So schön fühlt sich Siegen an: Herthas Niklas Stark (l.) und seine Kollegen wollen gegen RB Leipzig am Sonntag endlich wieder jubeln. Bild:  City-Press

Auf der Linie das Gegentor vereitelt, den entscheidenden Zweikampf um den Nachschuss gewonnen und direkt mit einem schnellen Flachpass den Gegenangriff eingeleitet. Herthas Niklas Stark (25) macht im Training vor, wie Cheftrainer Pal Dardai die Blau-Weißen vor dem Abstieg retten will.

Der über die Klub-Kanäle veröffentlichte Video-Schnipsel aus dem Training zeigt, wie Dardai sich das Umschaltspiel in den noch ausstehenden 13 Partien vorstellt. Starks spieleröffnender Pass landete beim Drei-gegen-drei-Übungsspiel auf dem Kleinfeld sogar direkt im Tor.

Ein Gefühl, auf das der Franke in einem Spiel seit fast einem Jahr wartet. Beim 2:2 gegen Bremen im März 2020 traf er zuletzt per Kopf und nach einer Ecke von Marvin Plattenhardt. Unfassbare 97-mal probierte es Hertha in dieser Saison nach Eckbällen – kein einziger Ball zappelte danach im Netz.

Union macht es Hertha vor 

Bitter: Ausgerechnet der Nachbar aus Köpenick macht vor, wie es geht. Hätte Hertha nur die Hälfte aller Tore nach Standards des 1. FC Union erzielt, die Lage in Westend wäre wohl nur halb so dramatisch.

Weil es aber nach ruhenden Bällen auch hinten hakt, steckt Hertha bis zum Hals im Schlamassel. „Das muss sich jeder bei uns ankreiden lassen“, erklärt Stark, den das jüngste Gegentor nach einem Freistoß beim 1:1 im Stuttgart immer noch nervt. „Da haben wir uns austricksen lassen“, sagt er über Stuttgarts Verzögerungstaktik, die Kris Piatek das Abseits aufheben ließ. „Das müssen wir besser verteidigen.“

Daran arbeitet seit drei Wochen wieder Dardai. „Pal ist Pal“, sagt Stark über die Rückkehr des Ungarn, der ihn 2015 vom 1. FC Nürnberg nach Berlin lotste und unter dem er zum Nationalspieler reifte. „Er weiß, wie es uns geht und worauf es jetzt ankommt. Wir haben volles Vertrauen in ihn“, erklärt Stark.

Stark glaubt an Sieg gegen RB Leipzig 

Das hat auch Dardai in sein Team. Allerdings sorgt sich der 44-Jährige, ob seine Schützlinge für den Abstiegskampf gemacht sind. „Jeder kann die Tabelle lesen. Wir werden alles raushauen, um das zu verhindern“, versichert Herthas Dauerbrenner.

Bis auf mickrige neun Minuten am ersten Spieltag stand Stark in jeder Partie über 90 Minuten auf dem Platz. Das wird auch gegen RB Leipzig (Sonntag, 15.30 Uhr) so sein. Stark glaubt an einen möglichen blau-weißen Coup: „Wir haben es uns in den letzten Spielen so ein bisschen verdient, auch mal Glück zu haben. Warum sollten wir nicht etwas mitnehmen?“, fragt Stark. 

Klar ist: Die Chancen, am Sonntag endlich den ersten Sieg seit dem 2. Januar zu holen, steigen rasant, wenn Stark selbst mal wieder trifft. Ob nach einem Standard oder aus dem Spiel heraus dürfte Hertha-Fans dabei schnuppe sein.