Viele Menschen leiden unter einem Jodmangel, jodiertes Salz hilft ihnen. Doch für andere ist Jodsalz sogar schädlich. dpa/Robert Günther

Seit Jahrzehnten predigen Ernährungswissenschaftler und Mediziner: Wenn Salz, sollte es Jodsalz sein. In ihrem aktuellen Bericht zur Jodversorgung schreibt das Bundesamt für Risikoforschung (BfR), die Jodversorgung der Bevölkerung sei mangelhaft. Knapp 30 Prozent der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder nehmen nach Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu wenig Jod zu sich. „Ein wesentlicher Grund dafür könnte sein, dass in der Lebensmittelindustrie zu wenig jodiertes Speisesalz verwendet wird“, heißt es in einer Mitteilung des BfR. „Weniger Salz tut gut, auf Jodsalz verzichten aber nicht“, so formuliert es Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR.

Bei Kindern und Jugendlichen sei die Jodversorgung sogar rückläufig. „Für Frauen im gebärfähigen Alter ist das Risiko einer unzureichenden Jodzufuhr besonders hoch“, heißt es weiter. Dabei ist Jod doch als Allerwelt-Lebensmittel im Supermarkt für wenige Cent zu haben. Die Mehrzahl der industriell und handwerklich verarbeiteten Lebensmittel wie Brot und Backwaren enthält kein jodiertes Speisesalz.

Zu wenig Jod führt zur Schilddrüsenunterfunktion – mit diesen Symptomen

Wofür ist das chemische Element Jod überhaupt nötig? Als essenzielles Spurenelement dient es dem Aufbau von Schilddrüsenhormonen. Diese wiederum sind zentral für die Steuerung des Stoffwechsels, für das Wachstum, die Knochenbildung und die Entwicklung des Nervensystems. Wird über längere Zeit zu wenig Jod aufgenommen, kommt es zu einer Schilddrüsenunterfunktion. Symptome sind beispielsweise Müdigkeit, Gewichtszuname und ein Kropf durch eine vergrößerte Schilddrüse. Im Boden kommt Jod hierzulande kaum vor, wohl aber in Meeresfrüchten und Seefischen. Wer bewusst zu jodhaltigen Lebensmitteln greift, ist auch ohne Jodsalz in der Regel ausreichend versorgt.

Was das BfR in dem Zusammenhang aber nicht erwähnt: Für manche Menschen ist die Aufnahme von Jodsalz schädlich. Etwa jeder 20. Deutsche, wird geschätzt, leidet unter einer Schilddrüsenüberfunktion. Die Veranlagung dazu kann angeboren sein, oft steckt aber eine Funktionsstörung, eine krankhafte Veränderung (Morbus Basedow) oder meist gutartige Knoten hinter der Überfunktion.

Diese Symptome können auf eine Schilddrüsenüberfunktion hindeuten

Das Problem: Häufig werden die mit einer Schilddrüsenüberfunktion einhergehenden Symptome nicht richtig gedeutet oder als eigene Krankheit behandelt: So können Bluthochdruck, Schlaflosigkeit oder Durchfall Folge einer Schilddrüsenüberfunktion sein. Als häufige Symptome nennt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (Die Lehre von Hormonen und Stoffwechsel):

  • Vermehrtes Schwitzen
  • Gewichtsabnahme
  • Schneller Pulsschlag
  • Höherer Blutdruck
  • Händezittern
  • Muskelschwäche
  • Innere Unruhe
  • Schlaflosigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Häufigerer Stuhlgang
  • manchmal Durchfall

Blutbild bringt Klarheit: Diese Hormon-Werte sind Zeichen einer Schilddrüsenüberfunktion

Diese Liste ist allerdings nicht vollständig: Auch diffuse Symptome wie brüchige Nägel oder diffuser Haarausfall können Folge der Schilddrüsenunterfunktion sein. Klarheit bringt ein komplexes Blutbild, in dem neben anderen Faktoren das Regelhormon TSH erfasst wird. Ein zu niedriger TSH-Wert deutet auf eine Schilddrüsenunterfunktion. Darüber hinaus werden im Verdachtsfall zwei weitere Hormone, T3 und T4, bestimmt. Ist einer dieser beiden Hormone erhöht, liegt eine fortgeschrittene Überfunktion vor, liegt er im Normalbereich eine beginnende.

Ob eine Therapie nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. In jedem Fall sollten Betroffene als Sofortmaßnahme eines tun: Jodsalz sofort vom Speisezettel streichen, denn dessen Jodgehalt übersteigt den jedes natürlichen Lebensmittels um ein Vielfaches. Wie viel Jod einzelne Lebensmittel enthalten, darüber geben Tabellen Auskunft, die sich leicht googeln lassen.