Ein Arzt impft eine Person gegen Grippe.  Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Angesichts der Corona-Pandemie halten verschiedene Mediziner eine Grippeimpfung bei Kindern für sinnvoll. Ein Argument dafür ist, dass die Kleinen maßgebliche Überträger der Grippeviren sind und das Gesundheitssystem entlastet wird, wenn sie geimpft sind.

Nach Einschätzung des Infektiologen Prof. Bernd Salzberger spricht einiges dafür: «So werden etwa die Großeltern geschützt.» Mit Blick auf die öffentliche Gesundheit sei das eine sinnvolle Strategie. «Zumal die Impfung in der Regel gut verträglich ist.»

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Dennoch sind viele Eltern in diesem Punkt zurückhaltend. Ein Grund sieht der Mediziner vom Universitätsklinikum Regensburg und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie darin, dass Kinder im Schulalter in der Regel nicht so stark unter einer Grippe beziehungsweise Influenza leiden.

Kinder als mögliche Überträger an Oma oder Opa

Zu bedenken sei allerdings, dass Grippeviren in Schulen und Kindergärten oft grassieren. Wenn das Kind sie dort aufschnappt, könnte es zum Beispiel Oma und Opa damit anstecken - die ein höheres Risiko haben, dass eine Grippe schwer verläuft.

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Außerdem kursiert ja noch das Coronavirus. «Es können auch Corona und Grippe gleichzeitig auftreten und das ist keine gute Situation. Die Grippeimpfung nimmt einen kleinen Teil des Risikos im Winter weg», sagt Salzberger.

Laut ständiger Impfkommission des Robert Koch-Instituts (Stiko) ist eine Impfung ab einem Alter von sechs Monaten möglich. Mit Blick auf die Krankheit an sich hält Salzberger die Impfung bei Kleinstkindern noch eher für angebracht als etwa bei Fünf- oder Sechsjährigen. «Die Kleinen haben einen Grippevirus noch nicht gesehen und können durch eine erste Infektion richtig krank werden», sagt er.

Der richtige Zeitpunkt für den Pieks

Doch wann ist es eigentlich Zeit für den Pieks? Allgemein lautet die Empfehlung, sich Ende Oktober, Anfang November impfen zu lassen. Hintergrund ist, dass die optimale Schutzwirkung rund zwei Wochen nach dem Stich beginnt und nach drei Monaten langsam abnimmt, wie der Experte erläutert. Meist rollt die Grippewelle Anfang des Jahres.

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Weil bei Kindern die Immunisierung in Folge der Impfung meist besser ist, könnte man sie bei ihnen auch eher durchführen, so Salzberger. Überstürzen brauchen Eltern aber nichts: Die ersten Chargen des Impfstoffs werden nach Einschätzung von Salzberger wohl in der zweiten Septemberhälfte in die Praxen kommen.

Impfempfehlung für bestimmte Gruppen

Die Stiko empfiehlt die Impfung für ältere Menschen über 60, für Patienten mit Grunderkrankungen und für medizinisches Personal in Krankenhäusern, Pflege- und Seniorenheimen und im Gesundheitswesen sowie für Schwangere.

Weil eine Influenz bei gesunden Kindern oder bei Erwachsenen unter 60 Jahren in der Regel ohne schwerwiegende Komplikationen abläuft, gibt es hier keine generelle Empfehlung. Das heißt aber nicht, dass die Stiko von einer Impfung anderer Personen abrät.