Nicht so richtig was zu tun für die Helfer im Impfzentrum Tegel. Foto: dpa-pool/dpa/Kay Nietfeld

In Politik und Wissenschaft ist eine Debatte über den britisch-schwedischen Impfstoff von Astrazeneca entbrannt. Menschen, die einen Anspruch auf eine Corona-Impfung haben, scheinen ihn zu meiden. In Berlin, wo medizinisches Personal sich im Impfzentrum des ehemaligen Flughafens Tegel immunisieren lassen kann, waren zuletzt laut rbb von 30.000 Dosen nur gut tausend verimpft. Im Saarland, so berichtete die dortige Gesundheitsministerin, erschienen über hundert der 200 angemeldeten Pflegekräfte und Ärzte nicht zum Impftermin.

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Denn nicht nur aus Deutschland gibt es Meldungen über grippeähnliche Nebenwirkungen und Krankschreibungen nach der ersten Injektion sowie Impfstopps in Kliniken. Der Hersteller erklärte, die Nebenwirkungen seien nach den klinischen Studien zu erwarten gewesen, ernsthafte Erkrankungen, die beispielsweise zu einer Krankenhauseinweisung geführt hätten, sind bislang nicht bekannt geworden. Nach spätestens zwei Tagen seien die Symptome, die auf das Wirksamwerden der Impfung hindeuten, abgeklungen.

In der Tat ist Astrazeneca nicht ganz so wirksam wie die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna, und in Deutschland wird der Stoff für über 65-Jährige nicht empfohlen, weil diese Altersgruppe in den klinischen Studien zu kurz kam.

Gesundheitsminister Jens Spahn (l.) und der Virologe Christian Drosten brechen für Astrazeneca eine Lanze.  Foto: dpa-Pool via AP/Michael Kappeler

Der Charité-Virologe Christian Drosten kann die Zurückhaltung nicht nachvollziehen. Astrazeneca wirke gut auch gegen Virus-Mutation B.1.1.7, die sich von Großbritannien aus über Europa verbreitet und die Angst wächst, sie könne eine dritte Infektionswelle auslösen, weil die Mutation inzwischen 22 Prozent aller Ansteckungen ausmacht - vor zwei Wochen waren es nur sechs Prozent.

Drosten:  „Wir müssen alles dransetzen, jetzt so schnell wie möglich in der Breite zu impfen.“ Die Impfstoffe seien extrem gut gegenüber dem, was man erwarten konnte. „Es gibt immer irgendwo ein Haar in der Suppe, und manche schauen da mit dem Vergrößerungsglas drauf.“

Da muss sich Frank Ulrich Montgomery angesprochen fühlen. Der Präsident des Weltärztebundes ist gegen eine Impfung medizinischen Personals mit Astrazeneca, die Probleme ließen sich nicht „wegdiskutieren“.

Der „Virchowbund“  niedergelassener Ärzte dagegen hat den Impfstoff „elementaren Baustein“ zum Weg aus der Pandemie bezeichnet. „Wer aus Gründen des Populismus und der Selbstdarstellung den Impfstoff von Astrazeneca schlechtredet, indem er die Wirksamkeit anzweifelt (...), macht sich mitschuldig daran, wenn der Lockdown länger dauert als nötig und gerade die älteren Menschen weiter an COVID-19 sterben“, erklärte der Vorsitzende des Verbandes, Dirk Heinrich.  

Jeder unter 65-Jährige, der nicht mit dem Astrazeneca-Impfstoff geimpft werde, nehme einem über 80-Jährigen aktuell das Vakzin von Biontech oder Moderna weg. „Weil diese dadurch ein höheres Sterberisiko haben, wird damit billigend in Kauf genommen, dass Über-80-Jährige nach Infektionen durch das Coronavirus vermehrt sterben.“

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vermeldete, er würde sich mit Astrazeneca impfen lassen, das sei ein sicherer und wirksamer Impfstoff. So sieht das auch Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz und fordert, dass es keine Wahlmöglichkeit   geben dürfe, solange Impfstoffe insgesamt knapp sind. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sagte, beim Impfen handele es sich nicht um ein „Wunschkonzert“.