Corona-Impfung: Für wen ist ein zweiter Booster sinnvoll – und wann? imago/Cavan Images

Die Impfstoffentwickler Moderna und Pfizer haben in dieser Woche bei den US-Behörden die Zulassung für eine vierte Impfung gegen das Coronavirus beantragt.

Dabei bezieht sich Pharma-Riese Pfizer zunächst nur auf „alle Erwachsenen, die 65 Jahre oder älter sind“. Zuvor hatte Firmenchef Albert Bourla angekündigt, dass sich Amerikaner darauf vorbereiten sollten, jährlich eine Corona-Impfung zu erhalten – so „wie bei einer Grippe-Auffrischungsimpfung“.

Am Donnerstag verbreitete dann Moderna, ebenfalls einen Antrag auf Zulassung einer vierten Covid-19-Impfung eingereicht zu haben. Den Firmenangeben zufolge geht der Antrag aber weiter als der Pfizers. Nach einer Zulassung wäre für alle Erwachsenen eine vierte Impfung grundsätzlich möglich. Faktoren wie Alter und Vorerkrankungen könnten aber die Reihenfolge beeinflussen.

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Allgemeinmediziner: Nur Ältere und Vorerkrankte impfen!

Rund 60 Prozent der Deutschen haben bis heute eine Booster-Impfung bekommen. Bei vielen ist das bereits mehr als drei Monate her. Sie fragen sich: Sollte auf den dritten schon bald ein vierter Piks folgen? Und wenn ja: Gilt das für alle – oder nur für bestimmte Gruppen? Das sagen Experten:

RTL fragte den Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht. Für ihn ist eine zweite Auffrischungsimpfung erst im Herbst sinnvoll. Und selbst das gelte laut Specht primär „für ältere Menschen, deren Immunsystem schwächer ist, und solche, die ein geschwächtes Immunsystem aufgrund von schweren Krankheiten haben“.

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Im Herbst würden die Infektionen „wieder richtig anrollen“, sagt der Mediziner im RTL-Interview. Dann seien auch wieder mehr schwerere Verläufe zu befürchten. „Jetzt in den Sommer reinzuboostern, das wird man zwar auch machen – aber ich weiß nicht, ob es so sinnvoll ist“, so Dr. Specht.

Corona: 60 Prozent der Deutschen sind drei Mal geimpft. dpa/Christian Charisius

Epidemiologe: Alle sofort impfen!

Eine zweite Auffrischungsimpfung für Ältere hält auch der Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs für sinnvoll. Er geht aber weiter. Im RTL-Interview sagte der Experte, dass man mit Blick auf die aktuellen Corona-Zahlen auch eine baldige Impfung großer Teile der Bevölkerung anstreben solle: „In dieser Situation muss man alle Instrumente einsetzen, die wir haben – auch den Immunschutz auf Vordermann zu bringen mit einer vierten Impfung, für alle Altersgruppen“, so Ulrichs.

Die Impfzentren seien derzeit nicht ausgelastet, es spreche deshalb nichts dagegen, auch Jüngere jetzt schon zu impfen. „Es würde in jedem Fall helfen, die aktuelle Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen“, sagte Ulrichs bei RTL.

Das ist die offizielle Empfehlung der Stiko

Und was ist die offizielle Empfehlung? Die Ständige Impfkommission (Stiko) hält eine zweite Booster-Impfung aktuell nur bei vulnerablen Gruppen für sinnvoll. Dazu zählen alle Menschen ab 70 Jahren, Patienten und Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen und medizinisches Personal. Außerdem sollen Kinder ab fünf Jahren, die an einer Immunschwächekrankheit leiden, die Auffrischungsimpfung bekommen.

Die Stiko-Empfehlung wörtlich: „Die 2. Booster-Impfung soll bei gesundheitlich gefährdeten Personengruppen frühestens 3 Monate nach der 1. Booster-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff erfolgen. Bei Personal in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen frühestens nach 6 Monaten.“