Nikls Stark brüllt seine Freude heraus. Er machte das 1:0 in der 39. Minute. Foto: AFP

So schmeckt Felix Magath (68) der Tee im Quarantäne-Hotelzimmer besonders gut. Fünf Tage da und Hertha BSC hat nach fünf Monaten endlich den ersten Sieg im Abstiegskampf. Die Blau-Weißen gewinnen 3:0 (1:0) gegen die TSG Hoffenheim. Quälix hat das Retter-Gen. Corona-Infektion, egal! Seine Aura wirkt auch per Laptop-Ansprache auf die Spieler.

Aber das Magaths auch sein Assistent, der Schotten-Mark. Fotheringham, der perfekte Pusher im Training und gestern auch an der Seitenlinie. Voll engagiert, lautstark, wilde Gesten. „Ich will Feuer und Emotion sehen“, hatte Fotheringham vorher gesagt. Die Spieler taten es. Alles, was beim gefeuerten Vorgänger Tayfun Korkut vermisst wurde, war plötzlich da. Dieser Kampf, Aggression und der Drang nach vorne. Die Hoffenheimer waren von der plötzlich wiederentdeckten Zweikampfstärke der Blau-Weißen total überrascht.

Marco Richter (9.) und Ishak Belfodil (19.) hatten die ersten Torchancen. Hoffenheim kam in der ersten Halbzeit nur einmal durch Bruun Larsen gefährlich vor das Hertha-Tor. Nein. Hertha spielte plötzlich wie eine echter Mannschaft. Jeder rannte für jeden. Magaths Worte bei der Kabinenansprache via Videoschaltung musste gewirkt haben.

Strk köpft zum 1:0 ein

Der Lohn für den Einsatz dann in der 39. Minute. Marvin Plattenhardt mit Freistoßflanke von rechts. Niklas Stark (diesmal als Sechser für den corona-erkrankten Vladimir Darida) nickte stark per Kopfballaufsetzer ein und jubelte. Doch Schiri Daniel Schlager aus Hügelsheim (Baden-Württemberg) gab erstmal das Tor wegen vermeintlichen Abseits nicht. Irrtum! Nach Videosichtung zählte dann das Tor zum 1:0 dann doch. Also noch mal jubeln, noch impulsiver mit einem Spurt zur Ersatzbank. Stark umarmte alle Spieler. Endlich mal kein Rückstand!

Mit der Führung ging es in die Kabine. Und mit noch mehr Mut ging es wieder raus. Was für ein Wandel dieser Truppe! Magier Magath hat die Zündschnur für diese Leistungsexplosion gefunden. Sinnbild des Wandels war der Franzose Lucas Tousart. Er machte sein bestes Spiel, seit er bei Hertha ist. Er rannte, grätschte und gab die richtigen Pässe mit viel Übersicht.

Hertha-Fans singen: „Oh, wie ist das schön!“

Die Entscheidung im Spiel wieder nach einer Freistoßflanke von Plattenhardt. Marc Kempf verlängerte per Kopf auf den zweiten Pfosten und Belfodil schob zum 2:0 (63.) ein. Und noch mal Plattenhardt mit Freistoß, Dedryck Boyata legte per Kopf für Tousart, sein Schuss wird noch von Raum abgefälscht an den Innenpfosten zum 3:0 (74.).

Die Fan in der Ostkurve trauten ihren Augen kaum, dass so ein Sieg möglich ist und sangen „Oh, wie ist das schön, oh wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen!“ Nach fünf Monaten (nach dem 3:2 gegen Dortmund) endlich wieder ein Sieg und sofort raufgerutscht auf Platz 16. Magier Magath hat den Zaubermix auch per Video, Quälix und Miraculix!

Marco Richter strahlte nach dem Abpfiff übers ganze Gesicht: „Das waren mehr als 100 Prozent, die wir gezeigt haben. Wir gehen verdient als Sieger vom Platz. Bei uns hat es nach dem Trainerwechsel Klick gemacht. Magath hat uns den Weg gegeben und Mark uns nochmal den richtigen Kick an der Seitenlinie gegeben.“

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