Pollenallergiker haben es in diesem Jahr besonders schwer: Die Trockenheit sorgt für mehr Pollen in der Luft. Imago/Peters

Pollenallergiker konnten heute morgen erst mal durchatmen. Bedeckter Himmel, Regenschauer. Denn: Wenn es im Frühjahr regnet, reinigt dies auch die Luft von Pollen, Allergiker können dann bedenkenlos lüften. Ein regenreiches oder eher durchwachsenes Wetter im Frühjahr kann also die Beschwerden abmildern. Doch leider, jedenfalls für Allergiker, macht die Trockenheit nur eine kurze Pause.  Wie es mit dem (Pollen-)Wetter weitergeht und welche Pollen nun Allergiker am meisten quälen, lesen Sie hier.

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Die Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes macht Pollenallergikern jedenfalls keinen Spaß. Denn auf Regen folgt in Berlin und Brandenburg wieder Sonnenschein. Der schauerartige und gewittrige Regen lässt am Nachmittag nach, die Wolkendecke lockert von Nordosten her auf. Für den Mittwoch wird wieder viel Sonnenschein vorhergesagt, es bleibt trocken. Die Temperaturen steigen am Dienstag auf 20 bis 23 und am Mittwoch auf 24 bis 27 Grad. Am Donnerstag steuern dann die Temperaturen sogar Richtung 30 Grad. Sonne satt, kein Regen, nicht gut für Allergiker.

16 Prozent der Deutschen leiden an einer Pollenallergie

Verstopfte Nase, tränende Augen, Niesen – die Symptome von Heuschnupfen. 16 Prozent der Deutschen leiden unter einer Pollenallergie und die Zahl der Betroffenen, besonders bei Kindern, nimmt weltweit zu. Für manche Pollenallergiker bringt der Frühling in diesem Jahr mehr Beschwerden mit als üblich. „Wenn der Regen ausbleibt, haben wir eine sehr pollenreiche Luft“, sagt der Landschaftsökologe Matthias Werchan von der in Berlin ansässigen Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst. „Auch zu Boden gefallene Pollen können bei Trockenheit wieder aufgewirbelt werden. Für Allergiker bedeutet das, dass Entlastungstage mit geringerer Pollenkonzentration fehlen.“

Momentan machen gelbe Schleier, die man derzeit auf Autos oder Gartenmöbeln kaum übersehen kann, Pollenallergikern Angst. Denn auch das sind Pollen. Doch hier gibt der Experte Entwarnung: „Die sichtbaren gelben Pollen stammen in der Regel von Fichte und Kiefer“, erklärt Matthias Werchan. Durch ihre Größe könnten sie manchmal die Augen oder die Atemwege reizen. Das sei aber eher ein Fremdkörpergefühl und keine Allergie.

Wolken von Pollen wehen durch ein Waldstück. dpa/Weigel

Pollen von Fichte, Kiefer und Tanne sind von einer dicken Wachschicht umhüllt und platzen deshalb bei Berührung mit den Schleimhäuten nicht auf. „Etwaige Allergene kommen so gar nicht in Kontakt mit den Schleimhäuten und Allergiesymptome bleiben aus“, beruhigt Werchan. Die Kieferblüte beginnt aktuell im Osten des Landes, wo die Kiefernpollen in den nächsten Tagen vermutlich selbst der Eiche den Spitzenplatz im Pollenranking streitig machen dürften.

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Gefährlich für Allergiker: Eiche und Buche haben in diesem Jahr ein Mastjahr mit besonders vielen Blüten

In diesem Frühjahr liegt das Problem laut Werchan aber nicht nur in der Trockenheit: Manche Baumarten hätten ein Mastjahr, in dem sie besonders viele Früchte trügen. Vorher gebe es einen überdurchschnittlich ausgeprägten Pollenflug. „Eiche und Buche haben in vielen Regionen eine starke Saison“, sagte Werchan. Viele Menschen, die auf Birkenpollen allergisch sind, reagierten im Rahmen einer Kreuzallergie auch darauf.

Gute Nachricht für Allergiker: Die Pollenflugsaison von Eiche, Buche und Birke klingt so langsam aus.

Schlechte Nachricht für Allergiker: Aktuell geht der Flug der Gräserpollen hierzulande los. „Die Werte gehen jetzt lokal in eine mäßige, teils auch schon hohe Belastung“, sagt der Experte vom Berliner Polleninformationsdienst. Zuerst betroffen sind, wie so oft, die tiefer gelegenen, grünlandreichen Flusstäler von Rhein, Main, Donau und deren Umgebung. Hier kann es im Umfeld ungemähter Wiesen und auch darüber hinaus in den kommenden Tagen schon „hoch hergehen“, sprich es deuten sich erstmals in diesem Jahr hohe Gräserpollenbelastungen an!

Die Flugsaison der Gräserpollen dauert bis in den Oktober hinein

Nordöstlich der Elbe halten sich Gräserpollen eher bedeckt und belasten die Betroffenen nur schwach mit lokalen Ausnahmen in der Umgebung naturbelassender Wiesen und Weiden mit einem hohen Anteil früh blühender Gräser, erklärt der Experte. Zwischen und neben den Gräsern gedeihen die unterschiedlichsten Kräuterarten. Zu den wenigen Windbestäubern unter den Kräutern gehören Ampfer und Wegerich, deren lange Saison allmählich beginnt.

Die Flugsaison der Gräserpollen dauert bis in den Oktober hinein, bis Mitte Juli ist die Konzentration besonders hoch. Mitte Juni beginnt dann die Beifuß-Saison (Höhepunkt: Anfang und Mitte August), Mitte Juli folgt Ambrosia.

Diese Idylle verlockt zu einem Spaziergang. Aber nicht für Allergiker. Denn hier treffen zwei Arten von Pollen aufeinander: Raps- und Gräserpollen. Imago/Nowack

Blühende gelbe Rapsfelder sieht man im Moment überall, auch in Brandenburg. Trotz unzähliger Pflanzen auf großen Feldern bleibt das Pollenaufkommen in der Luft, wie jedes Jahr, vergleichsweise dürftig, erklärt Matthias Werchan. Es sind zwar Pollen messbar, selten wird jedoch mehr als ein schwaches bis maximal mittleres Konzentrationsniveau erreicht. Aber: Allergiker, die auf Pollen der Kreuzblütler reagieren, sollten den Aufenthalt an und in Rapsfeldern meiden. 

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Bei Heuschnupfenpatienten setzt der Körper als Abwehrreaktion auf Pollen den Botenstoff Histamin frei. Betroffene können akute Beschwerden etwa mit Nasenspray, Augentropfen und Tabletten lindern. Manchmal wird ihnen auch geraten, in der Allergie-Hochphase zu verreisen. An der Ursache setzt eine Immuntherapie etwa mit Spritzen oder Tabletten (Hyposensibilisierung) an – damit sollten Patienten in der Regel aber einige Monate vor der Pollensaison beginnen.