Maximilian Mittelstädt liegt enttäuscht nach dem 1:2 in Fürth auf dem Rasen. Imago Images/Kolbert-Press

Alarmstufe Blau-Weiß bei Hertha BSC nach der 1:2-Blamage beim Schlusslicht Fürth. Die Fan-Wut ist groß. Die Angst, dass der harte Kern aus der Ostkurve wie schon nach der Pokalderby-Pleite gegen Union den Trainingsplatz stürmt, war Sonntagvormittag wieder da. Mehr Ordner, ein Mannschaftswagen der Polizei plus ein Streifenwagen und Zivilfahnder wurden vorsichtshalber postiert. Zum Glück passierte nix. 1:2, Polizei! Drei, vier, Abstieg hier! Fünf, sechs, Hertha perplex! Sieben, acht – gute Nacht!

So ähnlich sang es das italienische Hit-Wunder „Mo-Do“ 1994. Ein echter Party-Knaller, doch zum Feiern ist bei Hertha schon lange keinem mehr zumute. Einen Tag vorher kochte die Frustseele bei den mitgereisten Hertha-Fans in Fürth hoch. Mit Galgenhumor sangen sie: „Absteiger, Absteiger!“ Maxi Mittelstädt und Stevan Jovetic stellten sich nach dem Abpfiff der erneuten Gruselshow den Anhängern, gingen in die Gästekurve und diskutierten. Doch was für Argumente haben die Spieler noch, um diesen Absturz zu erklären?

2:4-Test gegen Posen: Ein Warnsignal, das keiner sah

Der Verein befindet sich trotz einer 374-Millionen-Euro-Spritze durch Investor Lars Windhorst in der schlimmsten Krise seit zehn Jahren. 2012 stiegen die Blau-Weißen in der Relegation ab. Und darauf steuert die blau-weiße Titanic jetzt wieder hin. Viel zu lange glaubten im Verein und auch in der Mannschaft viele, dass mit dem neuen Manager Fredi Bobic alles schon wie von allein besser laufen wird, dass die Saison als Umbruch genutzt werden kann und eine Entwicklung der Spieler im Vordergrund stehen sollte. Was für ein Irrtum!

Die ersten Alarmglocken schrillten bei der 1:3-Rückrunden-Auftaktpartie gegen Köln. Doch keiner hörte sie so richtig. Die Pokalpleite gegen Union – geschenkt. Das 1:4 gegen Bayern – normal. Danach war Spielpause und die blau-weißen Profis legten einen seltsam lustlosen Test gegen Lech Posen hin und verloren 2:4. Ohne Druck, trotzdem kein Spielwitz. Danach wurden die Spiele gegen Bochum (1:1) und jetzt in Fürth vergeigt.

Korkut: „Schreien und den Hampelmann spielen, bringt nichts“

Trainer Tayfun Korkut stellte sich den Fragen nach der Pleite. Imago Images/Räppold/Koch

Trainer Tayfun Korkut wirkt ratlos, er rettet sich in Durchhalteparolen. Ja, es gab mal wieder vor dem Lauftraining eine Krisensitzung in der Kabine. Er sagt dasselbe wie sein Vorgänger Pal Dardai nach deftigen Pleiten: „Die Aussprache war klar, sehr klar. Es geht nicht um Aktionismus hier, dass man rumschreit und den Hampelmann spielt. Es war eine klare Botschaft an die Mannschaft, dass sie sehen muss, in welcher Lage wir sind.“

Alles zu spät! Das Ganze hätte jeden einzelnen Tag – spätestens nach dem 2:4-Pleitentest gegen Posen – passieren müssen. Statt der dringend benötigten sechs Punkte gegen Bochum und Fürth ist es einer. Zu wenig, denn jetzt folgen schwierigere Gegner: Leipzig, Freiburg, Frankfurt, Gladbach. „Wir haben es verpasst und konnten uns nicht aus der Situation befreien, wir haben uns selbst da reingebracht. Jetzt erwarten uns ganz andere Brocken“, sagt Korkut und ergänzt: „Ich mache diesen Job mit sehr viel Leidenschaft. Ich habe schon schwierige Situation gemeistert. Ich weiß, wo ich ansetzen muss. Wir müssen hart arbeiten.“

Neun Spiele, nur neun Punkte, auch Korkut selbst steht auf dem Prüfstand. Viele Fans fordern die Entlassung des Trainers. Doch bringt das überhaupt noch die Rettung? Manager Fredi Bobic ist in einer Zwickmühle. 1:2, Polizei! Der zweite Hit von Mo-Do hatte den Titel „Super gut“. Selten war Hertha so weit entfernt davon wie jetzt.

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