Wer raucht, darf das nicht im Büro tun. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Raucher schaden zwar ihrer Gesundheit, dafür haben sie mehr Pause. Denn während jeder einzelnen Zigarette sitzen sie weder am Computer noch an der Maschine oder betreuen Kunden. Ganz schön unfair, finden das meist die nicht-rauchenden Kollegen. Und genau aus diesem Grund hat ein Wirt in Rheinland-Pfalz den Nichtrauchern in seinem Unternehmen jetzt fünf Tage Sonderurlaub gewährt. Aber ist das rechtens? Und welche anderen Rechte und Pflichten haben qualmende Arbeitnehmer? Der KURIER klärt die wichtigsten Fragen und Antworten.

Ist Rauchen am Arbeitsplatz generell verboten?

„Der Arbeitgeber hat grundsätzlich das Recht, Rauchen am Arbeitsplatz zu verbieten“, erklärt Tobias Klingelhöfer, Rechtsexperte der Arag. Um ein Rauchverbot auszusprechen, kann der Arbeitgeber sich aber auch auf den gesetzlichen Nichtraucherschutz beziehen. Chefs sind laut  Arbeitsstättenverordnung verpflichtet, den gesundheitlichen Schutz ihrer Mitarbeiter zu gewährleisten. Das heißt auch, dass Nichtraucher nicht den Gefahren des Passivrauchens ausgesetzt sein dürfen – denn auch das schadet der Gesundheit. „Sofern in einem Betrieb das Rauchen untersagt ist, gilt dies auch in einem etwaigen Einzelbüro“, betont Klingelhöfer.

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Muss es eine Raucherecke geben?

Raucher haben auch keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Raucherecke. Hat der Arbeitgeber aber die Möglichkeit, sollte er sich im Sinne des Betriebsfriedens kulant zeigen und etwa einen Balkon oder die Terrasse zum Rauchen freigeben. Gibt es Raucherräume, müssen diese so beschaffen sein, dass Nichtraucher in anderen Räumen oder auf Fluren dem Tabakrauch nicht ausgesetzt sind. Rauch darf - wie das Bundesarbeitsgericht formuliert - nicht mehr zu riechen, zu sehen oder zu schmecken sein (Bundesarbeitsgericht 19.5.2009, 9 AZR 241/08).

Muss mir der Arbeitgeber Raucher-Pausen genehmigen?

Ein Recht auf eine Raucherpause gibt es nicht – die Raucherpause ist keine Arbeitszeit. Klingelhöfer warnt: „Wer trotz Abmahnung wiederholt eine Raucherpause nimmt, ohne vorher auszustempeln, riskiert die fristlose Kündigung.“ Viele Arbeitnehmer dulden allerdings aus Kulanz Raucherpausen während der Arbeitszeit. Innerhalb der geregelten Pausenzeiten kann der Arbeitnehmer natürlich vor der Tür eine Zigarette rauchen gehen.

Was passiert, wenn sich eine Arbeitnehmer nicht an die Regeln hält?

Ein Verstoß gegen bestehendes Rauchverbot kann zu einer Abmahnung führen. Es gibt sogar Extremfälle, weiß Klingelhöfer. „Bei wiederholtem Verstoß droht  eine verhaltensbedingte Kündigung oder auch eine fristlose Entlassung.“

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Wie sieht es mit E-Zigaretten aus – dürfen diese in Büroräumen genutzt werden?

„Derzeit existiert keine einheitliche Gesetzgebung zur Nutzung einer E-Zigarette am Arbeitsplatz“, sagt der Rechtsexperte. Paragraf 5 der Arbeitsstättenverordnung gibt dem Arbeitgeber auf, seine nicht rauchenden Beschäftigten vor Tabakrauch zu schützen. E-Zigaretten funktionieren aber mit Liquid, was kein Tabak im Rechtssinne ist. Das würde den Schutz der Nichtraucher infrage stellen. Aber: Prinzipiell kann ein Arbeitgeber natürlich auch den Gebrauch von E-Zigaretten im Betrieb verbieten.

Ein Arbeitgeber gewährt Nicht-Rauchern fünf Tage Sonderurlaub. Ist das rechtens?

„Ich halte einen derartigen Sonderurlaub für problematisch – insbesondere dann, wenn die Arbeitnehmer lediglich in den Pausen rauchen dürfen“, sagt Klingelhöfer. Der Wirt aus Rheinland-Pfalz, der dieses Modell eingeführt hat, hat aber durchaus positive Erfahrungen gemacht. Einige seiner rauchenden Mitarbeiter hätten sich sogar dazu entschlossen, mit dem Rauchen aufzuhören. Und die Nichtraucher meckern nicht mehr über die Raucherpausen der Raucher.