Trainer Sandro Schwarz ging mit den Profis in den Gästeblock und feuerte die Anhänger nach dem 2:3 in Leipzig an. Schwarz: „Das war Gänsehaut, wie die Fans mitgefühlt haben.“
Trainer Sandro Schwarz ging mit den Profis in den Gästeblock und feuerte die Anhänger nach dem 2:3 in Leipzig an. Schwarz: „Das war Gänsehaut, wie die Fans mitgefühlt haben.“ City-Press

Was ist das für ein blau-weißes Phänomen? Hertha BSC hat mit acht Punkten nach zehn Spielen den drittschlechtesten Bundesligastart seit dem Wiederaufstieg 1997 hingelegt. Normalerweise wäre Krisenstimmung. Fehlanzeige! Die Fans feiern die Mannschaft seit Wochen und nach der starken Leistung beim 2:3 in Leipzig noch mehr. Der Trainer steht nicht mal im Ansatz zur Diskussion und sagt jetzt: „Ich liebe die Jungs für das, was sie gebracht haben.“

Einen Tag nach der unglücklichen Niederlage wiederholt Schwarz seine Liebeserklärung und geht noch weiter: „Ich stehe dazu, was ich gesagt habe. Es war nicht nur die starke zweite Halbzeit in Leipzig. Die Jungs geben es mir jeden Tag zurück.“

Schwarz: „Umkippen der Stimmung? Null Gedanke!“

Hertha-Teamgeist 2022: Lucas Tousart richtet Maximilian Mittelstädt nach dem 2:3 in Leipzig wieder auf.
Hertha-Teamgeist 2022: Lucas Tousart richtet Maximilian Mittelstädt nach dem 2:3 in Leipzig wieder auf. City-Press

Ist das Phänomen Hertha in Wirklichkeit das Phänomen Schwarz? Der Coach hat im Turbotempo mit seiner einfühlsamen, aber sachlichen Art geschafft, dass jeder Spieler mitmacht und daran glaubt, was er will. Der Coach mahnt aber auch: „Es ist auch ein Fakt, dass wir nur acht Punkte haben. Es ist eine berechtigte Frage nach dem Stimmungsumkippen. Du siehst die Tabelle. Es ist nicht so, dass wir glücklich im Bus sitzen, weil wir gut gespielt haben. Wir ärgern uns in erster Linie, dass wir den Lucky Punch nicht setzen konnten. Aber die Stimmung ist gefestigt über Wochen. Darüber mache ich mir null Gedanken. Ja, es ist ein schmaler Grat. Aber das Urvertrauen in die Jungs ist riesig.“

Nur acht Zähler und auf Platz 15. 2009/10 waren es vier Punkte am 10. Spieltag – Abstieg! 2003/04 waren es auch acht Punkte, gerettet durch Trainer-Methusalem Hans Meyer. Das waren Krisensaisons. Es gibt aber noch eine andere Spielzeit mit schlimmem Anfang.

Jürgen Röber legte 1997 einen noch schwächeren Start hin

1997 legte Trainer Jürgen Röber einen Horrorstart mit Hertha hin, doch dann explodierte die Mannschaft mit einer Siegesserie.
1997 legte Trainer Jürgen Röber einen Horrorstart mit Hertha hin, doch dann explodierte die Mannschaft mit einer Siegesserie. imago images/Behrendt

1997/98 standen sechs Punkte auf dem Konto und das ähnelt der jetzigen Situation mehr. Kult-Trainer Jürgen Röber war mit den Blau-Weißen aufgestiegen. Es herrschte Aufbruchstimmung nach Jahren der Zweitliga-Tristesse. Und das brachte damals die Wende. Euphorie und Teamgeist.

Hertha gewann plötzlich in Serie und hatte am Saisonende 43 Zähler – Platz elf. In der nächsten Saison erreichte das Team sensationell einen Champions-League-Platz. Schwarz sagt jetzt: „Du willst diese Explosion haben. Wichtig ist jetzt im nächsten Heimspiel gegen Schalke, nicht in ein Spiel reinzugehen und denken, man bekommt die Belohnung für das, was man vorher gemacht hat. Nein, es kommt nicht irgendeiner, der uns erlöst und jetzt kommen die drei Punkte. Nein, du musst wieder in Vorleistung gehen, wieder investieren.“

Der Sieg gegen Schalke ist Pflicht, um unten aus der Tabelle rauszukommen. Doch Schwarz sagt: „Wir müssen nicht, wir wollen gewinnen. Die Jungs haben eine große Lust.“ Und die Fans trotz der mageren Punkte-Ausbeute noch viel mehr auf diese Mannschaft. Der Trainer: „Die Atmosphäre der Fans, das war Gänsehaut, wie sie mitgefühlt haben in Leipzig. Das, was ich sehe und fühle: Einfach geil!“

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