Zu lange daheim? Vielen Berlinern fällt nach tagelanger Isolation die Decke auf den Kopf. Foto: imago images

Seit drei Wochen verbringen die Menschen in Berlin ihre Zeit fast ausschließlich in den eigenen vier Wänden – und so wird es noch eine Weile bleiben. Egal, wie viele Bücher, Filme oder Spiele jeder hat: Irgendwann kommt er, der böse Lagerkoller. Janin Kronhardt arbeitet als Psychologin am Sana-Klinikum. Sie erklärt, was die Isolation mit uns macht – und gibt Tipps, wie wir den Koller am besten umschiffen.

Restaurants sind geschlossen, Theater dicht, Clubs zu, Partys verboten – stattdessen steht für viele Berliner ein unfreiwilliger Urlaub in Sofahausen auf dem Programm. In den immer gleichen vier Wänden, im besten Fall noch mit den immer gleichen Menschen – beste Voraussetzungen für das, was man den „Lagerkoller“ nennt.

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Janin Kronhardt arbeitet als Psychologin am Lichtenberger Sana-Klinikum. Und kennt die Gründe für den Koller. „Wir sind nicht in der Lage, unsere individuellen Wünsche umzusetzen – das ist ein Krisenherd“, sagt sie dem KURIER. „Wir sind daran gewöhnt, dass wir unsere Wünsche jederzeit erfüllen können. Wenn das nicht mehr geht, entsteht Stress.“ Hinzu kommt: Die Bewegungsmöglichkeiten sind eingeschränkt, die Chance, das Stresslevel zu senken, gering. „Und aus Streitsituationen, die in Beziehungen entstehen, können wir nicht raus.“

Janin Kronhardt, Psychologin am Sana-Klinikum Lichtenberg. Bilder: Sana/Kai Abresch

Kronhardt rät vor allem zu Besonnenheit. „Jeder muss sich in Toleranz und Respekt üben“, sagt sie. „Und wichtig ist auch, dass wir füreinander da sind.

Viele ältere Menschen leben beispielsweise allein, bei ihnen wird die Isolation durch die derzeitige Lage verstärkt. Man muss ihnen das Gefühl geben, dass sie nicht allein sind!“ Für die KURIER-Leser hat die Psychologin Tipps – so überstehen Sie die Corona-Zeit!

Gesunder Medien-Konsum

Viele Menschen geraten in einen Zustand der Angst, weil sie permanent Corona-News suchen. „Gerade jetzt brauchen wir alle einen bedachten Medienkonsum“, sagt Kronhardt. Heißt: Handy abschalten, Nachrichtenpause einlegen. „Und man sollte sich, wenn man schon Nachrichten konsumiert, auf zuverlässige Quellen stützen und sich auf keinen Fall an der Verbreitung von Fake News beteiligen!“

Soziale Kontakte erhalten

Mit Freunden treffen kann man sich derzeit nicht – das heißt aber nicht, dass der Kontakt abbrechen muss. Der Tipp der Psychologin: „Es hilft, wenn man sich gezielt auf Skype zu einem Glas Wein oder einer Tasse Kaffee verabredet!“ So eine Krise könne eine Chance sein, Verbindungen zu pflegen, für die man sonst kaum Zeit hat. „Erst kürzlich habe ich in großer Runde mit mehreren Leuten geskypt, jeder mit Getränk, Zuversicht und Humor.“

Lachen hilft

„Am wenigsten Sorgen macht man sich um Menschen, die Humor haben, denn sie gelten als optimistisch und zuversichtlich“, sagt Kronhardt. Das kann sich jeder zueigen machen. Tipp: „Comedy-Serien und Komödie schauen. Lachen tut einfach gut!“

In Bewegung bleiben

„Es gibt digitale Fitnessprogramme oder Videos mit Yoga-Übungen, die man in diesen Tagen prima nutzen kann“, sagt Kronhardt. Sport muss man nicht draußen machen. „Es reicht auch ein geöffnetes Fenster oder der Balkon. Hauptsache etwas frische Luft!“ Aber auch ein Spaziergang allein, mit Musik oder einem lieben Menschen sei Balsam für die Seele.

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Tun, was Freude macht

„Investieren Sie in sinnstiftende Tätigkeiten wie den Frühjahrsputz oder widmen Sie sich Ihrer Steuererklärung“, rät Kronhardt. So bleibt das Gefühl, etwas Sinnvolles erledigt zu haben. Und: „Schaffen Sie sich einen Mehrwert und tun Sie sich Gutes: Literatur, Musik, Tanzen, Kunst. Alles ist digital verfügbar.“

Gelassen bleiben

Die wichtigste Regel: Gelassenheit und Zuversicht bewahren. „Jeder muss sich klar machen, dass sich an der aktuellen Situation sowieso nichts ändern lässt. Es so zu akzeptieren schont Zeit und Energie, die wir dann wieder in unsere innere Balance investieren können“, sagt sie.