Wer dauerhaft müde ist, sollte dem nachgehen und einen Arzt aufsuchen.
Wer dauerhaft müde ist, sollte dem nachgehen und einen Arzt aufsuchen. dpa/Christin Klose

Die sprichwörtliche Frühjahrsmüdigkeit befällt viele Menschen nach den kalten, trüben Wintermonaten. Mediziner haben das Phänomen gründlich erforscht und stellen klar: Es handelt sich bei der Frühjahrsmüdigkeit nicht um eine Krankheit, sondern um einen jahreszeitlich auftretenden Umstellungsprozess des Körpers.

Die Betroffenen klagen meist zwischen Mitte März und Mitte April über Schlappheit, Antriebslosigkeit, Wetterfühligkeit, Schwindelgefühl und Gereiztheit. In aller Regel verschwinden die Symptome von selbst.

Schafmangel für Großstädter ein erheblicher Faktor für Dauermüdigkeit

Wer sich nun im Mai weiterhin schlapp und antriebslos fühlt, das Gähnen tagsüber kaum unterdrücken kann, sollte tiefer in sich hineinhören: Die Müdigkeit kann ein Symptom von Erkrankungen sein und sollte in dem Fall sehr ernst genommen werden. Darauf weist der Chefarzt der Oberberg Fachklinik Weserbergland hin.

Vor allem in der Großstadt ist Schlafmangel ein erheblicher Faktor: Abends ausgehen und morgens früh aus den Federn, das Fußballspiel oder die Fernsehshow am späten Abend – dazu kommen vielleicht Störgeräusche von draußen, Verkehrs- oder Fluglärm. Viele Menschen schlafen nicht genug oder zu unruhig. Mitunter kann einen auch der eigene Lebenspartner um den Schlaf bringen: Unruhe, Schnarchen oder Schlafstörungen belasten nicht nur die eigene Gesundheit.

Schnarchen und Schlafprobleme: Auch Stress und Mangelernährung können hinter der Müdigkeit stecken

Wer schnarcht oder wessen Atemwege blockiert sind, dessen Schlaf ist häufig nicht erholsam. In diesem Falle ist eine Abklärung der Symptome beim Hals-Nasen-Ohrenarztes ratsam. Gegebenenfalls kann dem Problem in einem Schlaflabor auf den Grund gegangen werden.

Die wesentliche Frage ist die: Lässt sich die Situation durch eine Veränderung der Umstände wie mehr Schlaf oder gesündere Ernährung verbessern? Zu kurze Schlafzeiten, Stress, aber auch der Mangel zum Beispiel an Flüssigkeit, Vitaminen oder Eisen können durchaus schuld sein an ständigem Müdesein.

Krebs, Depressionen, Angststörungen: Hinter der Dauermüdigkeit kann eine schwere Krankheit stecken

Hält die Müdigkeit an und kommen eventuell noch Fieber oder nächtliches Schwitzen dazu, sollten Betroffene zum Arzt gehen. Krankhafte Ursachen der Müdigkeit können etwa Infektionen, Blutarmut, Stoffwechsel-, Herz- oder Tumorerkrankungen sein.

Sind bereits Erkrankungen bekannt, etwa Diabetes oder Bluthochdruck, kann anhaltende Müdigkeit auch darauf hindeuten, dass die medikamentöse Einstellung nicht optimal ist. Und auch psychische Erkrankungen wie eine Depression oder Angststörungen können Müdigkeit verursachen.

Long Covid: Auch leichte Corona-Infektionen können schwere Nachwirkungen haben

Dazu kommt ein Faktor, der im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie eine immer größere Bedeutung bekommt: Das Phänomen Long Covid ist noch nicht vollständig erforscht, immer neue Mosaiksteine fügen sich jedoch zu einem Bild zusammen. Neuesten Erkenntnissen zufolge können auch leichte, asymptomatische und sogar nicht erkannte Corona-Erkrankungen zu Long Covid mit langanhaltenden Beschwerden sein. Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Konzentrationsmangel: Ob dies die Folgen einer möglicherweise verschleppten Corona-Infektion sind, oder ob etwas anderes dahintersteckt, sollte man zusammen zunächst mit der Hausärztin oder dem Hausarzt beraten.