Eltern kleiner Kinder müssen da fast jeden Herbst und Winter durch: Der Nachwuchs hustet und schnieft. Foto: Imago

Eltern kleiner Kinder müssen da fast jeden Herbst und Winter durch: Der Nachwuchs hustet und schnieft, kann aber meist trotzdem weiter in die Kita. Nur wenn es zu schlimm wird, muss zu Hause auskuriert werden. Jetzt, wo nach monatelangem Notbetrieb in den Kitas auf Regelbetrieb umgeschaltet wird und irgendwann auch die Erkältungszeit wieder losgeht, fragen sich Eltern und Erzieher: Wie soll das mit der Schnupfnase eigentlich in Corona-Zeiten gehen?

In Bayern gilt beispielsweise noch bis Ende August (dann sollen die strengen Regeln gelockert werden), dass Kinder schon bei kleinsten Erkältungssymptomen wie einer laufenden Nase von der Betreuung ausgeschlossen sind – außer sie können einen negativen Corona-Test vorweisen. In Berlin heißt es dagegen, „von den akuten Atemwegsinfektionen sind die einfachen Erkältungskrankheiten verbunden mit einem Schnupfen oder Husten ohne Fieber zu unterscheiden. In diesen Fällen gibt es keinen unmittelbaren Anlass, das Kind nicht aufzunehmen oder die Betreuung nicht fortzuführen“.

Die Politik müsse „klare, praktikable und verhältnismäßige Handreichungen entwickeln, wie aufgrund welcher Symptomatik gehandelt werden muss“, sagt die Bundesvorsitzende des Deutschen Kitaverbands, Waltraud Weegmann. Der Verband vertritt die freien Kita-Träger in Deutschland. In diesen Handreichungen müssen ihrer Ansicht nach beispielsweise auch Kriterien festgelegt werden, wann ein Kind nach einer Erkrankung wieder in die Kita kommen darf und welche Nachweispflichten es dann geben soll. 

Politik muss Lösungen finden

Einig sei man sich jedenfalls mit den meisten Ärzten und Virologen darin, dass der Ausschluss eines Kindes vom Kita-Besuch mit gewöhnlichem Kinderschnupfen – ohne zusätzliche Symptome – unverhältnismäßig sei, sagt Weegmann. Aus Sicht der Ärzte gibt es auch noch ein anderes Problem: Wenn aus Verunsicherung bei jedem Schnupfen eine Untersuchung oder ein Corona-Test verlangt wird, drohen im Herbst übervolle Kinderarztpraxen. Dabei sei es in dieser Jahreszeit ganz normal, dass Kinder Erkältungen hätten, sagt der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, Johannes Hübner. 

Zur Entspannung der Situation schlägt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte vor, für Eltern eine „großzügige Karenztagsregelung“ zu schaffen. Heißt: Wenn das Kind erkältet ist, sollen Eltern mit ihm auch ohne Krankschreibung für ein paar Tage zu Hause bleiben dürfen. „Hier muss die Politik praktikable Lösungen finden“, fordert Verbandspräsident Thomas Fischbach. Etwas ähnliches kann sich auch Udo Beckmann vom Verband Bildung und Erziehung vorstellen: Er plädiert dafür, dass in der Pandemiesituation Druck von Eltern und Erziehern genommen und die Zahl der Arbeitstage, die für die Betreuung eines erkrankten Kindes in Anspruch genommen werden dürfen, heraufgesetzt wird. Bisher liegt sie bei zehn Tagen.