Frank Zander singt die Hertha-Hymne diesmal nicht live im Stadion, dafür auf Facebook. Foto: Imago Images/O.Behrendt

Berlin - Zander singt Hymne im Netz, Dardai bleibt im Garten, Tusche cool ...

Immer ein bisschen mehr wäre von Tag zu Tag die Stimmung hochgekocht, Berlin hätte nur ein Thema gehabt: Hertha gegen Union. Spiel des Jahres. Rückkampf um die Stadtmeisterschaft. 75000 Fans im Olympiastadion, die Kneipen rappelvoll. Und jetzt, in diesen Corona-Zeiten, muss man sich zweimal zwicken: Ach ja, heute wäre ja Derby gewesen.

Olympiastadion zu, Bierstuben dicht, im TV Konserven. Der KURIER fragte mal rum bei Leuten, die beim Derby wichtig gewesen wären: Na, was macht ihr denn jetzt heute so?

Herthas langjährige Stadionsprecher Fabian von Wachsmann und Udo Knierim hätten wie immer die Fans begrüßt, die Stimmung auf den Siedepunkt gebracht. Und nun? Knierim, als Radiomann in Diensten von rs2, verrät: „Ich habe bis 18 Uhr Dienst im Sender, danach schaue ich mir noch mal das Derby vom 3. September 2012 an.“ Damals siegte Hertha bei Union 2:1.

Garten statt Stadion: Pal Dardai und seine Ehefrau Monika. Foto: Imago Images/Camera 4

Zander singt, Dardai kickt

Traurig ist auch Claudia Rose, Chefin der berühmten Currywurstbude auf der Olympischen Brücke, die noch geöffnet haben darf: „Uns wird das Spiel fehlen, das Gewusel der vielen Fans vor unserer Bude.“ Das ist derzeit aber nicht ihr größtes Problem: „Mittags haben wir noch Stammkundschaft. Noch halten sich die Verluste in Grenzen, aber das Derby vermissen wir schon, obwohl es für uns Stress bedeutet hätte.“

Den hätte vorm Anpfiff auch Entertainer und Hertha-Urgestein Frank Zander gehabt, der die Vereinshymne „Nur nach Hause…“ vor der Ostkurve gesungen hätte. Nun hat auch er Pause. Zander: „Ich bin Optimist in der Krise, nutze die Zeit, um wieder zu malen.“ Und um ein wenig die trübe Stimmung zu vertreiben. Sein Sohn Marcus erzählt: „Frank wird per Video die Hymne singen und gegen 18.30 Uhr auf Facebook stellen – für alle Berliner. Vielleicht singen einige sogar mit.“

Entgeht durch die Absage jeder Menge Stress: Torsten Mattuschka. Foto: Imago Images/Matthias Koch

Tusche bekommt Coolness-Pokal

Manfred Sangel, langjähriger Chef und Moderator des ehemaligen „Hertha-Echos“, dem Radio von Fans für Fans, ist eher ratlos: „Ich weiß noch nicht, was meine Frau und ich zur Anstoßzeit machen. Vielleicht erinnern wir uns an alte Erfolge. Ich hatte im Derby auf einen Hertha-Sieg getippt.“  

Ex-Hertha-Trainer Pal Dardai wäre mit seiner Ehefrau im Stadion gewesen. Monika Dardai verrät: „Was wir tun? Wir spielen zu Hause im Garten Fußball. Zwei gegen zwei!“ Papa Pal und die drei Söhne.

Auch bei Union waren alle heiß aufs Derby. Alle bis auf Torsten Mattuschka. Die Eisern-Ikone, inzwischen auch Co-Trainer, bewirbt sich um den Coolness-Pokal: „Für mich wäre es ein ganz normaler Tag geworden. Ich wäre früh mit Altglienicke zum Punktspiel nach Bischofswerda gefahren, von dort aus wäre es ins Olympiastadion gegangen, um da das 2:0 für den 1. FC Union zu sehen. Und hinterher hätte ich ganz schnell in die Mercedes-Benz-Arena gemusst. Da hätte meine Frau Susanne mit Karten für Roland Kaiser auf mich gewartet.“

Alles klar ...

Mitarbeit: M. Bunkus