Mütter, aber auch Väter, die mit ihren Kindern zu einer Mutter-Kind-Kur fahren, sind gebeutelt von den Strapazen der Pandemie. Dort tanken sie neue Kraft. Foto: Imago/Westend61

„So erschöpfte Frauen hab ich in den letzten zwanzig Jahren noch nicht gesehen“, sagt Elisabeth Grochtmann. Sie leitet die Mutter-Kind-Kurklinik Stella Maris in Kühlungsborn. „Bei jeder neuen Anreise sehen wir, wie erschöpft die Mütter sind. Man kann sich das nicht vorstellen.“ Sie alle haben schon eine lange Zeit des Lockdown hinter sich, verbunden mit Homeschooling und Ganztagsbetreuung. Manche Frauen stehen täglich um 4 Uhr in der Früh auf, um vor dem Aufwachen der Kinder noch für zwei bis drei Stunden zu arbeiten. Abends, wenn die Kinder im Bett sind, geht der Laptop wieder an. „Auf Dauer hält niemand durch, immer 120 Prozent zu geben“, sagt Elisabeth Grochtmann.

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Mütter, aber auch Väter, die mit ihren Kindern zu ihr in die Klinik kommen, sind gebeutelt von den Strapazen der Pandemie. Natürlich sind auch Kinderlose mittlerweile mütend, erschöpft und ausgebrannt ob der immer neuen Regeln und Einschränkungen. Aber Eltern? Die trifft es noch härter. Kein Wunder, dass es geradezu einen Ansturm auf Plätze in Mutter-Kind-Kliniken gibt. Wir erklären, was Sie wissen müssen, wenn Sie auch eine Kur beantragen wollen.

Was ist eine Mutter-Kind-Kur?

Jedes Jahr machen rund 100.000 Elternteile in Deutschland eine Pause vom Alltag – verordnet vom Arzt. Auch wenn sich im allgemeinen Sprachgebrauch die Bezeichnung „Mutter-Kind-Kur“ durchgesetzt hat, der Anteil der erholungsbedürftigen Väter steigt stetig.

Wichtig: Eine Kur ist kein Urlaub, sie hat zum Ziel, die Müttergesundheit nachhaltig zu stärken und maßgebliche Hilfe zur Alltagsbewältigung zu leisten. Die Kuren dauern in der Regel drei Wochen und werden nicht auf den Jahresurlaub angerechnet. Der Arbeitgeber ist laut Entgeltfortzahlungsgesetz dazu verpflichtet, Sie unabhängig vom Jahresurlaub unter Fortzahlung des Entgelts für eine ärztlich verordnete Kur freizustellen.

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Wann dürfen Kinder überhaupt mit auf Kur?

Generell dürfen Kinder, sofern sie auch behandelt werden, bis zum vollendeten 14. Lebensjahr mitgenommen werden. Erhält das Kind keine Anwendungen, kann es den Erwachsenen nur bis zum 12. Lebensjahr begleiten. In manchen Kurkliniken wird Schulunterricht für Kinder angeboten, die ihre Eltern auf Kur begleiten.

Wer hat Anspruch auf eine Mutter-Kind-Kur

Grundsätzlich hat jeder gesetzlich Versicherte alle vier Jahre das Recht auf eine Kur.

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Wie wird die Mutter-Kind-Kur beantragt?

Der erste Schritt führt zum Hausarzt, der eine Kurbedürftigkeit feststellen muss. Beantragt werden kann eine Kur dann anschließend bei der Krankenkasse. Sollte diese ablehnen, raten die Rechtsexperten der Arag zu einem Widerspruch, für den Betroffene einen Monat Zeit haben. Nach der Bewilligung haben Patienten vier Monate Zeit, die Kur anzutreten. Danach verfällt der Anspruch. Wer jahreszeitlich flexibel ist, hat die größten Chancen, an einen Kurort seiner Wahl zu kommen. Pro Kalendertag müssen Patienten zehn Euro Eigenanteil zahlen, begleitende Kinder sind hingegen kostenbefreit. Auch die Anreise zum Kurort wird von der Krankenkasse bezuschusst. Hier liegt der Eigenanteil bei zehn Prozent der Anreisekosten, mindestens bei fünf und maximal bei zehn Euro.