Spanierinnen könnten bei Unterleibsschmerzen künftig arbeitsfrei bekommen. dpa/ Christin Klose

Der 28. Mai fällt auf einen Samstag, der zudem nach einem Brückentag liegt. Dennoch müssen viele Arbeitnehmer arbeiten: In der Gastronomie, bei der Post, in Geschäften, bei der Polizei, Feuerwehr oder in Callcentern. Während die meisten Beschäftigten frei haben, arbeiten auch viele Frauen in Berufen, die vollen Einsatz erfordern. Doch mindestens einmal im Monat kommt Menschen mit Gebärmuttern, meist Frauen, bis zu einem bestimmten Alter die Regel. Über das Thema wird selten öffentlich geredet.

„Menstruationsurlaub“: ein Missverständnis und ein Grund, am Tabu zu rütteln

Doch jetzt kommt Bewegung in die Debatte, angestoßen durch eine neue Regelung in Spanien. Frauen (sowie auch Personen mit Gebärmutter, die sich als trans oder nichtbinär verstehen) können bei Regelschmerz eine Auszeit mit Lohnfortzahlung in Anspruch nehmen. In Deutschland wurde dies salopp als „Menstruationsurlaub“ bezeichnet. Das ist missverständlich, denn um Urlaub geht es nicht, sondern um ein Thema, das auch in Deutschland offen diskutiert werden sollte. Eine Expertin erklärt, wie Beschäftigte ihren Arbeitsplatz menstruationsfreundlicher und damit insgesamt positiver machen können.

Krämpfe, Schmerzen, Kreislaufprobleme: Starke Beschwerden gehören bei vielen Frauen dazu, wenn sie ihre Periode haben. Nichtsdestotrotz kämpfen sie sich nicht selten durch lange Arbeitstage. Für die Betroffenen ist es ein Tabu, sich möglicherweise im Falle starker Schmerzen krankschreiben zu lassen.

Doch es geht auch anders: Die spanische Regierung hat vor Kurzem ein Gesetz auf den Weg gebracht, das es Frauen ermöglichen soll, sich mit Menstruationsbeschwerden bei Lohnfortzahlung krankschreiben zu lassen. Das hat das Thema Menstruation am Arbeitsplatz in vielen Ländern auf die Agenda gebracht - auch in Deutschland.

Arbeitsunfähigkeit wegen Regel-Schmerzen ist kein „Urlaub“

Annina Hering, promovierte Sozialwissenschaftlerin und Arbeitsmarktexpertin der Jobseite Indeed ordnet ein: In der deutschen Debatte im Zusammenhang mit der spanischen Regelung werde vielfach der Begriff „Urlaub“ verwendet. Laut Hering eine Fehlinterpretation.

Es gehe in dem Gesetz ausdrücklich nicht um Urlaub, sondern um Sichtbarkeit und Anerkennung eines vorhandenen, aber immer noch im Arbeitsumfeld tabuisierten medizinischen Problems, so Hering.

Momentum nutzen: offen über Menstruation reden

Anstatt also über einen „Menstruationsurlaub“ in Deutschland zu diskutieren, rät Hering, das Momentum zu nutzen und im Zuge der Debatten Gespräche über Menstruation und Menstruationsbeschwerden am Arbeitsplatz anzustoßen.

Ein offener Umgang mit dem Thema trage dazu bei, Menstruationsbeschwerden als Begründung zu etablieren, nicht zur Arbeit zu kommen oder am Tag anders zu arbeiten. So können sich nach und nach Unternehmenskulturen verändern.

Arbeitsunfähig - ohne schlechtes Gewissen

Hering rät Frauen zudem, kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn Menstruationsbeschwerden tatsächlich zu einer vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit führen. Wichtig sei, mit akuten Menstruationsbeschwerden nicht vor einer Krankmeldung zurückzuschrecken. „Im Gegensatz zum Status Quo in Spanien“ erhalten Frauen bei einer Krankschreibung in Deutschland ohnehin eine Lohnfortzahlung.