Woche das Training übernimmt, ist Kuchno derzeit der Boss auf dem Schenckendorffplatz – und das wegen der Corona-Zwangspause  zum dritten Mal innerhalb einer Spielzeit.

„Es geht in dieser Woche auf dem Platz um spezielle Konditionierung mit und ohne Ball“, erklärt Kuchno, der derzeit selbst einfache Passübungen mit schweren, schweißtreibenden Einheiten kombiniert.  

Alles ähnelt nun mal derzeit einer normalen Vorbereitung – allerdings auf höherem Niveau als im Sommer, wenn die Profis aus dem Urlaub zurückkehren.

Alles für den Wettkampfmodus

Bereits in der 14-tägigen häuslichen Quarantäne durch die positive Testung eines Spielers auf Covid-19, war Kuchno täglich mit den Spielern im Austausch, überwachte das individuelle Training anhand von aufgezeichneten Daten. „Ich habe den Jungs intensive Intervall-Programme an die Hand gegeben. Ich kann anhand der Herzfrequenzen prüfen, mit welcher Intensität die Spieler trainieren“, erklärt Kuchno, der deswegen nach 26 Tagen ohne Teamtraining auf eine  Leistungsdiagnostik verzichtete.

Das Ziel ist klar: Hertha hofft wie alle anderen Klubs, dass ab Mai endlich wieder gespielt werden kann. Für Kuchno geht es darum, die Blau-Weißen für den Wettkampfmodus zu trimmen – auch über Ostern: Karfreitag und Ostermontag soll trainiert werden. Ei, Ei, Ei.