Daumen hoch für Herthas Trainer Pal Dardai. Er bleibt im Amt.  Foto: dpa

Es war lange klar, jetzt ist es offiziell. Pal Dardai (45) bleibt Cheftrainer von Hertha BSC. Der Retter bekommt einen Vertrag bis Juni 2022. Das teilte Vorstandsboss Carsten Schmidt auf der digitalen Mitgliederversammlung den Herthanern mit. Alles auf Dardai, Hertha wird wieder blau-weiß!

Es war die Botschaft, auf die alle Hertha-Fans gewartet haben. In einem Video-Grußwort, das für die rund 2600 Mitglieder, die Zuhause am Computer saßen, eingespielt wurde, sprach Pal zu den Anhängern: „Hallo Fans, ich möchte mich bei euch für die Unterstützung in den vergangenen Monaten bedanken. Es war einfacher mit euch. Nächstes Jahr gehen wir wieder zusammen in die Bundesliga. Ich kann versprechen: Arbeit und Fleiß wird bei allen da sein.“

Dardai hat in der Krise, im erfolgreichen Abstiegskampf, alle überzeugt. Er hat es geschafft, aus den Spielern wieder ein Team zu machen. Genau diese Qualität sprach auch Schmidt an und betonte: „Pal Dardai war die erste Wahl. Wir haben mit keinem anderen Coach gesprochen.“

Bemerkenswert waren auch Schmidts Ausführungen zur Jugendarbeit bei Hertha. „Ich möchte mich bei der Akademie bedanken. Das ist ganz großer Sport, dass so viele junge Spieler im Endspurt den Sprung in die Bundesliga geschafft haben. Dass Jessic Ngankam dann auch noch das wahrscheinlich Goldene Tor für den Klassenerhalt in Gelsenkirchen geschossen hat, setzt dem Ganzen die Krone auf“, lobte der Vorstandsboss.

Der Mann muss dem Trainer genau zugehört haben, wenn es um die Ausbildungsarbeit von Talenten geht. In diesem Punkt gibt es auch keine Meinungsverschiedenheit mit dem neuen Manager Fredi Bobic, der Dienstag mit seiner Arbeit beginnt. Bobic hat sich ausdrücklich für Dardai und auch für Arne Friedrich als Sportdirektor (Vertragsverhandlungen laufen) ausgesprochen.

Noch wichtiger ist, wie der Profikader in der neuen Saison aussieht. Große finanzielle Sprünge wird Hertha nicht machen, schließlich gibt es rund 15 Millionen Euro weniger TV-Gelder und noch ist unklar, ob und wann wieder Zuschauer ins Olympiastadion dürfen. Schmidt verspricht nach der Katastrophensaison eine knallharte Prüfung des Kaders in den nächsten Tagen: „Wir werden eine ehrliche Analyse durchführen. Bei uns kommt alles auf den Prüfstand.“ Heißt: Einige Profis können sich jetzt schon warm anziehen, weil sie versagt haben.

Selbstkritisch merkte Präsident Werner Gegenbauer an: „Bei der Mentalitätsfrage wurden Fehler gemacht. Da verdienen wir Kritik, auch als Präsidium.“ Gegenbauer, der jahrelang schützend seine Hand über Ex-Manager Michael Preetz hielt und sich dann doch im Januar für eine Trennung aussprach, steht im Verein unter Druck. Ein Antrag zur Abberufung des Präsidenten wurde mit 982 zu 622 Stimmen abgeschmettert. Gegenbauer will den Umbruch des Vereins und sagt: „Ich hoffe, dass unsere Situation im Herbst so ist, dass keiner mehr auf den Gedanken kommt, bei der nächsten MV gegen irgendjemand einen Abberufungsantrag zu stellen.“ Für bessere blau-weiße Zeiten kann eigentlich nur Einer sorgen: Pal Dardai!