Alexander Schwolow musste im Pokal fünfmal hinter sich greifen. Foto: Imago Iamges

Acht Schüsse bekam Alexander Schwolow, der neue Keeper von Hertha BSC, im DFB-Pokalspiel bei Eintracht Braunschweig auf sein Tor, fünfmal schlug der Ball hinter ihm ein. Für Hertha war nach der 4:5-Niederlage Schluss im Wettbewerb. Schwolow, 28, Sommerzugang vom SC Freiburg, gab bei seinem Pflichtspieldebüt nicht die beste Figur ab und klagte später: „Das war ein Albtraum-Spiel!“

Der Mann tat mir richtig leid beim Zuschauen vor dem Fernsehapparat, und ich hoffe, Schwolow verkraftet diesen Rückschlag schnell. Ich gehe auch davon aus, dass ihn Trainer Bruno Labbadia am Sonnabend beim Liga-Auftakt in Bremen wieder ins Tor stellt. Das ist beinahe so ähnlich wie nach einem kleinen Autounfall mit Blechschaden. Der Fahrer sollte sofort wieder zurück ans Steuer.

Herthas Cheftrainer hat sich für Schwolow als neue Nummer eins entschieden, der Norweger Rune Jarstein muss in den Wartestand. Eine Arbeitsteilung unter den Torhütern schloss Labbadia zudem aus und forderte: „Wir brauchen eine feste Größe im Tor!“

Das ist nicht neu bei Hertha. Mit Kontinuität im Kasten ist man immer gut gefahren, ob mit Christian Fiedler, Gabor Kiraly, Jaroslav Drobny oder zuletzt mit Jarstein.

Enver Maric, der langjährige Torwarttrainer von Hertha, einst Nationaltorhüter von Jugoslawien und Vertrauter von Kultkeeper Gabor Kiraly, hat das Pokalspiel im Fernsehen verfolgt. Der 72-Jährige sagte mir: „Das war tragisch für Schwolow, aber solche Dinge passieren im Fußball. Torhüter sollten – wenn möglich – nicht während der Saison gewechselt werden.“ Unter der Ägide von Maric und Trainer Jürgen Röber brachte es der Ungar Kiraly in seiner grauen Schlabberhose mit ganz wenigen Unterbrechungen auf 198 Erstligaspiele. Solch Stabilität tat der Mannschaft unheimlich gut.

Albtraum der Hertha-Keeper

Ob es Pechvogel Schwolow ein wenig tröstet, wenn er erfährt, dass vor ihm schon andere Torhüter bei ihrem Debüt im Hertha-Trikot Albträume erleben mussten?

Es war Sascha Burchert, der in der Saison 2009/10 noch unter Trainer Lucien Favre wegen einer Verletzung von Stammkeeper Drobny am 6. Spieltag gegen den SC Freiburg ins Tor rückte und 0:4 unterlag. Zwei Spiele später erlangte er gegen den Hamburger SV, nach einem 1:3, traurige Berühmtheit. Binnen zwei Minuten klärte er außerhalb des Strafraumes zweimal spektakulär mit dem Kopf, aber die beiden Abwehrversuche kamen wie ein Bumerang zurück. David Jarolim und Ze Roberto trafen postwendend für den HSV. Eine große Boulevardzeitung schrieb vom „Torwarttrottel“ aus Berlin. Burchert, inzwischen 30 Jahre alt, ist längst bei der SpVgg Greuther Fürth zu einem der besten Keeper der Zweiten Liga aufgestiegen.

Schlimmer erging es Christopher Gäng. Im November 2008 fielen Drobny und Fiedler wegen Verletzungen aus. Herthas Nummer drei ging ins Tor im Duell bei Werder Bremen und beim 1:5 total unter. Es blieb sein einziger Einsatz in der Ersten Liga …

Meist konnte Hertha aber auf starke Torleute bauen und gilt auch als Vorreiter der „Torhüter-Rotation“, was nur noch die älteren Fans wissen. 1968/69 besaß Trainer Helmut „Fiffi“ Kronsbein in Volkmar Groß, einem Lebemann, und in Gernot Fraydl, dem Nationaltorhüter von Österreich, zwei völlig gleichwertige Männer im Kasten. Was tun? Kronsbein wechselte alle zwei Spiele seine Torhüter aus. Ein Novum in der Liga. Zweimal vollzog er das Wechselspiel gar in der Halbzeitpause. Das war Fraydl dann zu viel der Rotation und er verließ 1970 frustriert Berlin.

Zurück zum aktuellen Team. Ich gehe davon aus, dass sich Alexander Schwolow zu einer starken Nummer eins entwickeln wird. Und Bruno Labbadia wird sich in Sachen Torhüter trotz Pokalpleite sicher kein Beispiel am einst legendären „Fiffi“ Kronsbein nehmen.