Die Rückgewinnung des eigenen Blutes bei einer Operation gehört inzwischen zum Standard. Foto: Unsplash/Cassi Josh

Blut versorgt den Körper mit Sauerstoff. Geht bei einem schweren Unfall oder einer großen Operation zu viel davon verloren, ist das lebensgefährlich. Hier kommen Blutkonserven zum Einsatz. An die 4,7 Millionen Liter Blutprodukte werden laut Professor Andreas Humpe pro Jahr in Deutschland transfundiert. Humpe ist Direktor der Abteilung für Transfusionsmedizin am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Wann genau eine Bluttransfusion nötig wird, lässt sich nicht pauschal sagen. Aber es gibt Querschnittsleitlinien mit entsprechenden Grenzwerten, erklärt Kristina Hölig. „Unter einem solchen Grenzwert nimmt der Organismus häufig Schaden, wenn er keine Transfusion bekommt.“ Hölig leitet den Bereich Transfusionsmedizin am Uniklinikum Dresden und ist Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Transfusionsmediziner.

Der behandelnde Arzt muss neben den Leitlinien immer den gesamten Menschen im Blick haben, sagt sie: „Ein 20-Jähriger mit gesundem Herz-Kreislauf-System kompensiert viel niedrigere Werte als ein 80-Jähriger, der schon gewisse Herzprobleme hat, Durchblutungsstörungen im Gehirn oder eine Lunge, die nicht mehr richtig funktioniert.“

Auch bei einer Bluttransfusion gibt es Risiken

Wie bei Medikamenten gibt es auch bei einer Bluttransfusion Risiken und mögliche Nebenwirkungen. Bei vielen Menschen ist die Angst vor möglichen Infektionen groß. Verbandschefin Hölig stuft die Gefahr allerdings als sehr gering ein. Dazu trägt nicht zuletzt das in Deutschland seit 1998 geltende Transfusionsgesetz bei.

Ein weiteres Risiko sind immunologisch aktive Bestandteile der Blutprodukte, sagt die Expertin. Sie können bei der Übertragung auf einen anderen Patienten Reaktionen auslösen. Allerdings seien langfristige Auswirkungen auf das Immunsystem schwer objektiv überprüfbar. Und auch ein Verwechslungsrisiko im Krankenhaus besteht.

lutkonserven kommen nach Unfällen, bei Operationen oder auch in der Chemotherapie zum Einsatz. Foto: dpa

Bei all dem ist Humpe aber wichtig: „Am Ende des Tages muss man sagen, dass ohne Bluttransfusionen eine Vielzahl der Therapien, die wir dem Patienten heute anbieten können, nicht möglich wären.“ Trotzdem können Patienten die Transfusion verweigern, sagt Ruth Hecker, an der Uniklinik Essen für die Patientensicherheit zuständig und Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS).

„Die Zeugen Jehovas lehnen das aus religiösen Gründen ab, aber natürlich kann jeder Patient sagen: Das will ich nicht, weil ich Angst davor habe.“ Bedenken können im Gespräch geklärt werden: „Wie zu einem operativen Eingriff bekommt man eine einzelne Aufklärung zum Thema Bluttransfusion. Auch nach einem Notfall muss man hinterher eine Sicherheitsaufklärung bekommen.“ Alternativen gibt es kaum. Eigenblutspenden wären eine davon – sie sind aber deutlich zurückgegangen. „Bei vielen Patienten ist das durch Begleiterkrankungen oder ein entsprechendes Alter gar nicht machbar, ohne sie zu gefährden“, sagt Humpe.

Rückgewinnung des eigenen Blutes ist OP-Standard

Stattdessen gehört die Rückgewinnung des eigenen Blutes bei einer Operation inzwischen zum Standard. Und auch das sogenannte Patient Blood Management (PBM) gewinnt an Bedeutung. Laut Humpe ist es aber keine Alternative zur Bluttransfusion, sondern eine Ergänzung. „Man guckt sich den Patienten vor einer großen Operation an“, erklärt Hecker das PBM. Typische Fragen dabei: „Was hat er für Erkrankungen, wie sind seine Blutwerte, was kann man tun, um diese zu verbessern, kann man ihm im Vorfeld etwa Eisen oder andere Präparate geben?“ Außerdem wird ihm im Krankenhaus so wenig Blut wie möglich abgenommen.