Tina Müller, die Initiatorin der Rosi-Chemo-Ambulanz, mit dem Direktor der gynäkologischen Klinik im Virchow, Professor Jalid Sehouli.
Tina Müller, die Initiatorin der Rosi-Chemo-Ambulanz, mit dem Direktor der gynäkologischen Klinik im Virchow, Professor Jalid Sehouli. Sabine Gudath

Chemo-Therapie an sich ist nicht schön. Noch weniger schön ist es, wenn ein Krebskranker sich ihr in einem unwohnlichen, kahlen Therapieraum unterziehen muss. Frauen, die zu dieser Behandlung in das Charité-Klinikum Virchow (Wedding) begeben, finden jetzt aber ein angenehmeres Ambiente vor. Mit bequemen Möbeln, warm wirkenden Holzverkleidungen und Lichtquellen – und Duft. Die neue „Rosi“-Chemo-Ambulanz wurde am Donnerstag eröffnet und ist dem Einsatz einer Berlinerin zu verdanken, deren Mutter Roswitha unter der Kargheit der Räume, in denen sie behandelt worden war, sehr gelitten hatte.

Krebspatientinnen sind bis zu 20 Stunden in der Chemo-Ambulanz

Wer wegen Eierstock- oder Gebärmutterhalskrebs zur Chemotherapie muss, verbringt bis zu 20 Stunden pro Woche in Klinikräumen. Tina Müller, Initiatorin der neuen Einrichtung, kennt solche Räume aus eigener Erfahrung. „Als meine Mutter Roswitha erkrankte, habe ich selbst miterlebt, wie die sterilen Therapieräume zu ihrem zweiten Zuhause wurden“, sagte sie. „Leider war das auch ihre letzte Zeit.“ Die Mutter mit dem Kosenamen Rosi lebt jetzt im Namen der Einrichtung weiter.

Warmes Rot, viel Holz und bequeme Infusions-Stühle: Die Rosi-Chemo-Ambulanz strahlt  keine Krankenhaus-Atmosphäre aus.
Sabine Gudath
Warmes Rot, viel Holz und bequeme Infusions-Stühle: Die Rosi-Chemo-Ambulanz strahlt keine Krankenhaus-Atmosphäre aus.

Tina Müller, die in Berlin eine Kommunikationsagentur führt, hatte in Kooperation mit der Charité öffentlich mit einer Kampagne um Spenden für ihr Projekt geworben. Unterstützt wurde das Vorhaben unter anderem von Jurassica Parka, Herbert Grönemeyer, Roberto Blanco und Moritz Rinke, den Hertha-Kickern und den Füchse-Handballern.

Jetzt hat Tina Müller Grund zu Stolz: „Die Ambulanz hat jetzt eine Fläche, die dreimal so groß ist wie in der alten Einrichtung.“ Rund 2500 Behandlungen können hier im Jahr durchführt werden, sagt die Klinik-Managerin Jessica Olschewski - auf neun Plätzen im Haupt- und zwei in einem Nebenraum.

Die Geschichte der Heiligabend 2009 verstorbenen Mutter der Initiatorin war der Anstoß für „Rosi“

Die Designerin sagte dem KURIER, dass ihre Mutter bei den Behandlungen vor ihrem Tod Heiligabend 2009 unter tristen, sterilen Therapieräumen gelitten habe. Und sich gleichzeitig über ein Aquarium in der Würzburger Ambulanz freute. Deshalb steht jetzt auch in der Rosi-Ambulanz ein Aquarium.

Ein großes Aquarium sorgt mit für eine beruhigende Atmosphäre in der Chemo-Ambulanz.
Ein großes Aquarium sorgt mit für eine beruhigende Atmosphäre in der Chemo-Ambulanz. Sabine Gudath

Alle paar Sekunden stoßen Duftspender speziell von der Firma InScent entwickelte  und mit den Jahreszeiten wechselnde Raumparfums aus, um den unumgänglichen Krankenhausgeruch zu verdrängen. Jessica Olschewski: „Unter den Düften ist auch der Rosi-Duft nach Rose und Minze.“ 

Die Patientinnen sollen sich laut Müller „in dieser schwierigen Phase wieder als vollwertige Menschen fühlen und ihre Zeit lebenswert gestalten können“. Daher gehört zu den umgestalteten Räumen auch ein inhaltliches Konzept: Kosmetik- und Ernährungsberatungen, Coachings für den Wiedereinstieg in den Beruf, Yogakurse, Gastvorträge und Lesungen sind geplant.

Tina Müller berichtet, dass das Projekt noch einen ganz anderen Erfolg gezeitigt habe: Über tausend Frauen haben sich darüber vernetzt, zur gegenseitigen Unterstützung, Trost und Freundschaft.

Zeit in der Chemo-Ambulanz soll auch zum Lernen und zur Unterhaltung genutzt werden

„Häufig sind monatelange, teilweise jahrelange Therapien notwendig“, erklärte Jalid Sehouli, Direktor der Klinik für Gynäkologie an der Charité. „Die Infusionen dauern drei bis sechs Stunden oder länger. Wir wollen diese Zeit für unsere Patientinnen sinnvoll nutzbar machen.“

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Wichtig sei auch die technische Ausstattung der Infusions-Sitzplätze, damit Patientinnen sich über einen Bildschirm mit Kinofilmen  oder eine Online-Bibliothek ablenken, darüber Online-Sprachkurse nutzen oder im Sitzen Yoga-Übungen nachmachen können.

Die Umgestaltung hat rund 600.000 Euro gekostet, finanziert durch Spenden und die Unterstützung der Charité. Weil das Projekt noch weiter ausgebaut werden soll, sind weitere Spenden willkommen.