Bei Gewichtsdecken gilt die Faustregel: Maximal 10 Prozent des eigenen Körpergewichts sollten sie schwer sein.
Bei Gewichtsdecken gilt die Faustregel: Maximal 10 Prozent des eigenen Körpergewichts sollten sie schwer sein. Bernd Diekjobst/dpa

Ich dachte immer, ich schlafe gut, ich schlafe ausreichend lang. Und trotzdem war ich immer müde. Den Grund konnte ich mir nicht erklären, auch die Ärzte wussten keinen Rat. Aus Verzweiflung habe ich mir online eine Gewichtsdecke bestellt – sie soll den Schlaf erholsamer machen, heißt es in der Beschreibung.

Und was soll ich sagen: Sie hat mein Leben tatsächlich verändert. Schon nach der ersten Nacht war ich viel ausgeschlafener. Eigentlich sollte man sich langsam an das Gewicht der mehrere Kilo schweren Decken gewöhnen, sie in den ersten Tagen nur 10 Minuten nutzen, die Zeit langsam steigern. Ich habe seit der ersten Nacht keine Minute mehr ohne Gewichtsdecke geschlafen. Am Anfang hatte ich Muskelkater. Aber das ging schnell vorbei.

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Was es mit den Gewichtsdecken auf sich hat? Und was Mediziner zum Hype um die Therapiedecken sagen – die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Was sollen Gewichtsdecken bringen?

„Gerade wenn wir schlafen, wollen wir uns möglichst geschützt fühlen“, sagt Prof. Martin Grunwald, der das Haptik-Forschungslabor der Universität Leipzig leitet. Haptik, das ist die wissenschaftliche Lehre über das Tastsinnessystem des Menschen. Und der Experte weiß auch: „Das Gefühl dieses Geschütztseins wird wahrscheinlich auch durch Druckreize transportiert.“

Hier kommen Gewichtsdecken – auch als Therapiedecken bezeichnet – ins Spiel. Sie sind deutlich schwerer als normale Bettdecken. Somit üben sie einen Druckreiz auf unseren Körper aus.

Und das kann sich richtig gut anfühlen. „Gewichtsdecken vermitteln vielen Menschen offensichtlich ein Gefühl von Geborgenheit und Nicht-Alleinsein“, sagt Martin Grunwald.

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Was spricht für Gewichtsdecken?

Nicht jeder kommt mit einer Gewichtsdecke klar. Aber: Wer eine Gewichtsdecke grundsätzlich als angenehm empfinde, dem könne sie durchaus guttun. So gibt es laut Martin Grunwald Studien zur Wirkung von Gewichtsdecken bei Betroffenen von chronischen Angsterkrankungen: „Die Menschen schlafen besser und haben weniger Angstgedanken.“

Autismus, ADHS, Demenz, Depressionen: Bei all dem sollen Gewichtsdecken Abhilfe schaffen können. Und die Liste lässt sich noch weiterführen. „Die ADHS- und Autismus-Szene arbeitet schon sehr lange mit Gewichtsdecken und -westen“, sagt Martin Grunwald. Grundsätzlich sollte man aber pauschalen Versprechungen kritisch gegenüberstehen.

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Was spricht gegen Gewichtsdecken?

Es gibt auch kritische Stimmen, die von Gewichtsdecken wenig halten. Der Schlafmediziner Prof. Ingo Fietze ist zum Beispiel mehr als skeptisch, wenn für eine generell bessere Schlafqualität durch Gewichtsdecken geworben wird.

„Jeder Mensch dreht sich im Schlaf 5- bis 25-mal“, sagt Fietze, der das Interdisziplinäre Schlafmedizinische Zentrum an der Berliner Charité leitet. „Sensible und schlechte Schläfer werden dabei mit einer Gewichtsdecke jedes Mal wach.“ Für erholsamen Schlaf ist aber wichtig, dass man sich hin- und herdrehen kann, ohne wach zu werden.

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Wie schwer sollte die Gewichtsdecke sein?

Wichtig ist: „Die Körperrotation unter der Decke muss noch möglich sein“, so Haptik-Professor Grunwald. Die Gewichtsdecke darf also nicht zu schwer sein. Es gibt sie in unterschiedlichen Gewichtsklassen – von drei Kilogramm bis deutlich über zehn.

„Vor allem in der Nacht sollte man die Regel einhalten, dass die Decke nicht schwerer ist als zehn Prozent des eigenen Körpergewichts“, sagt Laborleiter Grunwald.

Das gilt auch für Kinder. Bezüglich des Alters, ab dem Gewichtsdecken überhaupt zum Einsatz kommen, sollten Eltern unbedingt auf die Herstellerangaben achten.

Worauf sollte man beim Kauf einer Gewichtsdecke noch achten?

Es gibt große Unterschiede bei Gewichtsdecken. Herstellerabhängig sind in ihnen kleine Kügelchen zum Beispiel aus Glas oder Kunststoff eingearbeitet. Manche Decken kommen mit Bezug, andere nicht. Einige sind waschbar, aber nicht alle. Das spiegelt sich auch in den Preisen wieder.

Die Decken kosten oft mehr als 100 Euro. Die Krankenkassen zahlen sie in der Regel nicht. Wer überlegt, sich eine Gewichtsdecke dennoch anzuschaffen, dem rät Haptik-Professor Grunwald, bei Herstellern nach Testsets oder Rückgabe- und Umtauschmöglichkeiten zu fragen. Denn erst im Alltag zeigt sich, ob solch eine schwere Decke tatsächlich guttut – oder ob das schwere Bettzeug zur Last wird.