Eine Arzthelferin impft eine junge Patientin mit einer Spritze. dpa/Ole Spata

Eine neue Studie legt nahe, dass sogenannte Booster-Impfungen gegen das Coronavirus wohl doch für breite Teile der Bevölkerung nötig sein werden. Der Berliner Virologe Christian Drosten hatte dies in einer Einschätzung verneint und Auffrischungsimpfungen nur für Ältere und immungeschwächte Patienten empfohlen. Die britische Studie kommt zu einer anderen Schlussfolgerung.

Der Impfschutz der Corona-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Astrazeneca nimmt demnach innerhalb von weniger als sechs Monaten ab. Die Autoren der am Mittwoch vorgestellten „Zoe Covid“-Studie halten für einen anhaltenden Schutz daher Auffrischungsimpfungen für nötig. Wer seine vollständige Impfung also bereits im Frühjahr erhalten hat, wäre im Winter nicht mehr ausreichend geschützt. Der vergangene Winter war bezüglich Todeszahlen und Krankenhauseinweisungen der Höhepunkt der bisherigen Pandemie. Infolgedessen stand das öffentliche Leben weitestgehend still. Um ohne Lockdown durch den kommenden Winter zu kommen, wären Auffrischungsimpfungen also der Studie zufolge nötig.

Astrazeneca schützt nach vier bis fünf Monaten nur noch zu 67 Prozent vor Corona-Infektion

Demnach schützt der Impfstoff einen Monat nach der zweiten Biontech/Pfizer-Dosis noch zu 88 Prozent vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Dieser Schutz sinke allerdings nach fünf bis sechs Monaten auf 74 Prozent. Der Schutz des Astrazeneca-Impfstoffes sinke von 77 Prozent einen Monat nach der zweiten Dosis auf 67 Prozent nach vier bis fünf Monaten.

Die Studie hatte über die britische Handy-App Zoe Daten von über einer Million Nutzern gesammelt, die dort Details zu ihren Impfungen und Testergebnissen eingegeben hatten. Die Daten wurden dann unter anderem von Forschern des King’s College London ausgewertet.

Wer zuerst geimpft wurde, ist im Winter nicht einmal mehr zu 50 Prozent vor Corona sicher

Der für die Zoe-App zuständige Epidemiologe Tim Spector vom King’s College befürchtet, dass der Impfschutz bei älteren Menschen und Beschäftigten im Gesundheitswesen, die in Großbritannien zuerst geimpft wurden, bis zum Winter unter 50 Prozent sinken könnte. Dies könne im schlimmsten Fall zu einer wieder steigenden Zahl von Krankenhauseinweisungen und Todesfällen führen. „Wir müssen dringend Pläne für Auffrischungsimpfungen machen“, forderte Spector.

Mehrere Länder haben bereits mit Auffrischungsimpfungen für zweifach Geimpfte begonnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderte dagegen einen vorübergehenden Stopp für dritte Impfdosen, um erst einmal in Ländern zu impfen, in denen große Teile der Bevölkerung noch gar keine Impfung erhalten haben.