Für die meisten Menschen Alltag: Stundenlang das Handy in einer Hand halten und das Display mit dem Daumen bedienen. Doch das kann gefährlich sein.
Für die meisten Menschen Alltag: Stundenlang das Handy in einer Hand halten und das Display mit dem Daumen bedienen. Doch das kann gefährlich sein. IMAGO/Westend61

Wie viel Zeit haben Sie heute eigentlich schon am Handy verbracht? Haben Sie es vielleicht gerade in der Hand, um diesen Artikel zu lesen? Und wie halten Sie es? Wir verraten, wie lange wir pro Tag durchschnittlich am Smartphone hängen – Spoiler: Es ist erschreckend! Und was wir dabei auf jeden Fall beachten sollten, damit das Gedaddel nicht gefährlich wird.

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Online-Shopping, Navi­gation via Google Maps, Über­weisungen tätigen, auf sozialen Netz­werken surfen oder mit Freunden chatten – eigentlich sind wir gefühlt immer online. Fangen wir also mal mit den erschreckenden Fakten an. Laut der repräsentativen Digital-Studie der Postbank 2022 surfen die Deutschen rund 65 Stunden in der Woche durchs Netz. Das sind mehr als neun Stunden pro Tag. Ein echter Vollzeit-Job!

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Vor allem die jüngere Gene­ration verbringt beinah jede Minute online. Die unter 40-Jährigen kommen sogar auf 86 Stunden – und werden damit ihrem Namen als Digital Natives mehr als gerecht. 86 Wochen­stunden ent­sprechen einer täglichen Internet­nutzung in Deutschland von rund zwölf Stunden.

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Schmerzen im Daumen wegen Handy-Haltung

Kein Wunder, dass Ärzte jetzt Alarm schlagen! Denn mit der ständigen Smartphone-Nutzung kommen neue Krankheiten auf – und immer mehr Menschen sind betroffen. So berichtet  Prof. Dr. Stefan Langer, Bereichsleiter für plastische, ästhetische und spezielle Handchirurgie am Universitätsklinikums Leipzig, dass seine Patienten immer jünger werden.

„Der typische Patient heute ist 15 bis 25 Jahre, eigentlich kerngesund und natürlich total vernetzt. Früher war der typische Patient eine 65-jährige Frau, die ihr ganzes Leben gearbeitet hat. Sie litt unter Verschleißerkrankungen, zu denen dann auch eine klassische Sehnenscheidenentzündung im Daumenbereich gehörte“, erklärt der Facharzt.

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Und die Gründe sind schnell gefunden: Das Smartphone hat der Welt eine neue „orthopädische“ Zivilisationskrankheit gebracht. „Beim einhändigen Bedienen des Smartphones wird der Daumen überbeansprucht“, so Prof. Langer.

Besser: Das Handy mit beiden Händen halten und bedienen – das entlastet die Daumen.
Besser: Das Handy mit beiden Händen halten und bedienen – das entlastet die Daumen. IMAGO/Westend61

Der Daumen sei eigentlich dazu gemacht, eine Faust bilden zu können und die Hand beim Greifen zu unterstützen, nicht aber, die ganze Zeit abgespreizt zu werden. „Die fortgesetzte Daumenbewegung in Richtung kleiner Finger strengt an und führt zu Schmerzen im daumenseitigen Handgelenk“, meint der Experte.

Die Folge: Immer häufiger leiden seine Patienten unter sogenannter „WhatsAppitis“ oder auch „WhatsApp Disease“ genannt. Und die lässt sich nur schlecht behandeln.

„Die ältere Dame bekam oft eine Kortisonspritze, die Schmerzen ließen nach, die Entzündung klang ab. Nur zur Not mussten wir operieren und das Sehnenfach öffnen“, meint der Arzt. Doch dem jungen Handy-User könne er guten Gewissens kein Kortison geben. Der Patient beziehungsweise die Sehne hat noch das ganze Leben vor sich.

So halten Sie Ihr Handy richtig – damit es nicht wehtut

„Da kann es noch echte medizinische Probleme geben, bei denen Kortison unverzichtbar ist. Auch für eine OP gibt es keinen wirklichen Anlass. Ich kann den jungen Patienten nur raten: Handy weglassen. Mit etwas Geduld lassen die Schmerzen nach einer Woche nach.“

Doch es gibt auch Mittel und Wege, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen, dass man den Daumen vor Schmerzen kaum noch bewegen kann. „Ich rate den Handy-Tippern, beide Daumen zugleich einzusetzen“, rät Ergo- und Physiotherapeutin Norina Weisenbilder. „Damit müssen die Daumen keine großen Entfernungen auf dem Display zurücklegen, werden also nicht überdehnt. Und generell sollte die Spielerei am Handy im Rahmen bleiben. Dann tut auch der Daumen nicht weh.“

Und noch auf eine anderen Weise kann man der „WhatsAppitis“ vorbeugen. Denn das Problem „verstärkt sich mit zunehmender Größe der Handy-Displays – und mit dem Drang, ununterbrochen in den sozialen Netzen unterwegs zu sein“, so der Professor. Also: Einfach mal ein kleineres Handy kaufen und weniger Daddeln!